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Bibliothek auf dem Weg

Mit großer Mehrheit stellte sich der Gemeinderat hinter die Spar-Variante

Mit großer Mehrheit beschloss der Gemeinderat am Dienstagabend die Planung einer Stadtbibliothek in der Königstraße. Den Auftrag bekam das Büro Harris + Kurrle, dessen Entwurf beim Architekturwettbewerb siegte. Der soll nun aber nicht realisiert werden, sondern eine Spar-Version für rund sechs Millionen Euro.

23.07.2014

Von Ulrich Eisele

Rottenburg. Der Sieger-Entwurf hätte, wie vorab berichtet, fast neun Millionen Euro gekostet. Das fand die Stadtverwaltung politisch unvertretbar. Darauf entwickelten die Architekten zusammen mit Fachplanern und Beratern eine Spar-Version, die – so ist die politische Vorgabe – nicht mehr als sechs Millionen Euro kosten soll.

Der Entwurf der neuen, verkürzten Stadtbibliothek, über den am Dienstag abgestimmt wurde: Ansicht von der Königstraße. Unten: Nord-Ansicht. Grafiken: Harris+Kurrle

Architekt Volker Kurrle erläuterte dem Gemeinderat, wie die Planer ihren ursprünglichen Entwurf so abspeckten, dass mehr als eine Viertel der Kosten entfällt. Erzielt wird dies durch eine um rund ein Fünftel kleinere Baufläche, eine einfachere Baukonstruktion und kostengünstigere Materialien.

So fällt im neuen Entwurf, über den der Gemeinderat abstimmte, ein ursprünglich vorgesehenes Kellergeschoss weg. Der gesamte Baukörper wird insbesondere gen Norden hin (im Bild oben: die Giebelfront) schmaler. Dazuhin sind eine Vielzahl kleiner Veränderungen geplant: Verzicht auf Geschossöffnungen, einfacherer Brandschutz, Zusammenlegung ursprünglich getrennter Funktionen wie Café und Veranstaltungsraum, Jugendbibliothek und Schulungsraum. Auch an der Fassade wird gespart: Putz und ein Kupferdach statt Klinker.

Verwaltung und Planer betonten in der Sitzung am Dienstagabend wiederholt, dass auch in der reduzierten Form alle ursprünglich vorgesehenen Nutzungen Platz finden: die kalkulierte Menge der Medien, der Cafeteria-Betrieb und Veranstaltungen – nur nicht gleichzeitig. Auch die Volkshochschule bekommt ihr Kontingent – nur nicht im maximal gewünschten Umfang, wie OB Stephan Neher auf Nachfrage zugab.

Politische Klugheit oder bewusste Irreführung?

Für die Gemeinderatsfraktionen schlug nun nach beinahe fünfjährigem Vorlauf die Stunde der Wahrheit: Er sei froh, dass die Klinker-Fassade weg sei, begann Peter Cuno sein WiR-Statement. Den abgespeckten Entwurf jedoch halte er für einen „Riesen-Fehler“. Damit treffe man eine Entscheidung „für die nächsten 100 Jahre“, da dürfe man doch nicht so kleinlich sparen. Ins selbe Horn stieß sein Fraktionskollege Jörn Heumesser: Warum man dem Gemeinderat nicht selbst die Entscheidung überlassen habe, wie viel vom ursprünglichen Entwurf er wegsparen wolle?

OB Nehers Zorn forderte David Prakash mit der Bemerkung heraus, den Architektenwettbewerb hätte Kurrle mit diesem Entwurf nicht gewonnen. Einen Widerspruch entdeckte der JA-Stadtrat zwischen Wettbewerbs-Ausschreibungstext, ursprünglichem Plan und dem, was nun realisiert werden soll. Im Prinzip seien die Jungen Aktiven aber für die Bibliothek.

In einer fulminanten Erwiderung gab OB Neher zu, dass die zuerst genannte Summe von 4,5 Millionen Euro eher politischer Vernunft als konkreten Berechnungen entsprang. Aber: Rottenburg sei die einzige unter beinahe hundert Großen Kreisstädten in Baden-Württemberg ohne Stadtbibliothek, ein Bau sei längst überfällig. Zehn Jahre hätten abgeneigte Kreise dies verhindert, indem sie stets zu hohe Kosten angesetzt hätten, um anschließend das Projekt für undurchführbar zu erklären.

„Damit wurden der Gemeinderat und die Öffentlichkeit bewusst getäuscht. Ich halte das für eine unlautere Vorgehensweise“, kritisierte Klaus Bucher (FB / FDP). Emanuel Peter (Die Linke) konnte OB Neher indes „nur zustimmen“, fand aber auch wichtig, was Peter Cuno gefordert hatte: zu beachten, dass die ursprünglich vorgesehenen kulturellen und kommunikativen Funktionen der Stadtbibliothek nicht weggespart würden.

Nichts vom Geplanten fällt unter den Tisch

Baubürgermeister Thomas Weigel versicherte noch einmal, dass nichts unter den Tisch falle, nur nicht mehr „für jede Nutzung ein eigener Raum“ zur Verfügung stehe. Rainer Mozer (SPD) kündigte ein von seiner Fraktion abweichendes Votum an: Er stehe dem Projekt kritisch gegenüber, könne ihm aber auch „etwas abgewinnen“.

„Jetzt wird se teurer, kleiner, und schee isch se au net“, kommentierte Volkmar Raidt (FB) den Entwurf. Für einen „sehr guten Kompromiss“ hielt ihn Horst Schuh (CDU) hingegen. Es sei „abenteuerlich“, wenn einige „da noch ein, zwei Millionen draufsatteln“ wollten. Und Reinhold Baur (CDU) riet, sich nicht für schwäbische Sparsamkeit zu schämen.

Margarete Nohr fasste pointiert noch einmal alles zusammen: richtiger Standort, richtiges Konzept, seriöse Finanzierung – die SPD sei froh darüber. Ebenso Ursula Clauß: „Ein 25-jähriger Wunsch der Grünen geht in Erfüllung, jede Einzelheit ist gut durchdacht.“

Am Ende stimmten vier Stadträte (FB / FDP) gegen den Planungsbeschluss, Rainer Mozer enthielt sich. Bis Ende nächsten Jahres werden nun die Pläne entwickelt und die meisten Aufträge vergeben. Baubeginn soll Anfang 2016, Bauende Mitte 2017 sein.

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Erstellt:
23. Juli 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Juli 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2014, 12:00 Uhr

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