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Mit dem Steuerberater feilschen
Bis zum Handschlag kann man lange verhandeln nun auch mit Steuerberatern über ihr Honorar. Foto: studiostoks - fotolia.com
Vergütungsverordnung

Mit dem Steuerberater feilschen

Mandanten können neuerdings die Höhe des Honorars aushandeln. Sie können zusätzlich den Aufwand für den Experten verringern und dadurch sparen.

08.11.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Feilschen Sie mit Ihrem Steuerberater!“ Denn sein Honorar ist keineswegs mehr in Stein gemeißelt. Mit einem flotten Spruch macht Hermann-Josef Tenhagen, der Chefredakteur des gemeinnützigen Internetportals finanztip.de, sparsamen Menschen Hoffnungen. Seit Juli lässt die Gebührenordnung der Steuerberater ausdrücklich zu, für Dienstleistungen, die nicht vor Gericht stattfinden, weniger als die bisherigen Mindesthonorare zu vereinbaren. Die neue Möglichkeit wurde ziemlich sang- und klanglos eingeführt, nachdem der Bundesrat eine Änderung der Vergütungsverordnung akzeptiert hatte.

Darauf müssen die Berater ihre alten und neuen Mandanten auch ausdrücklich hinweisen, und zwar schriftlich. Das kann allerdings per E-Mail mit Rückantwort geschehen – eine Unterschrift ist nicht nötig. Fehlt dieser Hinweis, können die Kunden die Rechnung anfechten.

Bei der Bundessteuerberaterkammer sorgt diese Neuregelung für wenig Aufregung. Zum einen waren Abweichungen in der Praxis längst möglich und vor Gericht anerkannt. Dafür sorgte schon der Wettbewerb unter den 95 000 Steuerberatern, Tendenz steigend. Gut zwei Drittel arbeiten als Selbständige, die übrigen als Angestellte. Zum anderen haben die Berater mit der Änderung wohl abgewendet, dass die EU-Kommission die ganze Gebührenordnung kippt. Damit drohte sie, weil ihr verbindliche Mindestpreise generell ein Dorn im Auge sind. Die Branche konnte sich mit dem Argument durchsetzen, dass die Gebührenordnung dem Verbraucherschutz und der Qualitätssicherung diene.

Schon bisher gab es keine festen Gebühren, sondern einen weiten Rahmen, der es möglich macht, Aufwand und Kompliziertheit des Einzelfalls zu berücksichtigen. Ausgangspunkt ist meist die Höhe der Einkünfte, etwa aus einem Unternehmen oder aus Vermietungen. Auch künftig gilt das Grundprinzip, dass die Vergütung „in einem angemessenen Verhältnis zu der Leistung, der Verantwortung und dem Haftungsrisiko des Steuerberaters“ stehen muss, wie die Verordnung festlegt, auch wenn sich das weit auslegen lässt.

Intensive Honorarverhandlungen lohnen sich hauptsächlich für Geschäftsleute, die um die Hilfe eines Steuerberaters gar nicht herumkommen. Bei Arbeitnehmern geht es nicht um so hohe Summen. Außerdem haben sie die Alternative, die Dienste eines Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch zu nehmen. Dazu müssen sie Mitglied werden und im Schnitt 150 EUR Beitrag im Jahr bezahlen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie nicht mehr als 13 000 EUR Einkünfte aus anderen Quellen haben, etwa aus der Vermietung eines Häuschens.

Wer mit seinem Steuerberater verhandeln will, sollte erst einmal überlegen, wie er dessen Aufwand verringern kann. Der ist hoch, wenn die Unterlagen ungeordnet im Schuhkarton statt wohl sortiert abgegeben werden. Zudem rät Tenhagen: „Machen Sie einen Gegenvorschlag, wie der Steuerberater Arbeit und Sie Honorar sparen können.“

Doch der Preis allein sollte nicht ausschlaggebend sein, betont der Verbraucherschützer. „Ein guter Steuerberater kann Ihnen langfristig viel Geld, Zeit und Nerven sparen.“ Schließlich muss der ständig viel Zeit investieren, um sich und seine Mitarbeiter im wuchernden Steuerdschungel weiterzubilden. Und noch eine Empfehlung hat Tenhagen: „Loben Sie die Arbeit Ihres Steuerberaters. Denn wer gelobt wird, ist verhandlungsbereiter.“

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08.11.2016, 06:00 Uhr

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