Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Leitartikel Terrorismus

Mitten ins Herz

Der perfide Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus belegt auf schreckliche Weise, dass der Sport erneut in das Visier des Terrors geraten ist. Er traf Spieler und Offizielle auf dem Weg ins Stadion, er schockierte zehntausende Zuschauer in der Arena und Millionen von Anhängern, die sich vor dem Fernseher auf ein Spitzenduell in der Königsklasse des Fußballs gefreut hatten.

13.04.2017
  • ARMIN GRASMUCK

17 Monate nach den Attentaten von Paris, die auch das voll besetzte Stade de France im Vorort Saint-Denis zum Ziel hatten, muss die internationale Sportgemeinde einmal mehr in drastischer Härte die eigene Verwundbarkeit erfahren. Die Athleten werden zu Zielscheiben, jede Arena ist ein potenzieller Gefahrenherd. Es wirkt bedrückend und ernüchternd, weil natürlich auch in der von Milliardenerlösen gesegneten Scheinwelt der Profikicker keine hundertprozentige Sicherheit gewährleistet werden kann.

Selbst die modernen Spielstätten des Sports haben offene Flanken, die Attentäter leicht als Angriffspunkte erkennen können. Es ist die bittere Realität und in höchstem Maße alarmierend, dass vergleichsweise einfach gestrickte Geister — wie am vergangenen Sonntag die Karlsruher Chaoten in Stuttgart — scheinbar mühelos Dutzende von Knallkörpern und Leuchtraketen vorbei an mehr als 1200 Polizisten und Sicherheitskräften in das Stadion schmuggeln können.

Der Anschlag von Dortmund trifft die Fußballwelt mitten ins Herz. Im Ruhrgebiet, wo die Leidenschaft für diese Sportart traditionell am ausgeprägtesten zu erkennen ist, huldigen die Anhänger dem reinen Spiel. In Dortmund steht das deutsche Fußballmuseum, die Arena der Westfalenstadt ist eine Kultstätte des Fußballs. Das Attentat, das auf dem relativ kurzen und vermeintlich sicheren Weg vom Mannschaftshotel zur Arena verübt wurde, hat diese Kulisse mit einem Knall zerstört.

Es war beeindruckend, für manchen verstörend, wie routiniert und abgeklärt die Betroffenen und die meisten der Besucher im Stadion selbst in den Momenten der akuten Gefahrenlage reagierten. Das Ausmaß und die Folgen des Anschlags waren noch schwer zu ermessen, da änderte der Fernsehmoderator, der am Rand des Spielfelds eigentlich auf die Partie einstimmen sollte, kurzerhand den Tonfall und bewies sich als Krisenreporter. Wenig später kamen die Klub-Oberen von Borussia Dortmund, Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke, an das Mikrofon. Sie verkündeten den mit der Gastmannschaft aus Monaco und dem europäischen Fußballverband Uefa abgestimmten Notfallplan, die aktuellen Befindlichkeiten der Spieler, die unmittelbar von dem Attentat betroffen und verletzt worden waren – und den neuen Spieltermin, keine 24 Stunden später.

„The games must go on“, die Spiele müssen weitergehen – so lautete die Botschaft, die Avery Brundage als Präsident des Olympischen Komitees bei der Trauerfeier für die elf von palästinensischen Terroristen ermordeten Mitglieder der israelischen Mannschaft 1972 in München verkündete. 45 Jahre später heißt es schlicht: Das Spiel wird weitergehen. So oder so.

leitartikel@swp.de

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

13.04.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball