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Mit dem E-Motor in die Luft
Ein Besucher interessiert sich besonders für eine Propellermaschine, die auf der Luftfahrtmesse Aero ausgestellt ist. Noch bis zum 23. April hat die Ausstellung in Friedrichshafen geöffnet. Foto: dpa
Aero in Friedrichshafen zeigt die neuen Trends - Drohnen zählen dazu

Mit dem E-Motor in die Luft

Das Fliegen wir umweltfreundlicher: Elektrisch angetriebene Flugzeuge gehören zu den wichtigsten Entwicklungen der Luftfahrt-Branche. Das Thema Drohnen bereitet Experten dagegen auch Sorgen.

21.04.2016
  • BIANCA FRIESS

Friedrichshafen. "Achtung: Flugbetrieb", ist auf einem Schild zu lesen. Momentan ist der einzige Flugbetrieb in der Halle aber wohl eine Drohne, die von einem kleinen Jungen gesteuert wird. Selig lächelnd steht er in einem Kreis aus Zuschauern. Sie beobachten, wie er das handliche Gerät per Fernsteuerung einige Meter in die Luft und wieder zurück zum Boden lenkt.

Ein paar Meter weiter werden die Maschinen auf der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen größer: Am Stand von Siemens (München) steht zum Beispiel ein weißes Kunstflugzeug mit blauen Streifen. Vorn ist ein Fenster eingebaut, durch das der Motor zu sehen ist. Was ein Laie nicht sofort erkennt: Es handelt sich dabei um einen Elektromotor.

Das sei das große Thema der Branche, sagt Willi Tacke, Organisator der Ausstellung "e-flight-expo" und Redakteur des Fachmagazins Flügel: "Fast alle großen Hersteller der Allgemeinen Luftfahrt hören in die E-Flug-Geschichte hinein. Das schafft Dynamik." Im letzten Jahr sei da der Knoten geplatzt.

Zu den großen Herstellern zählt er zum Beispiel die Airbus-Gruppe, die in Kooperation mit Siemens die Entwicklung elektrisch angetriebener Luftfahrzeuge vorantreiben will. Das Unternehmen ist überzeugt, dass bis zum Jahr 2030 sogar Verkehrsflugzeuge mit hybrid-elektrischen Systemen angetrieben werden können, solange nicht mehr als 100 Passagiere mitfliegen. Das kann den Treibstoffverbrauch senken und Lärm reduzieren.

Überhaupt sehen die Branchenvertreter die Allgemeine Luftfahrt zur Zeit im Aufwind. Lange gingen zum Beispiel die Mitgliederzahlen von Aopa-Germany, des Verbands der Allgemeinen Luftfahrt, zurück. "Jetzt geht es wieder stetig nach oben", berichtet Elmar Giemulla, der Aopa-Präsident.

Doch was gehört überhaupt zur Allgemeinen Luftfahrt? Der Verband vergleicht die Branche mit dem Auto-Verkehr auf der Straße. Es gehören alle Flug-Aktivitäten dazu, nur die Linien-Luftfahrt und militärischen Flüge sind ausgeschlossen. Insgesamt setzt die Branche in Deutschland jährlich mehr als 1 Mrd. EUR um, berichtet der Verband. Ungefähr 7000 Menschen sind hierzulande in der Allgemeinen Luftfahrt beschäftigt.

Vor allem im Hubschrauber-Geschäft kommt allerdings eine immer größere Konkurrenz auf: die unbemannte Luftfahrt. "Die Drohnen dringen in den Luftraum ein und nehmen uns den Markt weg", beklagt Frank Liemandt, vom Deutschen Hubschrauber Verband.

Die neue Technik sei Segen und Fluch gleichzeitig, sagt auch Aopa-Präsident Giemulla. Er sieht noch eine anderes Problem mit den Drohnen. "Viele spielen damit herum und sind sich häufig gar nicht bewusst, dass sie an der Luftfahrt teilnehmen", sagt er.

Durch Leichtsinn kann es schnell zu Unfällen kommen. Giemulla berichtet zum Beispiel von einem Vorfall in England, wo eine Drohne in einem Kinderwagen landete - was das Kind ein Auge kostete. Vor kurzem ist auch ein Flugzeug mit einer Drohne kollidiert.

Trotzdem schreitet die Entwicklung der zivilen Drohnen weiter voran, das zeigt sich auch auf der Aero-Messe. Da ist zum Beispiel der Stand von Bormatec mit Sitz in Ravensburg. Das Unternehmen verkauft Drohnen, die wie kleine Flugzeuge aussehen.

Was dabei neu dazukommt: Kunden können sich die Maschinen je nach Bedarf selbst zusammenstellen - nach einem Baukastensystem. Wer eine größere Kamera braucht, bestellt sich die Drohne einfach größer. Soll es noch mehr Power sein, kommt ein zweiter Motor dazu, berichtet Chef Franz Bormann. Viele seiner Kunden kommen von Universitäten: Geologen setzen die Drohnen zum Beispiel für ihre Forschung ein.

Trotz allen Aufschwungs mangelt es in der Allgemeinen Luftfahrt an Nachwuchs. Dem will das Messeteam entgegenwirken: "Man muss auch zeigen, wie faszinierend das Thema Fliegen ist", sagt Aero-Projektleiter Roland Bosch. Junge Zuschauer sollen zum Beispiel mit einem Drohnen-Rennen angelockt werden. Damit es dabei nicht zu ungewollten Kollisionen kommt, wurde wohl auch das Schild mit der Aufschrift "Achtung: Flugbetrieb" montiert.

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21.04.2016, 06:00 Uhr

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