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Mit den Schulen muss sich auch die Ausbildung an der Universität reformieren
Karin Amos
Was heißt es, Lehrer zu sein?

Mit den Schulen muss sich auch die Ausbildung an der Universität reformieren

Mit einer School of Education will die Universität Tübingen die Reform des Lehramtsstudiums vorantreiben. Die Ausbildung von Gymnasiallehrern soll durch dieses neue Zentrum an der Universität neue Impulse erhalten, die Fachdidaktik aufgewertet werden.

21.08.2015
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Mehr als 4000 der 28 000 Tübinger Studierenden streben das Lehramt an. Damit ist die Tübinger Uni für die Ausbildung von Gymnasiallehrern der wichtigste Standort in Baden-Württemberg. Und will es auch bleiben. Schon vor zwei Jahren hat Uni-Rektor Bernd Engler deshalb angekündigt, man wolle mit einer School of Education das Lehramtsstudiums reformieren.

Diese wird zum kommenden Wintersemester auch gegründet. In ihr werden 14 Professuren der Fachdidaktik unter einem Dach zusammengefasst, so Prorektorin Karin Amos. Die Fachdidaktik befasst sich damit, wie der Unterrichtsstoff in bestimmten Fächern, also zum Beispiel in Mathematik oder in Geschichte, am besten vermittelt wird, welche Methoden und Lernprozesse für das jeweilige Fach wichtig sind. Neun neue Professuren sind bereits ausgeschrieben, sie sollen im Laufe der nächsten Monate besetzt werden. Zudem gibt es an der Uni bereits Fachdidaktik-Professuren, etwa in den Theologien.

Lehrer sollen nicht nur mit Fachwissen und Didaktik ausgestattet werden, sie sollen auch den Herausforderungen gewachsen sein, die der Schulalltag mit sich bringt – der anders ist als noch vor zehn Jahren. „Es gab große Veränderungen im Schulsystem. Es hat Schularten vorangebracht, die auf Heterogenität der Schülerschaft setzen“, sagt der Tübinger Erziehungswissenschaftler Thorsten Bohl, der zusammen mit anderen Akteuren der Lehrerbildung das Konzept für die School of Education erarbeitet hat und einer der künftigen Leiter sein wird.

Dabei gehe es nicht nur um Gemeinschaftsschulen. Auch Gymnasien seien heutzutage nicht mehr so elitär wie früher, sondern „die Volksschule Nummer eins“. Die Klassen sind heterogen, vereinen „hochbegabte Schüler mit Schülern, die einen erheblichen Förderbedarf haben“, so Bohl. Künftige Lehrer müssen mit solchen Situationen zurechtkommen, sie müssen die Schülerschaft in ihrer Vielfalt fördern können. Die Lehrer dafür mit Kompetenzen auszustatten, ist ein inhaltlicher Schwerpunkt der School of Education.

Weitere Themen, die im Studium aufgewertet werden, sind der Praxisbezug und die Reflexion über das Berufsbild – über das Fachwissen hinaus: Was heißt es, Lehrer zu sein? Es soll eine individuelle Beratung für Lehramtsstudenten geben. Zudem wird die Forschung über Schulpädagogik und Fachdidaktiken sowie die Nachwuchsförderung unter dem Dach der School of Education eine wesentliche Bedeutung bekommen.

Tübingen hat ein eigenes Konzept

Wie wird das alles finanziert? Die Professuren sind auf jeden Fall gesichert, sagte Prorektorin Amos. Zum Teil hat das Rektorat Stiftungsprofessuren eingeworben. In anderen Fächern werden bestehende Professuren umgewidmet. Man hofft zudem auf Fördergelder aus der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ des Bundes. In einer ersten Bewerbungsrunde blieb der in Abstimmung mit dem Stuttgarter Wissenschaftsministerium eingereichte Tübinger Antrag allerdings erfolglos – im Gegensatz zu den Anträgen aus Freiburg und Heidelberg. Letztere Uni konnte deshalb bereits vorpreschen. Heidelberg hat im Juni die Heidelberg School of Education eröffnet. Tübingen muss jetzt nachlegen. Allerdings haben Freiburg und Heidelberg auch grundsätzlich andere Voraussetzungen: An beiden Städten gibt es Pädagogische Hochschulen (PHs), mit denen die Universitäten zusammenarbeiten können, um fachdidaktische Veranstaltungen anzubieten.

Die Universität Tübingen muss das im Alleingang stemmen. Thorsten Bohl sieht das allerdings als Chance: „Wir können etwas Eigenes selbst aufbauen. Und wir haben jetzt ein Konzept, das wirklich gut ist. Für die Lehrerausbildung in Tübingen“, sagt Bohl, „wird das ein Quantensprung.“ Ob die Bundesgelder bewilligt werden, entscheidet sich Ende September.

Ist man dort erfolgreich, gibt es auch Fördermittel vom Land, die an die Bundeszuschüsse geknüpft sind. An den Fördergeldern hängt die Größe der Tübinger „School of Education“ – auch der Zeitrahmen, in dem sie aufgebaut wird. Ihren Sitz wird sie künftig in der Wilhelmstraße 31 haben (neben der Mensa). Die Leitung des Zentrums übernehmen zusammen mit Bohl der Historiker Prof. Steffen Patzold und der Mathematiker Prof. Frank Loose. Archivbilder: Sommer, privat

Mit den Schulen muss sich auch die Ausbildung an der Universität reformieren
In den Fluren des Erziehungswissenschaftlichen Seminars ist noch bis November eine Fotoausstellung zu sehen: Neuntklässler des Kunstprofils an der Geschwister-Scholl-Schule haben in einer Fotoreihe in Szene gesetzt, wie sie die Schule sehen. Dazu gehören Portraits, die bestimmte Schülertypen zeigen. „Heterogenität“ ist auch ein Thema, das in der Ausbildung von Lehrern an der Universität künftig eine größere Rolle spielen soll. Bilder: GSS

Mit den Schulen muss sich auch die Ausbildung an der Universität reformieren
Thorsten Bohl

Das traditionelle Lehramtsstudium wird zum Auslaufmodell: Zum Wintersemester 2015/16 wird das Studium umgestellt. Erstsemester schreiben sich dann für den Bachelor of Education ein, der nach sechs Semestern abgeschlossen wird. Dem schließt sich ein viersemestriges Studium zum Master of Education an. Der Masterabschluss qualifiziert zum Vorbereitungsdienst an den Schulen, dem so genannten Referendariat. Damit wird der Bologna-Prozess zur europaweiten Harmonisierung von Studiengängen und Abschlüssen fortgesetzt.

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21.08.2015, 12:00 Uhr

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