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1956 eröffnete Wilhelm Luz ein Geschäft für Strickwaren

Mit dem Bus auf Krämermärkte

OFTERDINGEN (sw). „Wir gehen zu Strickers“, sagen die älteren Ofterdinger heute noch, wenn sie den Laden in der Goldgasse 5 aufsuchen. Dabei hieß die Familie nie Stricker, sondern Luz. Doch sie hatte eine Strickerei, die lange schon geschlossen ist. Den Laden aber gibt es noch – genau seit 1956.

07.12.2006

Eigentlich hat die Familie auch einen 80.Geburtstag zu feiern. Denn 1926 schafften Rosa und Wilhelm Luz eine erste Strickmaschine an. Irgendwie fand sie noch Platz in dem kleinen Haus in der Goldgasse 6. Da wohnte das Paar mit immerhin drei Kindern. Wilhelm Luz hausierte mit Handwolle und seine Frau verstrickte die Fäden nun auch zu Pullovern und Strümpfen, die ihr Mann später ebenso an Haustüren verkaufte. Mit dem Fahrrad oder Motorrad zog er durch die Nachbargemeinden – durch Öschingen oder Mössingen.

Das Stricken an der Maschine hatte sich Rosa Luz selbst beigebracht. Sohn Ernst aber wollte sich professionalisieren. „Von 1942 bis 1944 hab’ ich eine Strickerlehre in Eningen unter Achalm gemacht“, erinnert sich der 79-Jährige.

Im Dezember 1956 baute die Familie in der Goldgasse 5 eine Werkstatt samt Laden. Winzig war er damals, „nur vier Meter konnten die Kunden in das Geschäft eintreten, dahinter war die Werkstatt“, sagt Ernst Luz. Seine jüngere Schwester Lisa betrieb fortan den Laden, er saß an den Strickmaschinen: Drei große hatte die Familie gekauft, zwei mussten von Hand betrieben werden, eine war elektrisch. Seine Frau Erika half im Laden aus, wann immer sie gebraucht wurde. Und sie arbeitete oft an den kleineren Strumpfstrickmaschinen. „Die waren einen halben Meter groß und wurden an den Tisch rangeschraubt“, sagt die 76-Jährige.

Sie strickten außer den Waren, die sie im Laden auslegten auch Maßanfertigungen für ihre Kunden. Und Ernst Luz fuhr mit seinem VW-Bus fast täglich auf Krämermärkte von Baiersbronn bis Stuttgart. Oder baute seinen Verkaufsstand allein in Ortschaften auf. „Ich hatte immer ein Sortiment dabei, und was ich nicht hatte, habe ich auf Bestellung angefertigt.“

Seit 1959 hat die Familie nicht nur selbst produziert, sie kaufte auch Strickwaren dazu, später noch Trikotagen und Kurzwaren. „Vom Schürzenband bis zum Hosengummi gab es alles“, sagt Erika Luz. Und das ganze Haus wurde zum Lager von der Bühne bis zum Keller. „Wenn jemand kam und was Bestimmtes wollte, musste man überall suchen“, erinnert sich Tochter Dagmar Zehender, die seit 1982 im Geschäft mitarbeitet und es seit dem Tod ihrer Tante Lisa im Jahr 2003 leitet. „1975 haben wir mit der Strickerei aufgehört, es hat sich nicht mehr gelohnt“, sagt die 44-Jährige. Und 1992 sei ihr Vater letztmals auf Märkte gefahren, weil nicht mehr viel verkauft wurde.

„Mein Herzblut hängt an diesem Geschäft“, sagt sie. Obwohl sie sich gut erinnert, dass sie „als Kind immer diese kratzigen Wollstrumpfhosen tragen musste“. Was früher Werkstatt war, wird heute auch als Ladenfläche genutzt. Das Sortiment ist fast unverändert geblieben: Trikotagen, Strick- und Kurzwaren. Und ein Familienbetrieb ist es auch geblieben. Den die ältere Generation nach und nach der jüngeren überließ.

Mit dem Bus auf Krämermärkte
Goldgasse 5 in Ofterdingen: Dagmar Zehender (rechts), die Enkelin des Geschäftsgründers Wilhelm Luz, bedient in ihrem Strickwarengeschäft Anita und Albert Futter – Kunden der ersten Stunde.

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07.12.2006, 12:00 Uhr

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