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Motorsport: Roland Aschs größter Coup

Mit Teamwork und Geduld zum Titel der ADAC GT-Masters

Formel-1-Weltmeister Vettel auf allen Kanälen, auf der Rennstrecke, auf dem Podium, in der Heimat. Gut zwei Monate zuvor hielten der Altinger Sebastian Asch und sein Partner Maximilian Götz große Pokale in die Kameras. In einem Herzschlagfinale in Hockenheim hatten sie die ADAC GT-Masters gewonnen.

28.11.2012
  • Bernhard Schmidt

Altingen. Natürlich war vor neun Wochen im Finale der GT-Masters, ausgetragen im Rahmenprogramm der populären DTM-Rennserie, alles eine Nummer kleiner. Doch auch die Altinger und die Mitglieder des Motorsportvereins Herrenberg bereiteten dem frisch gekürten Champion Sebastian Asch mit Spruchbändern einen großen Empfang. Und auch bei Porsche in Weissach, wo der 26-jährige Student für Fahrzeugtechnik gerade ein Praktikum absolviert, knallten die Sektkorken. „Der Empfang war überwältigend“, erinnert sich Asch, „da habe ich erst so richtig gemerkt, was wir geschafft haben.“

Und neben dem Vornamen verbindet Asch noch etwas anderes mit dem nunmehr dreifachen Formel-1-Weltmeister: Wie Vettel so hat sich auch Asch im letzten Rennen die Meisterkrone aufgesetzt. Und wie bei Vettel schien auch für Asch und Götz das Rennen und der Titel schon fast verloren.

In der höchst ausgeglichenen GT-Serie hatten vor dem Showdown auf dem Hockenheim-Ring noch sieben Teams die Chance auf den Titel. Im ersten Rennen schieden Asch/Götz auf Position drei liegend mit kaputtem Reifen aus, alle Titelträume schienen geplatzt. „Als ich gesehen habe, dass Maximilian mit einem Reifenschaden anhalten musste, hatte ich die Meisterschaft schon abgehakt“, erinnert sich Asch mit Schrecken.

Doch die beiden hatten Glück im Unglück, keiner der sechs Konkurrenten fuhr im ersten Rennen in die Punkte. Wenige Runden nach dem Ausscheiden von Götz ereilte das Führungsduo Sean Edwards/Christian Engelhart (Porsche 911) das gleiche Schicksal, Daniel Keilwitz/Diego Alessi musste ihre Corvette mit kaputter Radaufhängung abstellen, und Maxime Martin/Dino Lunardi landeten wegen technischer Probleme nur auf dem 18. Platz. So musste das allerletzte Rennen einer langen Saison über den Titel entscheiden.

Und das Duo Asch/Götz legte eine Punktlandung hin. Nachdem die beiden mit nur zwei Ausnahmen in allen Rennen in die Punkte gefahren waren, jedoch nie als Erste durchs Ziel fuhren, gelang ihnen ausgerechnet im letzten Wettbewerb der Doppelschlag: Erstmals in der Saison ganz oben auf dem Treppchen, gleichzeitig Gesamtsieger und Titelträger – der bisher größte Erfolg für Sebastian Asch.

Maximilian Götz und Sebastian Asch hatten sich auch als Team bewährt. „Es hat einfach alles gepasst“, resümiert der glückliche Champion aus Altingen, „Maximilian hat einen ähnlichen Fahrstil wie ich, deshalb konnten wir auch meist mit der gleichen Abstimmung fahren.“ Großes Lob aber auch für die Mechaniker, die den 530 PS starken Mercedes SLS AMG perfekt auf die Straße brachten und sich am Ende die Teamwertung sicherten.

Kombination mit Götz ein glücklicher Zufall

Der Mercedes, mit 1350 Kilogramm gut 150 Kilogramm schwerer als die Konkurrenz von Porsche beispielsweise, diktiert den Fahrstil. Mehr Gewicht bringt mehr Abrieb, erklärt Asch, und so lag der im Vergleich zur Serie um 40 PS gedrosselte SLS besser in den Kurven, hatte dafür im Top-Speed aber leichte Defizite. Unterm Strich habe ihr Auto aber ohne Ausreißer nach oben oder unten meist im Durchschnitt gelegen, sei damit auch stets berechenbar geblieben. „Wir sind die gesamte Saison durch nach der Devise gefahren: möglichst durchrollen und punkten, wenn es sein muss, auch einmal auf einen Podestplatz verzichten.“ Nur im letzten Rennen musste ein Sieg her – und da hat es dann ja auch geklappt.

Das gut funktionierende Mercedes-Team hat sich eher zufällig gefunden. Zum Ende der vergangenen Saison, als Asch im Porsche 911 Vizemeister geworden war, hatte er mit Mercedes-Fahrer Götz die Telefonnummer ausgetauscht, dann über den Winter den Kontakt gehalten. „Die Entscheidung ist dann recht spät gefallen“, sagt Asch, „es war ja ganz offensichtlich ein Glücksfall.“

Die Arbeit bei Porsche, zuhause das Ford-Autohaus des Vaters, bei den GT-Masters im Mercedes-Cockpit – wie passt das zusammen? Nicht so ganz, räumt Asch ein. Was aber genau passt, ist die Traditionslinie innerhalb der Familie. Denn Vater Roland Asch, der mit großem Stolz seinen Sohn in Hockenheim siegen sah, ist zwei Mal Vize-Meister in der DTM geworden: im Mercedes. Später war der Chef des Altinger Autohauses allerdings auch im Porsche erfolgreich. „Ich kann mich daran erinnern, wie ich als kleiner Junge meinen Vater auf dem Siegerpodest gesehen habe. In Hockenheim war es nun umgekehrt“, erzählt Asch junior.

Wie es in der kommenden Saison, die am Wochenende 26. bis 28. April 2013 in Oschersleben beginnt, weitergeht, steht noch in den Sternen. „Das lass’ ich erst mal auf mich zukommen“, sagt Asch. „Natürlich könnte ich mir vorstellen, den Titel zu verteidigen. In welchen Team und mit welchem Auto, ist im Moment aber noch gänzlich offen.“

Mit Teamwork und Geduld zum Titel der ADAC GT-Masters
So sehen Sieger aus: Maximilian Götz (links) und der Altinger Sebastian Asch holten im letzten Rennen in Hockenheim den Titel der GT-Masters.

Mit Teamwork und Geduld zum Titel der ADAC GT-Masters
Ein Sportwagen, der nicht nur Kinderaugen glänzen lässt: der Mercedes SLS AMG von Sebastian Asch und Maximilian Götz.

Ebenfalls im Mercedes feierte Roland Asch, Vater von GT-Champion Sebastian Asch, seine größten Erfolge und wurde zwei Mal Zweiter der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft. „Ich bin stolz auf seine Leistung“, sagt der 62-jährige Autohändler aus Altingen, „er hat bestens harmoniert mit seinem Partner.“ Das kam vielleicht nicht von ungefähr, vermutet Asch. Denn Roland Asch ist vor vielen Jahren schon gegen Ade Götz, den Vater von Sebastians Teamkollegen Maximilian Götz, Bergrennen gefahren – Asch im Ford Escort, Götz im VW Golf. „Wir hatten damals viel Spaß und Gaudi“, erinnert sich Roland Asch, „diese Harmonie hat sich offensichtlich auf die nächste Generation überragen.“ Den Schlüssel zum Erfolg seines Sohnes sieht der Vater primär in der ausgeprägten Gelassenheit des Filius. „Sebastian hat immer die Nerven behalten, ist immer geduldig geblieben, hat sich taktisch klug verhalten und hat auch mal die Porsche ziehen lassen.“ Und Roland Asch, den älteren Motorsport-Fans als angriffslustiger Fahrer im Gedächtnis, räumt ein: „Ich hätte die Geduld nicht gehabt.“

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28.11.2012, 12:00 Uhr

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