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Französische Filmtage

Mit Volker Schlöndorff und „25 Jahren Afrika“

Die Jahre der Klagen sind vorbei. Die 29. Französischen Filmtage bekennen sich zu Spaß und komplexer Unterhaltung. Das Festival, das am Mittwoch, 31. Oktober, beginnt und eine Woche später endet, will nicht zuletzt den Wortbestandteil Fest in Festival betonen.

25.10.2012
  • Ulla Steuernagel

Mit Volker Schlöndorff und „25 Jahren Afrika“
Supersüß und auch Spaßbremse: das Baby in „Un heureux événement“ („Ein freudiges Ereignis“). Übrigens der Film eines Mannes: Rémi Bezancon.

Tübingen. „25 Jahre Afrika“ ist einer der Gründe zum Feiern. Wie das? Die Zahl bezieht sich allein auf die Französischen Filmtage. So lange schon wird bei ihnen das „Afrika-Paket“ geschnürt. Bärbel Mauch, Bernd Wolpert und Jörg Wenzel sorgen seit dieser Zeit dafür, dass das früher „nicht sichtbare afrikanische Kino“ die deutschen Kinos wenigstens streift. Angetreten „aus eigenem cinéastischen Interesse“, so Wolpert, verschafften sie manchem Film einen Bundesstart.

Das Image des afrikanischen Kinos hat sich gewandelt, es hat sich vom Klischee befreit, vor allem Dokumentation von Armut und Befreiungskampf und des Aufeinanderprallens von Tradition und Moderne zu sein. Von Regisseuren wie Jean-Marie Téno (Kamerun) und Gaston Kaboré (Burkina Faso) wurde fürs Festival ein Rückblick in Kurzfilmen zusammengestellt. Auch die neuen Filme zeigen, Afrika kann alles: Kunst, Komödie, Klamotte – und selbst Science-Fiction.

Rebelle“ heißt in diesem Jahr einer der Lieblingsfilme von Festivalleiter Christopher Buchholz. Der kanadische Film über eine Kindersoldatin in Kongo wird nicht als Gewalttableau, sondern als Liebesgeschichte einer 15-Jährigen erzählt. „Rebelle“ gewann den Silbernen Bären der Berlinale, Rachel Mwanza wurde beste Hauptdarstellerin.

Mit Volker Schlöndorff und „25 Jahren Afrika“
Ernst und komisch geht gut zusammen: „Au cas où je n‘aurais pas la palme d‘or“.

Der Stargast des diesjährigen Festivals hat ebenfalls eine enge Verbindung zu Afrika. Claire Denis hat nicht nur ihre Kindheit dort verbracht, sondern auch zahlreiche Filme auf dem Schwarzen Kontinent angesiedelt. Ihr gilt die Retrospektive. Die unpathetische Autorenfilmerin, die ihr Handwerk bei Jacques Rivette, Wim Wenders und Jim Jarmusch lernte, zeigte in ihrem Debütfilm „Chocolat“ (1988) das kolonialistische Kamerun durch die Augen eines weißen Mädchens. Und auch ihr jüngstes Werk „White Material“ (2009) führt mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle auf eine Farm in Afrika. Das Drehbuch, das Denis zusammen mit der schwarzen Autorin und Prix-Goncourt-Preisträgerin Maria NDiaye schrieb, wurde schon als „politisch inkorrekt“ gescholten.

Frauen seien auch in diesem Jahr wieder gut vertreten, kommentiert Buchholz das Programm: Der Schweizer Autorenfilmerin Jacqueline Veuve ist die Hommage gewidmet. Leider kann sie wegen einer Erkrankung nicht nach Tübingen kommen.

Nach Tübingen kommt jedoch einer der Großen des deutschen Kinos. Volker Schlöndorff hat viel gegen das Bild des hässlichen Deutschen in Frankreich getan. „Die Blechtrommel“ oder „Eine Liebe von Swann“ sind grenzüberschreitende Klassiker. Bei den Dreharbeiten zum Résistance-Film „Das Meer am Morgen“ lernte Buchholz ihn kennen. „Wir haben uns gut verstanden und so kommt er nach Tübingen“, erläutert er den mehrtägigen Gastauftritt (4. bis 7. November) des Stars, der zur Diskussion um Romanverfilmungen im Stuttgarter Literaturhaus (5. November) ebenso antreten wird, wie zum Gespräch mit Schülern (6. November) in Tübingen.

Die Programmauswahl biete viele „komplexe Filme“ (Buchholz) und viele skurrile Komödien. So falle es fast auf, wenn ein Film mal dem Klischee entspreche: „Schöne Menschen unterhalten sich gepflegt französisch über Liebesangelegenheiten“, findet Pressesprecherin Andrea Bachmann. Einer der Wettbewerbsfilme „La tête la première“ spiele geradezu Rohmer-haft auf dieser Klaviatur. Schöne und interessante Menschen werden in den nächsten Tagen aber nicht nur auf der Leinwand zu sehen sein. Mit Christa Theret („Mike“), „ein Engel, der alle an die Wand spielt“, so Bachmann, wird eine gehypte Jungdarstellerin nach Tübingen kommen.

Mitunter lohnt auch ein Blick nach Stuttgart. Murnaus Stummfilm „Nosferatu“ wird am Samstag, 3. November, in den Stuttgarter Wagenhallen mit experimenteller Rockmusik unterlegt. „Sechzig Minuten Trance“, schwärmt Buchholz.

Info: Mehr zum Programm in der TAGBLATT-Beilage am Samstag oder in unserem Kinoprogramm.

Die Zahl ist krumm, aber beachtlich: 29. Französische Filmtage. Sie werden am kommenden Mittwoch um 19.30 Uhr im Museum 1 eröffnet.
Filmtageleiter Christopher Buchholz hatte sich vorgenommen, das Programm etwas kleiner zu halten. So ganz ist es ihm nicht gelungen. Fast 100 Filme stehen auch diesmal wieder auf dem Programm. Gespielt wird auf den drei Leinwänden des Kino Museums in Tübingen, in den Kinos Arsenal und Atelier, den Lichtspielen Mössingen, im Waldhorn-Kino in Rottenburg und im Delphi 1 und 2 (Tübinger Straße 6) in Stuttgart. Offizielle Tübinger Festivalrestaurants sind „Zum Gutenberg“ und „Die Kelter“. Kartenreservierungen für alle Tübinger Vorstellungen sind unter Telefon 0 70 71 / 5 69 65 6 (ab 18 Uhr an den Kinokassen) oder online unter www.filmtage.de möglich. Der Sechserblock kostet 39 Euro, Einzeltickets: 7,50 Euro (nur in Mössingen 6 Euro). Eintritt für Konzerte: 10 Euro.

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25.10.2012, 12:00 Uhr

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