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Mit dem digitalen Sammeltaxi
gegen Stau und Feinstaub
Die Firma Clevershuttle bietet Ridesharing nicht nur in Berlin an. Foto: Clevershuttle
Ridesharing

Mit dem digitalen Sammeltaxi gegen Stau und Feinstaub

Die neue Mitfahrgelegenheit ist günstiger als eine normale Taxifahrt aber teurer als ein Busticket. Das erste Unternehmen ist am Start, weitere folgen.

27.03.2018
  • DOROTHEE TOREBKO

Berlin. Daniela Kluckert erzählt gern diese Geschichte, als sie mitten in Brandenburg strandete und nicht mehr weiter wusste. Die S-Bahn hatte hier Endstation, der Bus führte nicht ans gewünschte Ziel, ein Taxi war weit und breit nicht in Sicht. Irgendwann erbarmte sich ein Autofahrer, der die FDP-Abgeordnete am Wegesrand im Regen stehen sah und mitnahm. Doch so viel Glück hat nicht jeder. Um das zu vermeiden, engagiert sich die stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag für alternative Mobilitätsmaßnahmen. Eine davon könnte bald für Furore sorgen. Und ganz nebenbei Abgase wesentlich reduzieren.

Die Rede ist von Ridesharing, dem Teilen eines Autos. Grob gesagt ist ein Ridesharing-Pkw ein digitales Sammeltaxi. Der Nutzer bestellt per App ein Auto. Zusammen mit anderen, die ein ähnliches Ziel haben und unterwegs eingesammelt werden, wird er an den Ort kutschiert. Möglich macht das ein Algorithmus (also eine Auswertung unzähliger Daten), der Ziele bündelt. Die Vorteile gegenüber einem gewöhnlichen Taxi: Die Fahrt ist günstiger, das Ridesharing-Auto spart Emissionen und verringert Staus. Statt drei Pkw ist eines auf der Straße, in dem drei Personen sitzen. Das Problem an dem Konzept: Das Gesetz beschränkt die Firmen wie Moia, Moovel und Clevershuttle noch. Viele laufen derzeit im Testbetrieb.

Ridesharing-Unternehmen werden wie Mietwagenfirmen behandelt: Die Autos müssen wieder zurück ins Depot. Das ist umständlich und produziert unnötig Emissionen. Der Grund dafür ist, dass Politiker zusätzliche Autos auf den Straßen vermeiden wollen. Vor allem jene, die wie Taxis auf Fang nach Gästen sind. „Das ist aber nicht der Fall. Denn Kunden können App-gesteuerte Fahrzeuge ja gar nicht erkennen“, sagt Thomas Jarzombek (CDU).

Sehr vage Aussagen

Der Bundestagsabgeordnete plädiert für eine Änderung des Gesetzes und prognostiziert, dass es noch in dieser Legislatur dazu kommen könnte. Genauso wie Daniela Kluckert. Auch sie will Ridesharing als Ergänzung zum Öffentlichen Nahverkehr, Taxis oder zum Privatauto etablieren. Im Koalitionsvertrag gibt es dazu eine sehr vage Aussage: Man werde „neue Bedienformen im Bereich geteilter Nutzungen (Ride Pooling) an die sich ändernden Mobilitätsbedürfnisse der Menschen anpassen“.

Clevershuttle ist das einzige Unternehmen in Deutschland, das eine Konzession hat. Trotz Startproblemen ist es mittlerweile profitabel. „Am Wochenende steht im Fuhrpark kein Auto mehr. In Leipzig werden wir noch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben“, sagt Pressesprecher Fabio Adlassnigg. In einem Berliner Parkhaus zapfen 30 von deutschlandweit 200 Autos Strom. Das Unternehmen setzt auf Elektro- und Wasserstoffantrieb und verpasst sich damit den Stempel umweltfreundlich.

Mit diesem Label wollen auch andere Firmen punkten. Daimler steht mit Moovel in den Startlöchern. Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG wollen mit ViaVan einen ähnlichen Dienst anbieten. VW hat mit Moia einen eigenen Anbieter, der derzeit in Hannover testet und 2019 in Hamburg bis zu 1000 Autos auf die Straßen bringen will. Die Fahrzeuge werden allesamt mit einem Elektro-Antrieb ausgestattet sein.

Adlassnigg befürwortet die Konkurrenz, ebenso wie Moia-Sprecher Christoph Ziegenmeyer. „Es geht darum, gemeinschaftlich den Markt zu öffnen und Alternativen zum privaten Pkw zu schaffen“, sagt Ziegenmeyer. Ridesharing soll keine Konkurrenz für Taxis sein oder den Öffentlichen Nahverkehr, sondern eine Ergänzung. Deshalb bewegen sich die Preise auch zwischen ÖPNV und Taxi. Das sieht Politiker Jarzombek genauso. „Wenn jemand schnell zum Flughafen muss, dann würde man eher ein Taxi nehmen“, sagt er. Taxi-Unternehmen müssten keine Angst um ihr Geschäft haben.

Zielgruppen wollen Adlassnigg und Ziegenmeyer nicht definieren. Während es anfangs eher neugierige Technik-Fans waren, sei der Nutzerkreis laut Clevershuttle jetzt viel größer. Er reicht von Studenten, die von der Party heim kommen zum Vater, der sein Kind zur Klavierstunde fahren will. „Ziel ist, dass auch meine Oma sich die App runterlädt“, sagt Adlassnigg.

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27.03.2018, 06:00 Uhr

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