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Mit dem Baby zur Arbeit
Im „Rockzipfel-Büro“: Die Eltern kümmern sich selbst oder wechseln sich bei der Betreuung ab. Foto: epd
Co-Working

Mit dem Baby zur Arbeit

Wer seinen Nachwuchs in die Firma mitbringt, wird oft schräg angeguckt. In Eltern-Kind-Büros dagegen ist das Bedingung. Das Angebot findet sich in immer mehr Städten.

20.01.2017
  • EPD

Bonn. Bei Janine Funke ist Multitasking angesagt: Mit Baby Emilia im Tragetuch wippt sie auf dem Sitzball und tippt leise auf der Tastatur ihres Laptops. „Ich versuche, mit meiner Arbeit voranzukommen“, erzählt sie. Eigentlich promoviert die 26-jährige Historikerin in Potsdam, doch ihr Mann lebt in Bonn. Deshalb hat sie ihren Arbeitsort an den Rhein verlegt, in das Co-Working-Büro „Rockzipfel“ im Bonner Süden.

Co-Working heißt: Für einen Tages- oder Monatspreis gibt es einen Arbeitsplatz im Gemeinschaftsbüro. Viele Freiberufler nutzen das, um heraus zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Der „Rockzipfel“ in Bonn bietet für 70 Euro monatlich einen Arbeitsplatz – und die Möglichkeit, das Baby mitzunehmen. Betreut werden die Kinder, wenn sie nicht gerade im Tragetuch schlafen, abwechselnd von Eltern im Büro.

Für Janine Funke hat das einen angenehmen Nebeneffekt: „Ich finde es schön, einen Raum zu haben, wo ich Leute treffe, die in einer ähnlichen Lebenssituation sind, also auch keine klassische Elternzeit haben, sondern stattdessen weitermachen.“ Auch wenn ihre Tochter mit knapp fünf Monaten noch klein ist, kommt Funke regelmäßig. Lange Auszeiten kann sie sich im Wissenschaftsbetrieb nicht leisten. „Man hat nicht wirklich Elternzeit, wenn man promoviert. Ich bin nicht angestellt, ich habe ein Stipendium“, erklärt sie.

Ins Leben gerufen wurde das Eltern-Kind-Büro „Rockzipfel“ von zwei Doktorandinnen, die sich im Stillcafé kennengelernt haben. „Wir haben festgestellt, dass wir beide in einer ähnlichen Situation sind und uns zusammen tun wollen“, erzählt Gründerin Svenja Mordhorst. Sie stießen auf das „Rockzipfel“-Büro in Leipzig, das seit 2010 ein Eltern-Kind-Büro anbietet und Namen und Logo an andere Büros vergibt. Auch in Dresden, Hamburg oder München gibt es Rockzipfel-Büros, in denen sich Eltern die Betreuung ihrer Kinder aufgeteilt haben. Das Konzept ist in jeder Stadt etwas anders.

In München sind Eltern angesprochen, die Kinderbetreuung mit Arbeit oder dem Studium vereinen wollen, die von zuhause aus arbeiten können oder während der Elternzeit einfach unter Menschen kommen wollen. „Ein Eltern-Kind-Büro wie Rockzipfel München zeichnet sich dadurch aus, dass Kinder nicht wie in einer Krippe fremdbetreut werden“, heißt es auf der Homepage. Eltern gäben die Verantwortung nicht ab, sondern unterstützten sich bei der Betreuung.

In Dresden hat das Büro an drei Tagen geöffnet; über ein Stundenkonto wird festhalten, wer wie oft arbeitet oder eigene und fremde Kinder betreut. Auch wenn sich die Bonner gegen ein Modell wie in Dresden oder Leipzig entschieden haben: „Mit den Erfahrungen und Tipps der anderen haben wir unser Konzept geformt“, sagt Mordhorst.

Seit April 2016 wird dienstags und mittwochs das Café Apfelkind, ein kinderfreundliches Café im Bonner Süden, für den normalen Betrieb geschlossen und in ein Co-Working-Büro umgebaut: So entstehen ein Arbeitsbereich und ein Spielzimmer. Das Alter des Kindes sollte ein Jahr nicht überschreiten.

Wie Arbeit und Babybetreuung koordiniert werden, wird nicht geplant, sondern täglich neu ausgehandelt: „Das ist meistens spontan und hängt von den Umständen ab, zum Beispiel welches Kind gerade müde ist. Wenn das eigene Kind schläft, kann man eigentlich immer arbeiten und bei den anderen ist es immer eine spontane Entscheidung und Absprache, wer zu arbeiten anfängt und wer nach den Kindern schaut“, erklärt Doktorandin Janine Funke. Schläft ein Baby, kann es auch im Arbeitsbereich in einem Kinderreisebett hingelegt werden. epd

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20.01.2017, 06:00 Uhr

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