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Taschenrechner gegen Pfunde

Mit simpler Logik, Tipps und Rezepten hilft Sven Bach gegen Übergewicht

Gefräßiges Schweigen in der ehemaligen Synagoge zu Rexingen. Kurz nachdem sich die Wandtäfelung zur kleinen, angrenzenden Küche geschlossen hat, dominiert Genuss vor und über allen Tellern. Das schnell zubereitete Nudel-Probiererle mit Basilikum, Parmesan und Co. ist zugegebenermaßen überaus lecker. So einfach und schmackhaft zugleich also soll abnehmen gehen…

07.04.2016

So einfach und schmackhaft kann Abnehmen funktionieren. Die Welt von Sven Bach kommt leicht daher. Leicht und logisch. Dabei berichtet der Ernährungsberater immer wieder auch von Schwergewichten. In die Kategorie eines 220 Kilo schweren Muster-Schülers – Bach nennt ihn wie alle anderen Klienten „Patient“ – reichen die zwölf neuen Jünger nicht. Gewiss, sie alle haben ein paar Kilo zu viel auf den Rippen. Und was sie in Rexingen zusammenbringt, ist ihr Wunsch, ihr Körpergewicht zu reduzieren.

„Meine Kinder hängen mir auf den Hüften“, gibt eine der Teilnehmerinnen ungefragt zu Beginn des zweiten Kurs-Tages zu. Ihre Motivation scheint enorm zu sein, und auch die anderen, die sich beim ersten frei buchbaren Gewichtsreduktionskurs von Sven Bach angemeldet haben, sind unglaublich diszipliniert. Selbst wer pünktlich am vereinbarten Kursort erscheint, wähnt sich verspätet. Schon vor dem offiziellen Beginn sitzen alle im Hufeisen der aufgestellten Tische und lauschen den Ausführungen des Ernährungsexperten. Hängen mit ihren Augen förmlich an dessen Lippen.

Insgesamt knapp sieben Stunden Frontalunterricht, und über die gesamte Zeit 100 Prozent Aufmerksamkeit – so etwas würde die meisten Schullehrer gedanklich wohl ins Reich des Paradieses befördern. Bei und für Sven Bach scheint das eine Selbstverständlichkeit zu sein. Einfühlsam, diskret neugierig, erfahren und kompetent führt Bach seine gelehrigen Schüler durch die gemeinsame Zeit, die im Idealfall ein kontrolliertes Purzeln der Pfunde zur Folge hat. Nicht mit Diäten, sondern mit Strategie. Und das Beste dabei: Kleine Sünden, das kennt man von Sven Bach ja schon, sind erlaubt.

Eine grundlegende Disziplin in der Ernährungslehre Bachs ist relativ simple Mathematik. 150 Kalorien täglich zu viel führen übers Jahr zu zehn Kilogramm Übergewicht. 300 zu viel zu 20 Kilo. Paff, da ist er. Bach, der kühle Rechner. Simpel, direkt und logisch. Denn: Wer weiß, dass ein Kilogramm Fett rund 7000 Kalorien bindet, braucht nur 365 mit 150 zu multiplizieren und anschließend wieder durch 7000 zu dividieren. Okay, das auf zwei Stellen nach dem Komma gerundete Resultat sind 7,82 – aber das gibt grob gerundet eben doch zehn Kilo übers Jahr. Im Umkehrschluss: Verbraucht man bei gleichbleibender Nahrungsaufnahme täglich durchschnittlich 150 Kalorien mehr, sollte man ein Jahr später gerundete 7,82 bis zehn Kilo leichter sein. Der Effekt lässt sich aber auch durch eine um täglich 150 Kalorien reduzierte Ernährung erzielen. Weniger essen oder mehr bewegen – „mehr Chancen hab‘ ich ja nicht“, sagt Sven Bach nüchtern.

Selbstvorwürfe, legt der Rexinger nach, „bringen gar nichts“. Auch wenn diese Gesetzmäßigkeiten im Einzelfall als ungerecht betrachtet würden – letztlich müsse man einfach kämpfen. Appelliert der Meister der Ernährung und legt eine Grafik mit acht entscheidenden Problemfeldern auf dem Weg zu Adipositas auf: Stoffwechsel, Verdauungssystem, Hormone, Psyche, Bewegungsapparat, „Generell“, Atmungsorgane und Herz-Kreislaufsystem sind da aufgelistet. Nicht selten, räumt Bach ein, hätten seine „Patienten“ Schwierigkeiten in allen acht Bereichen zusammen. Mit dem Einsatz von Beta-Blockern, die den Stoffwechsel blockieren sollen, beginne oft ein Teufelskreis, aus dem man erst einmal wieder ausbrechen müsse.

Einer der Teilnehmer, übrigens einer von nur zwei Männern unter Zwölf, ist Schichtarbeiter. Nachtschicht bei einem renommierten Automobilhersteller in Sindelfingen. Der kriegt auch ganz unaufgeregt sein Fett weg: „Die Faustregel sind zehn Kilo Unterschied zwischen Tag- und Nachtschichtarbeitern“, sagt Bach. Paff, da ist er wieder der schonungslose Ernährungsexperte, der sich bei dieser Aussage auf den Hormonhaushalt stützt. Dabei könne der Nachtarbeiter gar nichts dafür: „Man macht überhaupt nichts falsch – und trotzdem passt es nicht“, so Bach, der an den natürlichen Rhythmus des Menschen erinnert. Und der sorge nun mal dafür, dass ab etwa 22 Uhr die Hormone, die für die Ernährungsverwertung zuständig sind, heruntergefahren würden, während Schlafhormone auf dem Vormarsch seien. Deshalb: Vorsicht mit dem Essen und Trinken nach 22 Uhr!

Immer wieder plaudert Sven Bach über ganz praktische Erfahrungen aus seiner Arbeit. „Süßes G’lump“ zum Nachtisch habe sich da einmal als Mousse-Zugabe zum Tagesessen entpuppt – lockere 300 Kalorien zum üblichen Mittagessen obendrauf. Verzichtbar vor dem Hintergrund, dass da übers Jahr einige Kilogramm Hüftgold zusammenkommen.

Dann stellt Bach die nächste Gemeinheit nüchtern in den Raum. Gleiche Bewegung, gleiche Ernährung – 20 Kilo Unterschied. Dies sei die Faustregel beim Vergleich zwischen 20- und 40-Jährigen. Paff, da ist er wieder, der gnadenlose Human-Biologe, der sodann zur kleinen Pause läutet. Erst einmal verarbeiten. Sacken lassen. Reflektieren! Das ist auch die Botschaft des Rexingers, als es wenige Minuten später weitergeht. Notfalls helfe ein Protokoll, um sich ein Bild über die eigenen Ernährungsgewohnheiten zu verschaffen. Und damit ließe sich auch problemlos Kalorien zählen.

Mit einer Einkaufsliste für einen Ernährungsplan entlässt Sven Bach seine zwölf Schüler in die Nacht, und einige geben am nächsten Morgen hinter vorgehaltener Hand zu, noch am selben Abend zum Kaufland gefahren zu sein, um sich alle Zutaten zu besorgen.

Grundumsatz und Leistungsumsatz – diese beiden Faktoren des Energieverbrauchs spielen auch am zweiten Kurstag in der Früh eine Rolle. Unter anderem erklärt Sven Bach mit den Jojo-Effekt mit den Gesetzmäßigkeiten des Kalorienumsatzes. Reduziert man per Diät nämlich die Kalorienzufuhr zu radikal, stelle sich der Körper darauf ein – und fährt den Grundumsatz deutlich herunter, um Verhungern zu verhindern. Isst man dann wieder wie zuvor, haut das, gemessen am (reduzierten) Grundumsatz schnell mal mehrere hundert Kalorien täglich obendrauf. Und da es etliche Monate dauert, bis sich der Organismus wieder in die andere Richtung adaptiert hat, kann man sich das Ergebnis der Musterrechnung mit den Kalorien mal Tag geteilt durch 7000 schnell ausmalen.

Ganz praktische Tipps zum Einkauf, zu Lebensmittel und Zutaten prägen das letzte Drittel des Gewichtsreduktionskurses, ehe sich Sven Bach in der Pause die Plastikschürze umbindet. Hinter der noch verschlossenen Täfelung sind typische Küchengeräusche zu vernehmen – und wenig später öffnen sich die Läden der Durchreiche, in der Sven Bach beim praktischen Teil den Eindruck eines Predigers hinterlässt.

Er zelebriert das Aufsetzen des Nudelwassers, referiert – für die, die es nicht wussten –, dass man Nudeln nicht abschrecken möge, weil diese so ihre Stärke verlören und schnippelt geübt Parmesan, Basilikum, Knoblauch und Chili, ehe diese und andere Zutaten wenig später zusammen in den Mixer wandern. Fürs Auge ist das, was dabei herauskommt, nicht zwingend Drei Sterne Michelin – und doch versteht es Bach, das Nudelgericht optisch ansprechend auf dem kleinen Teller anzurichten. Wobei der Geschmack der Vollkornnudeln mit Honig-Basilikum-Sauce stärker punktet als die Optik. Gefräßiges Schweigen in der ehemaligen Synagoge zu Rexingen. So einfach und schmackhaft also scheint abnehmen wohl zu gehen.Gerd Braun

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07.04.2016, 01:00 Uhr

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