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Schirm jetzt hagelsicher

Mit riesigem Solardach: Drei Brüder pflegen Kirchentellinsfurter Industrie-Erbe

Ein neues Dach bekam das Fabrikgebäude von Schirm in Kirchentellinsfurt – der Hagel hatte das alte zerstört. Und obendrauf gleich eine der größten Fotovoltaik-Anlagen in der Gegend. Mit einer kleinen Feier wurde das Ereignis am Freitagabend begossen.

15.12.2014
  • Ernst Bauer

Kirchentellinsfurt. „Das Ganze hat uns das Hagelunwetter des letzten Jahres eingebrockt“, sagte Geschäftsführer Steffen Krämer, als er die gut fünfzig Gäste in den auch sonst teils frisch renovierten Räumen begrüßte, darunter etliche Gemeinderäte und der scheidende Bürgermeister Bernhard Knauss mit seiner Gattin. Man hatte die Gelegenheit genutzt, auch „einiges andere in Angriff zu nehmen“, so Krämer, längst fällige Renovierungsarbeiten im riesigen Gewerbepark zu erledigen: Fassaden-Anstrich, teils neue Fenster, an der Westseite wurden Jalousien installiert. Schließlich stand das Gerüst fürs Dach schon.

Der Gewerbepark-Chef – einer der drei Brüder und Urenkel von Carl Schirm, die das Erbe liebevoll und mit Leidenschaft pflegen – dankte den Handwerkern für die „Super-Ausführung“ der Arbeiten und den Mietern, die „alles mit Geduld ertragen“ hätten. Der 17 600 Quadratmeter große Gebäudekomplex der einstigen Textilfabrik (siehe auch Infobox) beherbergt inzwischen einen Gewerbepark mit 25 Mietern, darunter 23 gewerblichen aus ganz unterschiedlichen Branchen.

Das Spektrum reicht vom Dienstleistungs-Unternehmen für Grafik und Design bis zur kleinen Schreinerei. Und alle profitieren nun auch mit vom kleinen Solarkraftwerk auf dem Dach – mit einer Leistung von 100 Kilowatt in der Spitze. „Hier unten standen einmal 40 Webmaschinen, die haben einen Höllenlärm gemacht“, illustrierte Steffen Krämer den Fortschritt – „die Hälfte könnte man mit dieser Fotovoltaik-Anlage betreiben.“

„Wir wollen das Flair der alten Technik erhalten, aber den Mietern Komfort bieten, ohne das Bild zu zerstören“, beschrieb der Geschäftsführer die heutige Firmenphilosophie im Hause Schirm und versprach, „das Erbe unserer Vorfahren“ auch weiterhin zu pflegen. Neben den drei „Altgesellschaftern“ sind inzwischen nicht weniger als sieben „Junggesellschafter“, Ururenkel von Carl Schirm dazugekommen.

Rund sechs Millionen Euro haben die Gewerbepark-Betreiber in 27 Jahren investiert – in die laufende Sanierung und den Brandschutz des weitverzweigten Fabrikgeländes. Aktuell kamen nun, auf einen Schlag, rund 800 000 Euro dazu. Für die Fotovoltaik und darunter ein hagelsicheres verzinntes Edelstahldach – das alte Welleternit-Dach war völlig durchlöchert. In dem Komplex sind inzwischen auch Aufzüge installiert, moderne Heizungs- und Belüftungsanlagen. „Wir sind auf einem guten Weg“, resümierte Steffen Krämer, eine Belebung der Gebäude sei die beste Garantie für ihre Erhaltung.

„Gut gebrüllt Löwe“, attestierte ihm sein Bruder Hubert Krämer, der geschickterweise Architekt ist und so die ganzen Gewerbepark-Umbauten und Mietanfragen managen kann. Heiner Krämer, Dritter im Bunde der „Altgesellschafter“, ist Gymnasiallehrer und für die Buchhaltung zuständig. Steffen Krämer ist im Hauptberuf Textilingenieur bei Rösch – insofern sei dieser Gewerbepark für das Brüder-Trio eher „eine Sonntagsbeschäftigung“, scherzte er im Gespräch mit dem TAGBLATT. Aber eben eine Sache, an der alle sehr hingen. Von Kindesbeinen an. Er selber sei hier noch mit „dem Aluwägele auf dem Gelände herumgefahren“ und habe es genossen, von den Frauen im Nähsaal begrüßt zu werden.

Bevor man allseits zum lockeren Smalltalk am leckeren Buffet überging, lobte Hubert Krämer – als geschichtskundiger Schirm-Nachkomme auch Vorsitzender des Fördervereins „Industriemuseum“ in Reutlingen – nicht zuletzt den Diplomingenieur Albrecht Kinzler, einen alten Freund von ihm aus Kindheitstagen: „Mit dem habe ich schon im Sandkasten gespielt.“ Kinzler hat mit seinem Stuttgarter Büro die Fotovoltaikanlage für den Kirchentellinsfurter Gewerbepark konzipiert und dafür gesorgt, dass „der Schirm abends wieder leuchtet – jetzt aber energiesparend“, so Krämer.

Mit riesigem Solardach: Drei Brüder pflegen Kirchentellinsfurter Industrie-Erbe
Fast ein futuristischer Blick von oben auf die Firmenschrift an der Fassade vorne: das neue Solardach des Gewerbeparks Schirm in Kirchentellinsfurt.Privatbild

Die Kirchentellinsfurter Textilfirma Carl Schirm & Co. wurde 1900 gegründet und begann mit der Herstellung von Betttüchern auf mechanischen Webstühlen; sie wurden zum Teil in der eigenen Rauherei weiterbearbeitet und in der Näherei konfektioniert. Der Textilbetrieb (Weberei, Rauherei und Spinnerei) erweiterte 1923 die Produktionspalette um eine Zweizylinder-Spinnerei und hatte auch in den 1960er Jahren noch über 400 Beschäftigte. Im Gefolge der Textilkrise und des internationalen Preisdrucks wurde die Produktion schrittweise reduziert und der Betrieb 1987 schließlich ganz eingestellt.
Eine Wiederbelebung des 17 600 Quadratmeter großen Fabrikareals gelang als Gewerbepark „Carl Schirm“.

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15.12.2014, 12:00 Uhr

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