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Kommentar zur Streitkultur auf dem Ract-Festival

Mit hartem Körpereinsatz gegen Boris Palmer

Boris Palmer wurde am Freitag beim Ract-Festival von einem Besucher angerempelt und wüst beschimpft. Das ließ sich Tübingens OB nicht gefallen.

07.06.2015
  • Lorenzo Zimmer

Durch die Scharen jugendlicher Besucher bahnt sich Oberbürgermeister Boris Palmer am Freitagabend auf dem Ract-Festival einen Weg. In seiner Hand ein Langos. Er sieht zufrieden aus, lässt den Blick schweifen. Plötzlich wird er heftig angerempelt, fällt fast um. Ihm scheint sofort klar zu sein, dass der Zusammenstoß kein Versehen war. „Warum machst du das?“, fragt er den Rempler. „Weil du ein Arschloch bist“, kommt die prompte Antwort.

Der Jugendliche läuft davon, seine Freunde jubilieren. Ihre bewundernden Blicke sagen: „Dem hast du es gezeigt!“ Doch Palmer will sich das nicht gefallen lassen. Durch die Menge läuft er dem jungen Mann hinterher, versucht ihn zu stellen. Als der Verfolgte stehen bleibt, sieht es kurz nach einem Handgemenge aus. Um die beiden Streithähne bildet sich ein Kreis aus Besuchern, sofort skandieren sie „Hau ab, hau ab!“ in Palmers Richtung. Er wirkt verloren.

Inzwischen haben auch die Rapper auf der Bühne vom Tumult mitbekommen, die Musik geht aus. Nach kurzem Wortgefecht verlässt Palmer die Szenerie. Er kommt wenige Minuten später mit einigen Securities zurück. Zunächst ist der Rempler nicht auffindbar. Erst später wird er gefasst und der Polizei übergeben, die Palmer inzwischen verständigt hat. Der junge Mann muss mit auf die Wache. „Ich habe keine Anzeige erstattet“, sagt der OB später. Das jähe Ende des Festivalbesuchs und ein paar Stunden auf der Polizeiwache seien Strafe genug. Doch erschreckend war der Vorfall allemal. Nicht nur weil ein Einzelner den Oberbürgermeister beleidigte und körperlich anging. Sondern weil sich Umstehende sofort mit ihm solidarisierten – ohne die Situation selbst zu hinterfragen.

Dass Palmer polarisiert, in manchen Punkten auch bei Jugendlichen umstritten ist, ist nichts Neues. Doch er hat sich seit jeher für den Erhalt vom Ract und dessen Rückkehr an den Wunsch-Standort Anlagenpark eingesetzt. Da ist es besonders widersinnig, wenn er ausgerechnet dort von Gästen dermaßen angegangen wird.

Der Oberbürgermeister scheute die Diskussion um den Vorfall auch im Nachhinein nicht. Auf seiner Facebookseite gibt er an, am Samstagabend mit „einigen Jungs aus der linksautonomen Szene“ diskutiert zu haben. Für sie sei der Staat eine verbrecherische Organisation, die ihm zustehende Polizeigewalt Teil des Unterdrückungssystems. Für Palmer tröstlich: „Die Hälfte der Gruppe fand aber doch, dass anlassfreie Gewalt selbst mir gegenüber nicht ganz in Ordnung ist.“

Bleibt zu hoffen, dass das Verhalten der Heranwachsenden eine Phase spätpubertärer Verwirrung ist und nicht generell deren Form politischer Streitkultur. Dieses Jahr beteiligte sich der Landkreis mit seiner Jugendförderung an den Workshops auf dem Ract und schickte Referenten. Dorthin kamen nur wenige der Besucher – da hätte man ja Argumente gebraucht statt Gewalt und Beleidigungen.Lorenzo Zimmer


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