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Bankenfusion

Mit vereinten Kräften, bevor es zu spät ist

Die Volksbanken Tübingen und Steinlach-Wiesaz-Härten wollen verschmelzen. Der Abbau von Stellen ist nicht ausgeschlossen.

15.10.2016
  • Gernot Stegert

Erst vor drei Wochen hat die Volksbank Tübingen verkündet, zum neuen Jahr die Filiale in Hagelloch zu schließen und am Tübinger Marktplatz die Schalterzeiten zu streichen. Jetzt erfolgt schon der nächste Schritt: Die Tübinger wollen mit ihren Genossen der VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten zusammengehen, die sich erst 2013 vereinigt hatten. Vorstände und Aufsichtsräte haben sich dafür ausgesprochen, am Mittwoch haben sie die Mitarbeiter informiert, gestern die Presse. Entscheiden werden im Mai 2017 die Vertreterversammlungen. Im Sommer soll die Verschmelzung unter Dach und Fach sein und rückwirkend zum 1. Januar gelten.

Die Zahl der Geschäftsstellen und Mitarbeiter soll zunächst bleiben. Doch in den kommenden Jahren würden wohl Stellen abgebaut, erklärte Eberhard Heim, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Tübingen: „Wir werden auch verschlanken. Es sei denn, das Geschäft entwickelt sich positiv.“ Keiner der 310 Angestellten müsse mit einer Kündigung rechnen, Fluktuation genüge. Eine Stellenzahl stehe nicht fest.

Hintergrund der Fusion sind die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die alle Banken unter Druck setzen. „Wenn diese noch länger bleiben. wird es weitere Zusammenschlüsse geben“, ist sich Heim sicher. Thomas Bierfreund, Vorstand der VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten, nannte drei Gründe:

„Das Niedrigzinsniveau trifft uns im Ertrag am meisten. Bei der Kreditvergabe erziele die Bank bei null Zinsen nichts mehr, müsse aber bei der Bundesbank für ihr Geld Strafzinsen zahlen. „Wir leben im Moment von unseren Altkrediten“, sagte Reiner Futter, ebenfalls Vorstand der VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten.

Die Digitalisierung habe „langfristig die größte Wucht“, so Bierfreund. Das Kundenverhältnis habe sich stark gewandelt. Auf einen Kundenkontakt am Schalter kommen 500 elektronische Aktionen.

Die Regulierungen gelten für Genossenschaftsbanken genauso wie für Banken mit riskanten Spekulationen. Die geforderte Eigenkapitalquote ist hoch. Neuerdings müssten Kredite ab 25000 Euro an die Aufsicht gemeldet werden, mit 32 Merkmalen, so Heim. Der Aufwand sei unverhältnismäßig. Heim beziffert die Kosten der „Regulatorik“ pro Jahr auf bis zu 600000 Euro. Für die VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten gelte Gleiches. Durch die Fusion könne man allein hier etwa 40 Prozent sparen, also rund eine halbe Million Euro.

Drohendes verhindern

Die Volksbanken stehen nicht mit dem Rücken zur Wand, betonten die fünf Vorstandsmitglieder. „Wir sind relativ gut aufgestellt in der Gruppe der Genossenschaftsbanken und diese sind es im Vergleich zu anderen Banken“, sagte Bierfreund. „Wir handeln beide aus der Situation der Stärke heraus“, so Werner Rockenbauch, Vorstandsmitglied der VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten. „Wir wollen die Entwicklung aktiv steuern“, sagte Thomas Taubenberger, Vorstand in Tübingen. Ohne Fusion drohe in einigen Jahren, was keiner wolle: das Schließen von weiteren Filialen, ein deutlicher Abbau von Personal, weniger Investitionen in die Digitalisierung und ein Überprüfen von Geschäftsfeldern, die wenig bringen, aber zum Anspruch einer Volksbank gehören. Damit würde eine Abwärtsspirale eingeleitet.

Die Verschmelzung ändere nichts an den Einnahmen, aber an den Ausgaben, erläuterte Rockenbauch. So sei nur einmal eine Bilanz zu erstellen, seien nur einmal Gebühren unterschiedlichster Art zu entrichten und gebe es Rabatte bei Rechenzentren. „Das Sparen ist aber nur ein Mosaikstein“, ist Heim wichtig. Das Angebot könne gemeinsam verbessert werden. So könnten mehr Spezialisten für einzelne Geschäftsfelder ausgebildet werden. Und bei Krediten seien größere Summen möglich. „Wir stoßen bei dem einen oder anderen Kunden an die Grenzen“, sagte Taubenberger. Die Volksbank wolle das Wachstum von Firmen in der Region stärker begleiten als bisher.

„Wir sind als Genossenschaftsbanken nicht dem Gewinn verpflichtet“, sagte Futter. Aber die Verantwortung für Mitarbeiter und Mitglieder „ist unsere verdammte Pflicht“. Auch Heim hob die „soziale Verantwortung“ hervor. Die Mitarbeiter seien bei der Information überrascht gewesen, hätten aber „überwiegend positiv“ reagiert, berichtete Taubenberger. Natürlich überlege jeder, was das für ihn bedeute. „Das war bei uns genauso“, sagte Futter.

Auch für die fünf Vorstandsmitglieder verändert sich etwas. Futter wird im Herbst 2017 in den Vorruhestand gehen. Heim und Rockenbauch, beide 61 Jahre, machen noch ein paar Jahre weiter. Wenn sie in Rente gehen, soll der Vorstand auf zwei Personen verschlankt werden: auf Bierfreund (Jahrgang 1981) und Taubenberger (Jahrgang 1968). Die Zahl der Aufsichtsräte soll ebenfalls zurückgefahren werden: von zusammen 18 auf 9 bis 12.

Vieles ist bei der Fusion noch offen. „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben für die Vertreterversammlungen machen“, sagte Rockenbauch. Gefunden ist aber schon der Name: VR Bank Tübingen. Vermissen die Steinlachtäler nicht ihren Namen? „Wir haben Lob bekommen, weil der Name kürzer ist“, sagte Rockenbauch. Und das VR sei eingebracht. Juristisch wird die VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten die Tübinger übernehmen. Aber nur rechtlich, um Grunderwerbssteuer zu sparen, weil die Tübinger weniger Immobilien haben.

Die Fusion sei eine auf Augenhöhe, betonten beide Seiten. Ausrichtung und Bilanzsumme seien ähnlich. Andere haben bereits die angestrebte Größe, zeigte Heim auf einer Karte: die Volksbanken Ermstal-Alb, Reutlingen, Hohenzollern-Balingen und Albstadt-Ebingen. Viel größer ist die Volksbank Rottenburg-Herrenberg-Nagold mit einer Bilanzsumme von 2,1 Milliarden Euro. Kleine Einheiten sind nur noch die Volksbanken Ammerbuch (225 Millionen Euro) und Dettenhausen (75 Millionen Euro). Bilder: privat/Metz

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15.10.2016, 01:00 Uhr

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