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Tübinger Vesperkirche

Mittagstisch für alle Lebenslagen

Vom 22. Januar bis 18. Februar 2017 lädt das Leitungsteam wieder zur „gelebten Gemeinschaft“ beim täglichen Essen in die Martinskirche ein.

02.12.2016
  • Christiane Hoyer

Für einige Besucher sind es „die schönsten vier Wochen im Jahr“ – so haben sie‘s im Gästebuch notiert. Für andere ist es eine Gelegenheit, mitzuhelfen beim Servieren der Mahlzeit an den Tischen, beim Abräumen, Geschirr in die Küche bringen, Kuchen austeilen. Täglich braucht das Leitungsteam um Diakon Peter Heilemann und Jurij Suchowerskyj 40 ehrenamtliche Helfer(innen), die zwischen 11.30 und 14.30 Uhr im Einsatz sind.

Gearbeitet wird in zwei Schichten, so Heilemann, die Freiwilligen dürfen außerdem nicht länger als drei Tage hintereinander arbeiten, dann wird ihnen eine Ruhepause verordnet. Anmeldestart für Helfer ist der morgige Samstag bei der Verantwortlichen Anke Becker. Besonders jüngere, kräftige Männer und Frauen sind zur Mithilfe willkommen: Das Geschirr-Tablett ist schwer und muss über eine steile Wendeltreppe aus der Kirche hinunter in die Küche der Gemeinde getragen werden.

Bei der kommenden achten Vesperkirche ist vieles schon Routine geworden: Das Mittagessen kommt aus dem Pauline-Krone-Heim und wird zwischen 11.45 und 14 Uhr an den Tischen serviert. Hausgebackene Kuchen gibt‘s an der Kuchentheke – hier sind Kuchenspenden von Einzelnen oder Kirchengemeinden sehr willkommen. Pünktlich um 13 Uhr wird das Essen drei Minuten lang für den „Tagestupfer“ unterbrochen – ein Innehalten während der Vesperkirche mit einer verbalen oder musikalischen Anregung für den restlichen Tag.

Wie immer gibt es auch Angebote rund ums Essen – Massage, Fußpflege, Friseur, Arztsprechstunde, Sozial- und Rechtsberatung, Seelsorgegespräche und ein kulturelles Benefiz-Beiprogramm, unter anderem wieder mit Heiner Kondschak und Jakob Nacken, diesmal zusammen mit Dietlinde Elsässer. Wichtig ist dem Leitungsteam vor allem: In der Vesperkirche sollen alle zum Mittagessen kommen – mit oder ohne Geld. Und jeder zahlt so viel für sein Essen, wie er kann und möchte. „Wir versorgen hier nicht Bedürftige“, stellt Heilemann richtig. In der Vesperkirche sollen „Menschen in allen Lebenslagen Platz finden“.

Die Befürchtung, Besucher mit gefülltem Geldbeutel würden den anderen, sozial Armen etwas „wegessen“, sei irrational und unberechtigt, ergänzt Suchowerskyj, der schon seit seinem Ruhestand mitmacht, obwohl er sonst „nichts mit der Kirche am Hut hat“. Das benachbarte Pauline-Krone-Heim sei bei der Anlieferung des Essens aus seiner Küche „sehr flexibel“ und könne innerhalb von 20 Minuten auf eine stärkere Nachfrage reagieren, sagt der ehemalige Konrektor der Grundschule Innenstadt.

Bis zu 450 Essen am Tag geben die Vesperkirchen-Mitarbeiter an die Gäste aus. Wer dort isst, wirft seinen Obulus in eine Spendenkasse, die auf jedem Tisch steht. „Zusammenrücken und Vertrauen schaffen“ ist das Motto für die, die dort mithelfen, sagt Heilemann.

Die Tübinger Vesperkirche finanziert sich ausschließlich über Spendengelder. Einzig bei den Hauptamtlichen, Pfarrer Christoph Cless und Anke Becker, gehört die Arbeit in der Vesperkirche zum Dienstauftrag, Heilemann ist beim evangelischen Kirchenbezirk angestellt. Träger der Vesperkirche ist die evangelische Gesamtkirchengemeinde Tübingen. Für die vierwöchige Vesperkirchenzeit rechnet Becker mit Ausgaben von zirka 65000 Euro. Aus dem laufenden Jahr konnte der Träger eine Rücklage bilden – als „Notpolster“, falls zu wenig Spenden eingehen sollten, so Becker.

Fakten zur 8. Vesperkirche 22. Januar bis 18. Februar 2017

Essensausgabe in der Martinskirche: 11.45 bis 14 Uhr; Öffnung ab 11.30 Uhr (Frischlinstraße 35).

.Sonntag, 22. Januar, 10 Uhr: Eröffnungsgottesdienst mit Pfarrer Christoph Cless.

Benefiz-Kulturprogramm: 28. Januar, 19 Uhr, Martinskirche: Tübinger Frauenchor VocaLibre singt Humoristisches, Beschwingtes und Besinnliches aus Pop und Jazz, Leitung: Birgit Gentner-Kuderer. 4. Februar, 19 Uhr, Eberhardsgemeindehaus: „Männer und ich Teil 2: Dreifaltigkeit“ mit Dietlinde Elsässer, Heiner Kondschak und Jakob Nacken; 12. Februar, 17 Uhr, Stiftskirche: Wüste Welle Bigband mit Clara Vetter, Piano, Ballads, Swing, Soul, Pop, Latin und Balkan.

Vortrag: 9. Februar, 19 Uhr, Martinskirche: „Arme Mieter - machen Mieten arm?“ mit der Fachbereichsleiterin Uta Schwarz-Österreicher.

Anmeldung zur Mithilfe und für Kuchenspenden bei Anke Becker ab Samstag, 3. Dezember, unter 07071/ 930412.

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02.12.2016, 01:00 Uhr

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