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E-Werk und Museum

Mit der Wernerschen Mühle haben Betzinger weiteres Kleinod

Sie war schon ein Kleinod, als sie 1893 von den Werner-Brüdern betrieben wurde. Die Wiege der Betzinger und Reutlinger Stromversorgung hat aber auch nach ihrer Restaurierung nichts von ihrem Charme verloren.

30.08.2010
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Betzingen. Immer wieder gab es Anstöße, die stillgelegte Wernersche Mühle aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Nicht zuletzt hatte der heutige Bezirksbürgermeister Thomas Keck stets dafür geworben, ebenso der Förderverein Ortskern Betzingen, der das Ensemble zwischen Mühlstraße und Echaz durchaus gerne unter seine Fittiche genommen hätte.

Schließlich aber war es die Stadt, die mit der Reutlinger Fair-Energie über die Sanierung des alten, nicht mehr funktionsfähigen E-Werks verhandelte – und mit dem Stromversorger den richtigen Partner fand. 300 000 Euro ließ sich die Fair-Energie das Projekt kosten. Ein Jahr lang wurde gebaut, Mitte Juni dann die Wiederinbetriebnahme des runderneuerten Wasserkraftwerks gefeiert.

Seitdem liefert eine zwar gebrauchte, aber generalüberholte Francis-Schachtturbine von „Escher, Wyss Cie“ aus dem Jahr 1918 Strom ins Reutlinger Netz. 175 000 kWh Echazstrom kann mit ihr jährlich erzeugt werden, so viel, um damit 50 Haushalte zu versorgen. Zwar dürfte sich diese Investition frühestens in 50, vielleicht erst 80 Jahren betriebswirtschaftlich amortisieren. Doch werden bis dahin jährlich 90 Tonnen Kohlendioxid, 47 Kilogramm Schwefeldioxid, 63 Kilogramm Stickoxide und 1,75 Kilogramm Feinstaub weniger in die Atmosphäre entlassen.

Doch Michael Blümel, bei der Fair-Energie zuständiger Leiter der Abteilung „Planung, Netze und Anlagen – Team Strom“, schwärmt im Gespräch mit dem TAGBLATT nicht nur von den Vorteilen dieser Art der Stromerzeugung. Denn neben dem kleinen E-Werk, das von einem Echaz-Seitenkanal mit Wasser versorgt wird, und dessen Rechenanlage das Geschwemmsel herausfiltert, bevor sich das Wasser sich in den Turbinenschaft ergießt, betreut Blümel auch ein kleines Museum. Ausgestattet ist es mit Schaustücken, die man schon vor 100 Jahren zur Stromerzeugung und -verteilung benötigt hat.

Dazu gehört etwa das Zwillingsrohr, auf dem früher die Doppelfrancisturbine aufsaß, der alte Schaltschrank, den man seinerzeit schon gebraucht erworben hatte. Bereits das Maschinenhaus selbst ist ein Museum mit seiner Wandbemalung, mit der alten Erregermaschine, dem alten Generator und den alten Leitungen.

Im kleinen Ausstellungsraum nebenan finden sich die Leiträder der ersten Francisturbine und zahlreiche Zubehörteile des alten E-Werks. Drei Wandtafeln dokumentieren ausführlich Funktion und Leistung der Wernerschen Mühle.

Ihre Wiederinbetriebnahme ist jedoch nur ein Etappenziel. Bis zum Jahr 2020 will die Fair-Energie die Eigenstromerzeugung auf 25 bis 30 Prozent steigern, und zwar mit einem hohen Anteil an Wind- und eben der Wasserenergie. „Denn jede Kilowattstunde, die wir selbst produzieren, müssen wir nicht einkaufen“, sagt Blümel. „Wir wollen sukzessive die heimischen Gewässer im Netzgebiet auf ihre Nutzung als Energielieferant hin prüfen.“

Den Anfang hat die Fair-Energie vor elf Jahren mit dem Gerberwehr beim Zentralen Omnibusbahnhof gemacht, 2007 folgte das Lohmühlewehr. Weitere Möglichkeiten eröffnen sich für Blümel bei der Echaz in Pfullingen, im Ermstal, in Wannweil und in Kirchentellinsfurt.

Freilich liegt ihm die Wernersche Mühle besonders am Herzen. „Die Kraft des Wasser hier ist unheimlich.“ Eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach produziert jährlich zwischen 1500 und 3000 kWh, die Mühle 175 000 kWh. „Da sieht man doch die Dimension.“

Info: Kostenlose Führungen in der Wernerschen Mühle können jederzeit beim Bezirksamt Betzingen und der Fair-Energie Reutlingen beantragt werden.

Mit der Wernerschen Mühle haben Betzinger weiteres Kleinod
Michael Blümel von der Reutlinger Fair-Energie an den Hebeln des alten Schaltschranks der Wernerschen Mühle. Bilder: Haas

Mit der Wernerschen Mühle haben Betzinger weiteres Kleinod
Der neue Flachriemen aus Kunststoff stellt den Kraftschluss zum Generator her.

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30.08.2010, 12:00 Uhr

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