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„Da kann kein Trainer was dafür“

Mittwochs-Interview: Für die Freudenstädter B-Junioren-Fußballer mit Trainer Jürgen Haug geht’s um die letzte Chance

Nach vier Niederlagen in Serie müssen die B-Junioren der Spvgg Freudenstadt in der Fußball-Verbandsstaffel am Sonntag (11.30 Uhr) beim FC Rottenburg gewinnen, um die Chance auf den Nichtabstieg zu erhalten. Gleichzeitig muss jedoch auch die Konkurrenz mitspielen. Im Mittwochs-Interview spricht Trainer Jürgen Haug über die Ursachen für die sportliche Misere, die Einstellung seiner Spieler und er ärgert sich über mangelnden Rückhalt im Verein.

17.06.2015
  • Interview: Vincent Meissner

SÜDWEST PRESSE: Herr Haug, wie gut können Sie zurzeit schlafen?

Jürgen Haug: Sehr gut. Ich habe meine Nerven schon noch im Griff.

Die sportliche Situation ist allerdings ziemlich brenzlig für Sie und Ihre Mannschaft. Wie war die Stimmung am Montagabend im Training?

Am Anfang waren die Jungs teilweise schon noch niedergeschlagen von der 1:2-Niederlage beim Tabellenführer in Ravensburg. Aber während des Trainings war die Stimmung dann gut. Ich habe meiner Mannschaft ganz klar gesagt, woran es liegt. Wir sprechen ja schon länger intensiv miteinander. Ich habe ihnen gesagt, dass wir mit Sicherheit nicht die schlechtere Mannschaft waren. Aber es lag eben wieder mal an unserer konditionellen Schwäche. Mitte der zweiten Hälfte sind wir regelmäßig so platt, dass wir läuferisch nicht mehr mithalten können. Trotzdem haben wir in Ravensburg noch sehr gut verteidigt. Aber zwei individuelle Fehler haben uns die Gegentore beschert.

Wenn die Mannschaft konditionell nicht auf der Höhe ist, hat dann nicht der Trainer Schuld?

Ich war von 130 Trainingseinheiten diese Saison bei 127 dabei. Die Jungs waren im Schnitt bei gefühlten 70 Einheiten dabei. Das ist zu wenig. Der trainingsfleißigste Spieler hat um die 30 Einheiten verpasst. Es liegt am Willen vieler Spieler. Und einmal war es auch grob fahrlässig, was die Spieler getan haben: Vor dem Spiel gegen Neu-Ulm war die Mannschaft geschlossen am Vorabend weg. Dafür haben die Jungs selbst die Verantwortung. Da kann kein Trainer was dafür.

Ist das ein gesamtgesellschaftliches oder ein spezielles Freudenstädter Problem?

Das ist in diesem Jahr ein Freudenstädter Problem. Und zwar ein mentales Problem der Jungs. Ich behaupte, wenn wir regelmäßig normal trainieren würden, dann wären wir nicht in dieser Tabellenregion. Viele Spiele haben wir in den letzten zehn, 15 Minuten verloren, weil die Kraft nachgelassen hat und damit auch die Konzentration.

Es lag allerdings nicht nur an der Einstellung…

Richtig. Wir hatten auch viele Verletzungsprobleme – auch Langzeitverletzte. Im Winter hatten sich zudem zehn, zwölf Spieler diesen Grippevirus eingefangen. Da waren wir teilweise dann nur zu sechst im Training. Und die Wintervorbereitung holst du nicht so ohne Weiteres wieder auf. Dann haben wir auch Spieler dabei gehabt, die gar nicht mehr aufgetaucht sind, weil sie schulische Probleme hatten und dann den Fußball ad acta gelegt haben. Aber ein Grund ist eben auch, dass viele andere Interessen bei den Jungs mitspielen. Wenn die Möglichkeit besteht, irgendwo zelten zu gehen, dann gehen sie lieber zelten, als Fußball zu spielen. Am Samstag habe ich um dreiviertel zehn abends eine Absage für das Spiel am Sonntagmorgen bekommen. Wenn ich nicht so wenige Spieler hätte, dann wären längst mal disziplinarische Maßnahmen nötig gewesen. Aber der Kader ist einfach zu klein. Ich habe ja gerade mal elf Spieler, die das Format haben, in der Verbandsstaffel mitzuhalten. Die anderen sind Ergänzungsspieler.

Das klingt ziemlich frustriert. Sehen Sie überhaupt eine Chance auf den Nichtabstieg?

Es ist ganz klar: Uns hilft nur ein Sieg gegen Rottenburg. Ansonsten sind wir abgestiegen. Und wir haben nur eine Chance, wenn wir von der ersten bis zur letzten Minute gemeinsam mit vollem Einsatz dabei sind. Ich hätte kein Problem mit einer Mannschaft abzusteigen, wenn ich sagen könnte, wir haben alles gegeben. An mir liegt’s jedenfalls nicht. Ich kämpfe bis zur letzten Sekunde. Ich war auch über Pfingsten keinen Tag im Urlaub, obwohl ich da in den Vorjahren immer vereist bin. Und dann stehe ich am Mittwoch auf dem Trainingsplatz und es sind zwei Leute da. Und solche Situationen gab’s zuhauf.

Wie bereiten Sie Ihre Mannschaft auf das entscheidende Spiel in Rottenburg vor?

Ich habe ihnen die Konstellation erklärt, damit sie informiert sind und Bescheid wissen, wie unsere Chancen stehen. Und dann haben sie auch gesehen, dass wir noch Möglichkeiten haben. Sollte Meister Ravensburg aufsteigen, müssten ja auch nur drei Mannschaften runter. Im Training liegt der Schwerpunkt diese Woche auf dem Torabschluss.

Die mangelnde Chancenauswertung zieht sich schon seit Wochen durch Ihr Spiel…

Ja, auch in der Vorwoche müssen wir eigentlich schon 3:0 führen, bevor Ravenburg überhaupt das erste Mal auf unser Tor geschossen hat. Aber wir haben eben nur 1:0 geführt. Das sind Dinge, für die ich meine Mannschaft kritisiere. Und da sind wir auch wieder bei der fehlenden Fitness. Wenn ich in guter körperlicher Verfassung bin, dann bin ich vor dem Tor auch ein bisschen cooler. An unserer spielerischen Qualität bemängle ich nichts. Da haben wir keine Nachteile. Aber in der zweiten Hälfte versinken wir regelmäßig in einer Tristesse. Und das ist nicht schön mit anzusehen.

Was würde der Abstieg für die Spvgg Freudenstadt bedeuten?

Für die Spvgg Freudenstadt wäre das schon ein gewisser Beinbruch. Es ist auch sehr bitter: Wir stehen seit dem vergangenen Spieltag erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf einem Abstiegsplatz. Aber jetzt haben wir die Quittung bekommen. Das Problem ist aber auch, dass wir in Freudenstadt eine Randregion sind. Wir müssen immer wieder Spieler aus der Kreisstaffel in die Verbandsstaffel integrieren. Der Abstieg wäre vor allem für die Entwicklung unserer C-Junioren, die jetzt raus kommen, ein Rückschritt. Da wird mancher gute Spieler den Verein verlassen.

Hat der Verein sie ausreichend unterstützt diese Runde?

Ich hatte diese Saison nicht das Gefühl, dass der unbedingte Wille da ist, die Staffel zu halten. Das hat mich auch nachdenklich gemacht. Einen großen Rückhalt im Verein genießen wir in der Jugend eigentlich nicht.

Wie geht es denn nächste Saison bei Ihnen persönlich weiter?

Bei mir ist noch nichts entscheiden. Ich habe die Option die A-Junioren zu trainieren. Da will ich aber noch mit dem Jugendleiter Rücksprache halten. Ich mache es auch ein bisschen vom Ausgang der Saison abhängig. Die B-Junioren werden aber auf jeden Fall die jetzigen C-Juniorentrainer Mario Finkbeiner und Ümit Uludogan übernehmen.

Wie entwickelt sich die B-Junioren-Mannschaft?

Zehn Spieler kommen raus in die A-Jugend. Ob es Abgänge gibt, weiß ich noch nicht. Der Großteil wird sicher bleiben. Sieben Spieler dürfen auch noch ein Jahr in der B-Jugend spielen.

Mittwochs-Interview: Für die Freudenstädter B-Junioren-Fußballer mit Trainer Jürgen Haug

Jürgen Haug (48) war in seiner aktiven Zeit Mittelstürmer oder kam über links außen. Der Lombacher spielte für den TuS Ergenzingen in der Jugend in der Verbandsstaffel und aktiv in der Landesliga. Auch von höherklassigen Teams wie den Stuttgarter Kickers (damals 2. Bundesliga) und dem SSV Reutlingen (damals Oberliga) hatte er Angebote. Allerdings ging der Job damals vor. Heute ist Haug Leiter im Finanzwesen bei einer Firma in Dornstetten. Als Trainer betreute er einst den VfB Lombach in der Kreisliga A und die Junioren der SGM Wittendorf/Lombach. Inzwischen ist er im dritten Jahr Trainer der Freudenstädter A-Junioren in der Verbandsstaffel.

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17.06.2015, 12:00 Uhr

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