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Mit einem „Fritz Ruoff“ fing alles an
Barbara Bergmann verwaltet die Sammlung des Ehepaars Schaufler. Diese wird im Schauwerk Sindelfingen gezeigt den früheren Produktionsräumen der Firma Bitzer. Foto: Ferdinando Iannone
Kunst

Mit einem „Fritz Ruoff“ fing alles an

Die Sammlung des Ehepaares Schaufler wurde seit den 70er Jahren stetig erweitert. Im Sindelfinger Schauwerk werden die Werke präsentiert. Von morgen an dreht sich dort alles um Reflexion.

29.10.2016
  • MELANIE AXTER

Stuttgart. Über Jahrzehnte bestimmte der Ingenieur Peter Schaufler als Inhaber und Geschäftsführer die Geschicke des Familienunternehmens Bitzer, eines namhaften Herstellers von Kältemittelverdichtern. Ebenso lang sammelten er und seine Frau Christiane Schaufler-Münch zeitgenössische Kunst. Weit mehr als 3000 Werke umfasst ihre private Kunstsammlung heute, die seit dem Tod Peter Schauflers im Jahr 2015 von Frau Christiane immer wieder erweitert wird.

An diesem Sonntag beginnt die neue Wechselausstellung „Split – Spiegel, Licht, Reflexion“. Die Kunstwerke mit reflektierenden Materialien markieren einen Umbruch in der Kunst des 20. Jahrhundert. Es werden unter anderem Stücke von Adolf Luther und Otto Piene zu sehen sein, die mit ihren Arbeiten zur Kunst der Zero-Bewegung gehören. „Die Zero-Bewegung wurde in den 1950er Jahren gegründet. Man arbeitete mit neuen, auch spiegelnden Materialien, mit Metall, mit Licht“, erklärt die Kunsthistorikerin Barbara Bergmann. Sie ist die Direktorin des Schauwerks in Sindelfingen, wo die Schaufler-Sammlung präsentiert wird. Vor sechs Jahren wurden die Räume eröffnet, in wechselnden Ausstellungen werden immer wieder neue Aspekte oder einzelne Künstler der Sammlung vorgestellt.

Erster Kauf 1979

„Die Ausstellungsräume waren ehemals Produktionshallen der Firma Bitzer“, erzählt Bergmann. Das erste Stück der Sammlung schafften die Schauflers schon vor Jahrzehnten an. „Nach dem Tod von Herrn Schauflers Vater 1979 kam das Ehepaar Schaufler von Sao Paulo zurück nach Deutschland. Herr Schaufler übernahm die Geschäftsführung am Stammsitz in Sindelfingen“, so Bergmann. Nach dem Lärm und den Farben der südamerikanischen Metropole hätten die beiden eine gewisse Sehnsucht nach Strenge und Kühle gehabt. Eine in monochromem Weiß gehaltene Arbeit des Nürtinger Künstlers Fritz Ruoff, ausgestellt in der Villa Merkel, sprach Peter Schaufler und seine Frau sofort an. Es faszinierte die beiden durch seine Ruhe und Klarheit. Mit dem Kauf von Ruoffs „Schnurcollage, 1979“ stiegen die Schaufllers in ihr Sammlerdasein ein.

Die Fülle der weißen, lichten Arbeiten, darunter auch Werke mit spiegelnden Oberflächen, bilden einen Sammlungsschwerpunkt. Auch das Ausloten der absoluten Reduktion, etwa bei Künstlern wie Norbert Kricke oder Francois Morellet, ist Thema der Sammlung. Einen weiteren Aspekt der sowohl deutsche als auch internationale Kunst präsentierenden Sammlung bilden farbgewaltige Werke wie etwa von Rupprecht Geiger oder Bernard Aubertin. Malerei und Skulptur nehmen wie Lichtkunst, Installationen und die Fotografie einen wichtigen Platz ein.

Neben den Arbeiten der Zero-Bewegung legten die Schauflers Wert auf Minimal Art, Konzeptkunst und Konkrete Kunst, die mit historischen Positionen ebenso vertreten sind wie mit Künstlern, die diese Kunstrichtungen aktuell weiterverfolgen. „Heftige Expressivität oder der Zerfall, wie etwa bei Beuys oder Roth, sind nicht das Thema“, so Bergmann.

„In der Kunst besaßen die beiden eine ganz große Übereinstimmung. Selbst wenn sie getrennt durch Kunstmessen liefen, haben ihnen meist dieselben Werke gefallen“, so Bergmann über das Sammlerpaar. Seit dem Tod ihres Mannes besucht Christiane Schaufler-Münch Kunstmessen nun auch in Begleitung von Bergmann. Zuletzt waren sie gemeinsam auf der Art Basel.

Stiftung trägt die Sammlung

Die von Peter Schaufler 2005 gegründete Stiftung „The Schaufler Foundation“, die nicht nur die Kunst, sondern auch Forschung und Wissenschaft fördert, trägt den Museumsbetrieb. Nach Schauflers Tod übernahm seine Frau den Vorsitz des Kuratoriums. „Es wird sich in der Struktur nichts ändern, auch inhaltlich ist die Stiftung von Herrn Schaufler durch die Satzung festgelegt“, versichert Bergmann. „Frau Schaufler wird die Kunstsammlung im Sinne ihres Mannes fortführen.“

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29.10.2016, 06:00 Uhr

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