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Lektionen einer langen Tour

Mit der „Tübinger Nacht“ begrüßten Bars, Kneipen und Clubs Semesterheimkehrer

Voilà, das bietet das Tübinger Nachtleben: 18 Kneipen, Bars und Clubs der Uni stadt luden am Freitag ein zu Livemusik und tanzbarer Musik. Das Motto: „Wir machen die Tübinger Nacht zum Tage“.

11.10.2010
  • Fabian Ziehe

Zur ersten Lektion: Obgleich im Programm „Konzertbeginn: 21 Uhr“ steht, hetze dich nicht. Sonst stehst du vor dem Tübinger Pfauen, aus dem schon „I‘m Easy“ erklingt – allerdings nur ein paar Takte. Soundcheck schimpft sich das, poetischer könnte man es Amuse-Gueule nennen. Die Grüppchen, die draußen um die Bistrotische in der Kornhausstraße fläzen, spenden Applaus. Obwohl man sich definitiv zu früh auf die Socken gemacht hat: Das verspricht, ein netter Abend zu werden.

Was das mit den Lektionen soll? Nun, die erste „Tübinger Nacht“ fällt ganz bewusst auf das letzte Wochenende vor Semesterstart: Nicht nur Heimkehrer sollen den Semesterbeginn feiern, die neuen Studierenden sollen auch die Bars und Clubs kennen lernen. Das Zimmertheater nutzt die Gelegenheit und lädt vergünstigt zu „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ ein. Von Ort zu Ort geht es mit einem Shuttlebus – das ist bei den vielen Angeboten in der Altstadt aber erstmal gar nicht nötig.

Also per pedes weiter in den Storchen zu Lektion Nummer 2: Wenn die „Zappler“ aufspielen, ist die Hütte voll. Im separaten Nichtraucher-Raum ist Platz zum Liegen, aber um den Tresen sind selbst akzeptable Stehplätze rar. „Underdressed, aber sexy wie nie“, stellen sich die sechs juvenilen Schlagerbarden vor und hotten im „Husarenritt“ los. Während die Fans in den ersten Reihen anstandslos die Gassenhauer mitsingen können, steigt weiter hinten eine ältere Besucherin auf die Bank, um das Treiben vorne in Augenschein zu nehmen. „Lauter Buben in weißen Hemden“, berichtet sie. Die Luft ist zwar dick vor Rauch und Ausdünstungen, die Stimmung ist aber prima. Im Song „Kaffee“ geht es im Tangotakt zum Besuch bei Frau Kraus. Dem folgen „Doktorspiele“. Bitte: Bloß nicht ernst nehmen!

Zurück zum Pfauen: Elyia sitzt am Piano und singt zu Tastentönen mit klarer Stimme ihre Versionen von „Free falling“ und „Around Midnight“. Rund 40 Besucher lauschen, die Kneipe ist nicht gerappelt voll, das schafft intime Stimmung. Zusammen mit Annie Questions erklingt dann die Vollversion von „I‘m easy“. Zwar müssen sich die beiden durchmogeln, trotzdem sympathisch. Lektion Nummer 3: Tübingen bietet auch Programm für lauschige Singer-Songwriter-Künstler.

Nun ein Wiederholungsblock: Wie war das mit dem Konzertbeginn? Richtig: Rechne in der Unistadt am besten mit einer akademischen Halben- bis Dreiviertelstunde. Es sei denn, es geht um Punkrock von „The Savants“: Da sollte man bis zum Ende eines Fußball-Nationalmannschafts-Kicks warten. Wenn es in der 63. Minute noch 1:0 gegen die Türkei heißt, kann es mit dem Gig im Last Resort nicht losgehen.

Darum weiter in die Bar Unckel: Hier versorgt einen Frontmann Sebastian von der Indiepop-Band Jetlagged mit den Spielständen. 2:0 durch Özil, 3:0 durch Klose. Lektion Nummer 4: Das Tübinger Nachtleben nimmt Rücksicht auf Fußballfans. Dazwischen gibt es ruhigen Akustik-Pop mit vollem Klang, das verträgt sich gut mit Plauschen.

Im Gegensatz zum Last Resort: In der Kellerkneipe in der Mühlstraße haben The Savants mit Punkrock und Rockabilly losgelegt. Das T-Shirt von Sänger Dog Mrdn ziert bereits eine Schweiß-Corona um den Kragen. Die vier Tübinger Musiker heizen brachial ein, was Gespräche unmöglich macht und zum Tanzen nötigt. Lektion Nummer 5 lautet: Wenn in Tübingen der Punk abgeht, tanztaugliche Schuhe und luftige Kleidung anziehen.

Weiter zum Club 27: Nach Mitternacht ist hier kaum etwas los, zögerlich bewegen sich die ersten auf die Tanzfläche, um sich zu den Klängen von „Bittersweet Symphonie“ warm zu zappeln. Die Lektion hier wäre: In die Clubs geht es erst, wenn die Kneipen schließen. Das sagt zumindest Andreas Rauer, Chef im Tübinger Zoo. Dort schwofen schon einige Tanzfreudige mehr. Rauer findet das Konzept der „Tübinger Nacht“ prima: So könne man dem „Haufen neuer Leute“ das normale Programm zeigen, mit den Dj‘s, die regelmäßig auflegen. „Wir wollen uns nicht verstellen“, sagt Rauer.

„Wenn man die Kapazitätsgrenze nicht erreicht, dann leidet ein wenig die Peripherie“, räumt Holger Kesten ein, der zusammen mit Stephan Eissler die „Tübinger Nacht“ organisiert hat. Er ist zufrieden mit den gut 2000 verkauften Eintrittsbändeln. „Wir wollen das noch weiter ausbauen“, erklärt er. „Wir müssen jetzt noch das Feedback der Wirte abwarten, aber ich gehe davon aus, dass wir zum Sommersemester-Anfang wieder am Start sind.“

Gerade in den Clubs in und um die Innenstadt scharen sich gegen 1 Uhr am Morgen die Feierfreudigen, so auch am Blauen Turm bei der „Dasding“-Party. Zehn Clubs beteiligten sich an der „Tübinger Nacht“. Und diese – das als letzte Lektion – kann an einem guten Wochenende bis weit in die Morgenstunden dauern.

Mehr Bilder unter www.tagblatt.de

Mit der „Tübinger Nacht“ begrüßten Bars, Kneipen und Clubs Semesterheimkehrer
Der brettharte Punkrock von „The Savants“ bei der „Tübinger Nacht“ am Freitag in der Kellerkneipe Last Resort war eine schweißtreibende Sache. Bild: Faden

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11.10.2010, 12:00 Uhr

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