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Mit dem ganz
gewissen Etwas
Biografie von Reid Anderson. Foto: Henschel Verlag
Stuttgarter Ballett

Mit dem ganz gewissen Etwas

Zum langen Abschied erschienen: Die Biografie des Intendanten Reid Anderson.

04.04.2017
  • WILHELM TRIEBOLD

Stuttgart. Nanu, noch ein Huldigungsband für einen Protagonisten der güldenen Crankojahre und ihrer Verfestigung zum Stuttgarter Ballettwunder? Haben sie doch alle schon – Marcia Haydée, Egon Madsen, zuletzt Georgette Tsinguirides. Nun auch Reid Anderson? Der 68-Jährige hat sie mehr als als verdient, die große Biografie „Having It“. Seit mehr als zwei Jahrzehnten hält er den Erfolgskurs, den Übervater Cranko einschlug und der die Tanzsparte zur stabilsten Säule des weltgrößten Dreispartenhauses macht. Auf das Stuttgarter Ballett ist mit Auslastungszahlen jenseits der 90 Prozent älleweil Verlass.

„Having it“ – der Titel lässt an It-Girls (und ihr Pendant, den It-Boy) denken, an Gesellschaftspromis, deren Bekanntheit auf dem etwas kruden „gewissen Etwas“ beruht. Zu ihnen zählt Reid Anderson nicht. Doch er hat wohl dieses „It“, jenes unaussprechlich Besondere, das Stuttgarts Compagniechef Cranko von seinen Besten einforderte.

Anderson, „der kleine Holzhacker aus Kanada“, entsprach als Tänzertyp nicht unbedingt dem Danseur noble, als er zu Crankos Crew stieß. Er sei kein „Damdamdam-Typ, kein Romeo“, liest man in dem Buch, für das Gary Smith (der kanadische Teil) und Angela Reinhardt (die Stuttgarter Zeit) reichlich O-Töne von Wegbegleitern, aber auch sehr viele eigene kluge An- und Einsichten zusammentrugen.

Zu viele Mädels gestemmt

Als junges Ensemblemitglied stellte Anderson eher Außenseiter und „die inneren, dunklen Abgründe“ dar, gehörte nicht zum ersten Solisten-Paarkreuz, drängte aber hinter Haydée, Richard Cragun, Birgit Keil und Egon Madsen in die vordere Reihe, gerade auch in der Post-Cranko-Phase. Geschätzt auch für seine schnellen Fußschrauben, die Chaînés, und als idealer Pas-de-deux-Partner. Was ihm Rückenprobleme bescherte: Er habe „ein paar Mädels zu viel gestemmt“.

An der kanadischen Westküste reifte Anderson zum Ballettdirektor, um dann das Stuttgarter Cranko-Erbe auch dadurch zu retten, indem er das Ensemble vom Wasserkopf rechtzeitig wieder auf die Füße stellte. Dazu musste er einigen Altstars die Tür weisen, aber das lohnte sich.

Von all dem erzählt das reich bebilderte Buch. Es ist somit weit mehr als eine wohlfeile Ehrengabe zum Abschied im kommenden Jahr. Wilhelm Triebold

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04.04.2017, 06:00 Uhr

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