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Turbo-Tore und Gänsehaut

Mit dem 4:0 der Bayern ist der VfB Stuttgart noch gut bedient

Großes Spektakel in Halbzeit eins, dann große Emotionen bei Holger Badstubers Comeback. Dazu das lässig-lockere 4:0 (4:0) der Bayern. Für die Champions war der VfB nicht mehr als ein Sparringspartner.

09.11.2015

Von WOLFGANG SCHEERER

München Glücklich ist beim VfB natürlich niemand über ein 0:4 in München, wirklich geknickt schienen die Stuttgarter trotzdem nicht. Gegen diese Turbo-Bayern waren sie mit der Pleite noch gut bedient.

Zumindest Schadensbegrenzung ist gelungen. Ungewohnt demütig räumte Trainer Alexander Zorniger ein: "Wenn man in München eine Chance haben möchte, muss alles passen. Das war in unserem Spiel bei zu vielen Dingen nicht der Fall - angefangen mit dem 0:1. Unterm Strich haben die Bayern dank ihrer Qualität hochverdient gewonnen."

Zu gewaltig ist die Offensiv-Power: Arjen Robben (11. Minute), Douglas Costa (18.), Robert Lewandowski (37.) und Thomas Müller (40.) überrollten die schwächste Abwehr der Liga in der Münchner Arena vor 75 000 Zuschauern, darunter 7500 Gäste-Fans, vor der Pause. Der überwältigende Tempo-Fußball überforderte offensichtlich auch das Schiedsrichtergespann: Tor Nummer zwei und vier ging eine Abseitsstellung voraus. Das blieb unerkannt. Kurz nach Seitenwechsel ging dann zu Unrecht die Fahne hoch, als Timo Werner traf.

Dass außerdem Rückkehrer Filip Kostic die Latte getroffen hatte (34.), änderte für Werner und Co. nichts am Gesamteindruck: "Wir haben genau das gespielt, was die wollten. Wir standen einfach zu hoch und sind ins offene Messer gelaufen." Der VfB hat nach zwölf Spieltagen 27 Gegentore kassiert. Nicht nur das ist einmalig.

Die Bayern jedenfalls hätten viel höher gewinnen können, ja müssen. Sie ballerten innerhalb der ersten 45 Minuten satte 23 Mal auf den Kasten von Przemyslaw Tyton. Einen solchen Wert gab es noch nie seit Beginn der detaillierten Datenerfassung in der Fußball-Bundesliga 1992. Robben, der nach dem Konter über Costa mit dem Bauch einnetzte, erzielte außerdem den schnellsten Treffer dieser Saison.

Torhüter Tyton allerdings zeichnete sich mit zehn (!) gehaltenen Schüssen aus, während gerade der Niederländer Robben weitere Chancen viel zu lässig vergab. Das war bereits nach dem Seitenwechsel, als die Bayern generell deutlich Gas wegnahmen. Mit Blick auf die anstehenden Länderspielreisen sollte angesichts der klaren Führung nichts mehr riskiert werden. Abwehrchef Jérôme Boateng, zuletzt in der Bayern-Innenverteidigung unter Dauerbelastung, wurde sogar schon zur Pause ausgewechselt. Obwohl keine Tore mehr fielen: Grund zum Jubeln hatten die Bayern-Fans trotzdem noch genug. 200 Tage nach seinem Muskelsehnenriss im linken Oberschenkel wurde Holger Badstubers Comeback mit Sprechchören und Standing Ovations gefeiert. "Es war ein unglaublicher Empfang. Das geht unter die Haut", sagte der Innenverteidiger, der in der 59. Minute kam und gleich auf die Boateng-Position rückte. Vor Pep Guardiolas Abwehr-Dreierkette machte Joshua Kimmich seine Sache defensiv wie offensiv gut. So gut, dass der Trainer später wortreich bedauerte, dass er einem solchen Talent in seinem Star-Aufgebot zu wenig Spielzeit geben könne. Alexander Zorniger bot auf dem Pressekonferenz-Podium an: "Wir könnten das tun!"

Guardiola lehnte dankend und lachend ab: "Joshua Kimmich ist fast mein Sohn!" Für den 20 Jahre alten Junioren-Nationalspieler haben die Bayern im Sommer 8,5 Millionen Euro nach Stuttgart überwiesen. Hier hatte der Mittelfeldspieler aus Rottweil nicht unmittelbar als Kandidat für die erste Mannschaft gegolten. In München durfte er jetzt wieder den großen Spanier Xabi Alonso vertreten. Und 90 Minuten lang Teil der Überflieger-Mannschaft sein.

Nächster Versuch von Top-Torjäger Lewandowski: Diesen Schuss seines Landsmanns parierte VfB-Torhüter Tyton. Foto: Eibner

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Erstellt:
9. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. November 2015, 12:00 Uhr

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