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Para-Gastronomie als Bedrohung

Mittelstandsbeauftragter Hofelich informiert sich über Wohl und Wehe der Hotellerie

Peter Hofelich, der Mittelstandbeauftragte des Landes, hat gestern auf seiner Ausbildungsreise auch die Region besucht. „Ich nehme den besten Eindruck, aber auch einige Probleme mit“, sagte er im Pfullinger Hotel Engelhardt.

09.08.2014
  • Thomas de Marco

Pfullingen. Das Mindestlohngesetz wirke sich auf die hiesige Hotellerie und Gastronomie finanziell nicht aus, sagt Fritz Engelhardt, der Geschäftsführer des Pfullinger Hotels und Präsident des baden-württembergischen Hotel- und Gaststättenverbands: „Bei uns zahlen wir in der untersten Stufe schon 9,61 Euro.“ Aber die Begleiterscheinungen wie lückenlose Stundenerfassung und zusätzliche Kontrolleure, die sich verstärkt um das Arbeitszeitgesetz kümmerten, bekäme die Branche doch zu spüren. „Bei Hochzeiten oder anderen Events haben wir Probleme: Da müssen wir mit zwei Schichten planen – und die auch bezahlen“, erklärt Engelhardt. Das wiederum werde sich auf die Preise niederschlagen.

„Wir können bei Hochzeiten nicht sagen, die Festgäste sollen um 2 Uhr gehen, weil unsere Leute da schon zehn Stunden Arbeit hinter sich haben“, betont Eva-Maria Rühle vom Gesundheitszentrum Schwäbische Alb in Bad Urach, die beim Hotel- und Gaststättenverband des Landes Engelhardts Stellvertreterin ist.

Sie sieht auch Probleme bei der Bezahlung von Praktikantinnen, die vier bis fünf Monate in ihrem Haus arbeiten. Diese werden bisher wie Auszubildende im dritten Lehrjahr bezahlt – und kommen damit auf etwa die Hälfte des Mindestlohns. „Ich habe Bedenken, ob wir dann überhaupt noch Praktika anbieten können“, warnt Rühle.

Als besondere Herausforderung sieht Engelhardt Events oder Hochzeiten „in immer abgefahreneren Locations wie Keulenschlacht im Schweinestall“, die immer mehr zu Wettbewerbsverzerrungen führen würden. Da werde eben ein Raum gemietet, ein Caterer bestellt – und am nächsten Morgen aufgeräumt. An die Verbraucherschutz-Organisationen gewandt, fragt der baden-württembergische Dehoga-Präsident: „Wo bleibt da die Hygiene?“ Gegen die Wettbewerbsverzerrung durch eine „Para-Gastronomie“ müsse vorgegangen werden, kündigt er an – wohlwissend, dass eine rechtliche Handhabe schwierig sein dürfte. „Aber wer betrieblich vermietet, müsste in die Pflicht genommen werden, die für uns geltenden Auflagen ebenfalls zu erfüllen. Das wird zu wenig kontrolliert.“

Beim Stichwort Investitionen muss Hofelich fast schon Abbitte bei der FDP leisten. Denn der herabgesetzte Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie habe, in aller Demut gesprochen, Investitionen ermöglicht. Die Liberalen, die sich vor vier Jahren für diese Senkung stark gemacht hatten, mussten sich fortan mit dem Vorwurf der Klientelpolitik auseinandersetzen – das war der Anfang ihres Abstiegs.

580 000 Euro habe sein Betrieb seither investiert, erklärt Engelhardt, verweist dabei freilich auch auf die derzeit niedrigen Zinssätze. „Aber diese Absenkung der Steuer hat in der ersten Welle durchaus einen Effekt gehabt“, sagt Hofelich und betont, dass dies auch für die Gastronomie wünschenswert wäre. Für Engelhardt ist wichtig, dass die Gastronomie Chancengleichheit mit Metzgereien und Bäckereien bekommt. Diese hätten vor allem bei Mittagstisch-Angeboten der traditionellen Gastronomie Anteile abgenommen. „Die Umsatzsteuer muss grundsätzlich auf den Prüfstand“, fordert der Dehoga-Landespräsident und empfiehlt dafür gar den Gebrauch einer Machete. Generell aber, sagt Engelhardt, sei seine Branche gut unterwegs und verzeichne Zuwächse.

So seien vergangenes Jahr 3000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen worden. Nun gebe es insgesamt 115 000 Beschäftigte – und es werden weiterhin Fachkräfte dringend gesucht. Dem Präsidenten des Dehoga-Verbands läuft es im Land und speziell in seiner Region „fast schon zu rund“. Die Situation tue ihm zwar gut, „wir brauchen das noch eine Weile. Aber ich fürchte, dass es nicht so weitergeht“, warnt Engelhardt. Er lobt Hofelich für dessen Ausbildungstour: Die werde in der Branche wohlwollend aufgenommen.

Mittelstandsbeauftragter Hofelich informiert sich über Wohl und Wehe der Hotellerie
Peter Hofelich

Auf seiner einwöchigen Ausbildungsreise hat Peter Hofelich (SPD), der Mittelstandsbeauftragte der Landesregierung, 22 Ausbildungsbetriebe besucht. Am letzten Tag machte er auch Station im Musikhaus Beck in Dettingen/Erms sowie im Pfullinger Hotel Engelhardt. In den Gesprächen mit Auszubildenden hat er vier wesentliche Punkte aufgenommen: „Die jungen Leute haben ein großes Selbstbewusstsein und identifizieren sich stark mit ihren Betrieben. Sie haben außerdem den Wunsch, in der Welt herumzukommen und wollen Karrieremöglichkeiten nutzen.“ Die Auszubildenden seien überzeugt, einen qualifizierten Beruf zu ergreifen – obwohl das Ansehen etwa von Mechatronikern wesentlich höher sei.

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09.08.2014, 12:00 Uhr

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