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Kommentar

Mit dem Taxi mal eben ins Café

Der Verkehr in der Fußgängerzone nervt. Egal an welchem Wochentag man die Neckargasse hinauf und Richtung Marktplatz die Kirchgasse entlang geht – immer drückt sich ein dicker Lieferwagen durch die Menschen, parkt ein Lastwagen vor einem Geschäft, blockiert der Kastenwagen eines Handwerkers den Zugang zur Stiftskirchentreppe, bahnen sich Taxis einen Weg.

24.05.2012

Sie alle haben ihre Berechtigung: Der Lieferdienst bringt die im Internet bestellten Schuhe für Frau Maier oder die Ladung schicker Socken für Frau Lüllich. Der Handwerker muss ein leckes Rohr reparieren oder eine Fassade sanieren, das Taxi bringt den gehbehinderten Senior vom Arzt nach Hause.

Das ist alles verständlich und erträglich. Nicht hinnehmbar ist aber, dass viele, die eine Ausnahmegenehmigung haben, dies reichlich ausnutzen. Da wird die Neckargasse zur geschickten Abkürzung für den Handwerker, der in der Kirchgasse zu tun hat und sich den Umweg über die Lange Gasse und durch die halbe Stadt sparen will. Da biegt der Handwerker aus Dußlingen von der Eber hardsbrücke nach links in die Neckargasse ab, weil’s eben schneller geht. Und dass der Taxifahrer sein Gefährt nur deshalb in der Kirchgasse abstellte, weil er dort mal schnell einen Kaffee trinken wollte, wurde nur deshalb bekannt, weil sich sein Taxi selbstständig machte und gegen ein Baugerüst knallte.

Ein Taxifahrer hat seinen Fahrgast abzuliefern und sich dann schleunigst wieder aus dem Fußgängerzonenstaub zu machen. Und ein Lieferdienst, der in der Neckargasse nichts abliefern muss, hat dort auch nichts verloren. Ganz zu schweigen davon, dass auch Lieferdienstfahrer ihre Fahrzeuge nicht unbedingt vor dem Kaffee abstellen müssen, in dem sie ihre Mittagspause verbringen.

Kontrollen sind ja schön und gut und verbannen hoffentlich all diejenigen, die keine Genehmigung haben. Sie verhindern aber nicht den Abkürzungsverkehr durch die Neckargasse und auch nicht das Parken in der Kirchgasse von jenen, die in die Fußgängerzone fahren dürfen und das zum Kaffeetrinken nutzen.

Dass die Handwerker mit den für sie drohenden Einschränkungen ebenso wenig einverstanden sind wie die Ladeninhaber und die Bewohner, ist nachvollziehbar. Statt strikter Ablehnung wäre allerdings mehr Kompromissbereitschaft wünschenswert. Auch in Rottenburg sind Handwerksbetriebe flexibel, obwohl sie dort ihre Genehmigung erstmal holen müssen. Und Tübinger Ladeninhaber könnten ihre Geschäfte wie in anderen Städten auch schon um 9 Uhr öffnen statt erst um 10 Uhr. Dann könnten die Lieferdienste ihre Pakete auch schon vor 10 Uhr bringen. Zudem könnten Ausnahmegenehmigungen auf bestimmte Straßen und Gassen beschränkt und so auch kontrolliert werden. Wenigstens die Neckargasse würde das wieder aufwerten. sabine lohr

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24.05.2012, 12:00 Uhr

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