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Nahverkehr

Mit der Geduld am Ende

In Ludwigsburg eskaliert die Auseinandersetzung um das Für und Wider einer Stadtbahntrasse. Der Landrat hat dem Oberbürgermeister nun ein Ultimatum gestellt.

07.12.2016
  • UWE ROTH

Ludwigsburg. Landrat Rainer Haas hat Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec (beide parteilos) einen Brief ins Rathaus geschickt, der gemessen an der üblichen Verwaltungssprache an Deutlichkeit wenig zu wünschen übriglässt. Die Vermutung liegt nah: Der Ludwigsburger Kreischef muss beim Schreiben ganz schön erbost gewesen sein. Spec erfuhr den ersten Grund dafür am Anfang des Schreibens: Über die Medien hatte der Landrat erfahren müssen, und nicht im direkten Gespräch, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat sich mit ihrer Entscheidung wieder Zeit lassen wollen, ob sie eine Stadtbahn in der Innenstadt wollen oder doch lieber Schnellbusse auf einer eigenen Trasse. Oder ob alles beim Alten bleiben soll.

Die Idee für eine Schienenverbindung quer durch den Landkreis Ludwigsburg entstand spätestens 1999, als die Stadtbahn der SSB (Stuttgarter Straßenbahnen AG) nach Remseck verlängert wurde. Für die Planung ist der Kreis zuständig. Doch dessen Ingenieure können damit bis heute nicht beginnen, weil in Ludwigsburg seit Jahren die Entscheidungsfindung keinen Millimeter vorankommt. Die übrigen Kommunen, die Anschluss ans Schienennetz finden sollen, haben ihr Einverständnis längst gegeben.

In den vergangenen Monaten hatte Landrat Haas mit Verweis auf ein auslaufendes Bundesförderprogramm zur Eile gedrängt und nach einigen Gesprächen sogar kurz daran geglaubt, dass sich die Beteiligten auf die Stadtbahnvariante einigen könnten. Und nun das: Das Projekt wird von der Stadt auf die lange Bank geschoben mit der Begründung, die in Aussicht gestellten Bundesmittel gäbe es noch über das Jahr 2019 hinaus. Anlass zu einer Hopplahopp-Planung läge nicht vor.

Das ist der zweite Aufreger für den Landrat. Denn, so schreibt er, „diese Einschätzung ist unzutreffend“. Kommunen stritten sich bundesweit bereits seit einem Jahr um die neuen Fördermittel. Wenn der Landkreis nicht schnell zugreife, seien die Gelder auch schon wieder weg. Mittlerweile kommt dem Landrat der Gedanke, mit ihrer Verzögerungstaktik wolle die Stadt vielleicht genau das erreichen, um das Projekt wegen fehlender Förderung endgültig begraben zu können.

Weil Haas diese Vermutung nicht offen äußern kann, lässt er es zum Schwur kommen, in dem er dem OB eine letzte Frist setzt: „Sollte bis 30. Juni 2017 keine positive oder gar keine Entscheidung zur SSB-Stadtbahn vorliegen, werde ich den Gremien des Landkreises empfehlen, das Projekt nicht weiter zu verfolgen“, leitet er das Ende seines Schreibens ein. Er droht zudem damit, mit den übrigen Kommunen ein neues Verkehrsprojekt aufs Gleis bringen zu wollen und die Stadt Ludwigsburg einfach zu umgehen.

Haas kann sich das ewige Hin und Her nicht erklären. Will der OB nicht in die Gänge kommen? Bremsen ihn seine Verwaltung aus oder die Chefs der Gemeinderatsfraktionen CDU und Freie Wähler, die ihre Priorität bei der Gestaltung des Autoverkehrs sehen und denen es schwerfällt, sich mit dem Gedanken eines Gleisbetts auf den Straßen der schmucken Barockstadt anzufreunden? Nach eigenem Bekunden hat der Landrat alles getan, um die Kritik der Ludwigsburger aus verkehrs- und städteplanerischer Sicht auszuräumen. Die neueste Variante sieht vor, den zentralen Haltepunkt für die Stadtbahn am Busbahnhof zu machen. Die Schienen würden dort tiefergelegt, so dass auf die ungeliebten Hochbahnsteige verzichtet werden könnte. Auch Möglichkeiten eines eigenen Tunnels unter dem Bahndamm seien ausgelotet. Der Bau sei finanzierbar, und der Straßenverkehr wäre dadurch nicht beeinträchtigt. Der Landrat liefert Lösungen auf dem Präsentierteller; die Stadt müsste nur noch zugreifen.

Spec lässt das Schreiben des Landrats nicht unbeantwortet, sein Bürgermeister Michael Ilk äußert an seiner Stelle „Unverständnis“ darüber. Und so bleibt die Stadt auf Konfrontationskurs. Sagt der Landrat, Ludwigsburg müsse endlich den nächsten Schritt machen, kontert der Baubürgermeister: „Wir tun schon jetzt viel mehr als wir müssten.“

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07.12.2016, 06:00 Uhr

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