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Freie Straßen für Zweiräder

„Mobil ohne Auto“ litt am Sonntag unter der schlechten Wetterprognose

Bei „Mobil ohne Auto“ hatten die Radfahrer, Inlineskater, Longboarder und Spaziergänger viel Platz auf der Straße zwischen Rottenburg und Sulz. Trotz angenehmer Temperaturen waren jedoch nur einige Tausend unterwegs.

22.09.2014
  • Dunja Bernhard

Horb. Trotz angenehmer Temperaturen und nur vereinzelten Regenschauern war auf der Strecke zwischen Rottenburg und Sulz deutlich weniger los als im vergangenen Jahr. Dabei hatte es 2013 bis zur Mittagszeit kräftig geregnet.

In Bad Niedernau war die Brücke über den Katzenbach nach sechsmonatiger Bauzeit rechtzeitig fertig geworden. Während sie für Autos offiziell erst um 18 Uhr eröffnet wurde, durften nicht motorisierte Fahrzeuge sie schon den ganzen Tag über befahren.

Im Zelt der Bad Niedernauer Feuerwehr auf dem Hof der Familie Bürkle saßen zur Mittagszeit überwiegend Einwohner aus dem Flecken. Sie müssten keine Werbung für dieses Event machen, sagte Abteilungskommandant Rainer Gramer. Seit zehn Jahren bietet die Abteilung bei „Mobil ohne Auto“ Mittagessen an. Ab 13 Uhr sorgte die Niedernauer Band „Cat River Dogs“ für musikalische Unterhaltung. Wegen des nassen Wetters konnte der ADFC-Ortsverband Rottenburg den Fahrradparcours für Kinder nicht aufbauen. Sie hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte Susanne Ulmer. „Aber bei Nässe sind die Holzelemente einfach zu rutschig.“ Auch die „alternative Mobilität mit Spezialfahrrädern“ der Bruderhausdiakonie und Urban Fahrradbau suchte man vergeblich.

Manuel, Paul und Niklas nutzten die freie Fahrt für eine Longboard-Tour von Rottenburg nach Börstingen. Die bis zu 1,50 langen Bretter haben durch weichere Rollen bessere Fahreigenschaften als die aus ihnen entstandenen Skateboards. Es sei kein Problem damit die 15 Kilometer zwischen den beiden Orten zurückzulegen, sagte Manuel. Auf die Idee kamen die drei Jungs durch eine Longboard-Deutschlandtour, die vor zwei Wochen gestartet wurde und deren Teilnehmer jeden Tag rund 50 Kilometer zurücklegen. Niklas hatte seine Video-Kamera dabei, um anschließend einen Film von ihrer Tour ins Internet zu stellen.

In Sulzau feierte die Narrenzunft ihr Herbstfest auf dem Dorfplatz. Vor dem Zelt standen neben Fahrrädern und Bobby-Cars auch Golf-Trolleys. Einige Starzacher seien gleich nach der Kirche gekommen, sagte der zweite Vorsitzende Jürgen Buntrock. Neben Schnitzel und Bratwurst mit selbst gemachtem Kartoffelsalat, gab es auch Zwiebel-, Apfel- und Zwetschgenkuchen. „Viele kommen und nehmen ein ganzes Blech mit nach Hause“, sagte Buntrock. Das habe sich über die Jahre eingespielt.

Familie Wessinghage war mit ihren drei Kinder von Rottenburg hergeradelt. Der sechsjährige Sohn trat schon selbst in die Pedale, seine jüngeren Geschwister durften die Fahrt noch auf dem Kinderfahrradsitz und im Anhänger genießen. Sie wollten nach dem Essen noch bis Horb weiter fahren und dann für den Heimweg den Zug nehmen. So denn der Schauer, der gerade über dem Dorf niederging, nicht von langer Dauer sein würde.

Flegga Zoddler sorgten für Stimmung

Richtung Börstingen ließ der Regen schon wieder nach. Dort lud der Heimat- und Kulturverein vor dem Dorfmuseum zu Speis und Trank ein. Die Menschen suchten zunächst einen trockenen Platz und dann eine Stärkung, hatte die erste Vorsitzende des Vereins Dr. Monika Laufenberg beobachtet. „Dann erst gucken sie, ob es noch Kultur gibt.“ Wer die steile Treppe des Museums erklomm, konnte dort ausgewählte Gegenstände des dörflichen Lebens vergangener Jahrhunderte besichtigen.

Die Angel- und Naturfreunde Weitingen zeigten sich mit den Besucherzahlen am Sonntag nicht zufrieden. Dabei bot der Verein nicht nur die an der Strecke üblichen Würste, Schnitzel und Maultaschen an, sondern auch Forellen – geräuchert oder gegrillt. Sie hätten nach der Erfahrung mit dem schlechten Wetter im Vorjahr schon weniger kalkuliert, sagte Kassier Edgar Heumesser. „Aber nicht so wenig.“ Zur Mittagzeit ging gerade ein Schauer nieder. Der habe einige Leute reingedrückt, sagte er. Sie hätten ihre Forelle unter einem Sonnenschirm gegessen, sagte eine Frau im Vorbeigehen. „Sie war trotzdem lecker.“ Der Vorsitzende Harald Dold sagte, dass sich der Verein nach zwei verregneten Veranstaltungen überlegen müsse, ob er das noch ein Jahr stemmen könne. Die Sommermonate seien sicher ein geeigneterer Zeitpunkt für den autofreien Sonntag, so Dold. „Der kann ruhig in den Ferien liegen.“

Die Fischerfreunde Schwabenweiher bewirteten zum ersten Mal bei „Mobil ohne Auto“. Der in Empfingen beheimatete Verein hatte seinen Stand in Mühlen aufgebaut. Mit dem Zuspruch sowohl aus dem Dorf als auch von der Strecke zeigte sich der Vorsitzende Norbert Ganion zufrieden. Ihnen gehe es vor allem darum, den Verein darzustellen und ihre Finanzen für die Jugendarbeit aufzubessern. Bei einem Glücksrad lockten für einen Euro Einsatz als Gewinne T-Shirts, Weine und Süßigkeiten. Der angekündigte Streichelzoo fiel etwas kleiner aus. Die Ziegen blieben wegen des schlechten Wetters im Stall. Dafür ließen vier Stallhasen kindliche Streicheleinheiten über sich ergehen.

Der Abschnitt zwischen Ihlingen und Dettingen wurde nur am Sonntag freigegeben. Hier waren besonders viele Fußgänger unterwegs, die sich wohl mal den Fortschritt an der Baustelle angucken wollten. Für Stimmung auf der Strecke sorgten die Flegga Zoddler am Abzweig nach Dettingen. Wenn sie mit ihrer Guggamusik loslegten, staute sich der Radverkehr auf der Straße. Dass zwar keine Autos unterwegs waren, aber durchaus weitere Radfahrer, vergaß mancher bei seiner Platzwahl.

„Mobil ohne Auto“ litt am Sonntag unter der schlechten Wetterprognose
Freie Fahrt hatte dieses Vier-Personen-Tandem bei „Mobil ohne Auto“ im Neckartal zwischen Rottenburg und Sulz. Bilder: Kuball

„Mobil ohne Auto“ litt am Sonntag unter der schlechten Wetterprognose
Der Streckenabschnitt zwischen Ihlingen und Dettingen war nur am Sonntag für Radler und Fußgänger freigegeben. Heute gehen die Bauarbeiten weiter.

Die Bahn setzte am Sonntag 24 Sonderzüge zwischen Tübingen und Sulz ein, die zusammen 800 Kilometer zurücklegten. Eine besondere Attraktion war die Dampflokomotive 527596. Sie lockte nicht nur Bahnfahrer sondern auch Fotografen an. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr aus Dürrenmettstetten organisierten auf der gesamten Strecke den Fahrkartenverkauf und halfen beim Verladen der Fahrräder. Doch auch bei den Zügen sei die Nachfrage verhalten gewesen, sagte Cornell Gläser, Leiter des Kulturbahn-Centers Horb. Dabei kostete eine Tageskarte, die auf der gesamten Strecke galt, gerade mal fünf Euro.

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22.09.2014, 12:00 Uhr

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