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Fallschirmspringer kommt bei Flugschau ums Leben

Mobile Legenden nach Unfall abgebrochen

Ein tragischer Unglücksfall hat das gestrige 3. Oldtimer- und Luftfahrtfestival in Eutingen überschattet. Ein Fallschirmspringer des Fürstenbergteams verunglückte tödlich, weil sich sein Fallschirm verhedderte und der Notschirm sich nicht öffnete. Die Veranstaltung wurde daraufhin abgebrochen.

15.06.2015
  • Dunja Bernhard

Eutingen. Zwischen den beiden Blöcken des Kunstflugprogramms stand ein Formationsspringen der Fallschirmgruppe Fürstenberg auf dem Programm. Doch nach dem Absprung aus dem Flugzeug verhedderte sich der Fallschirm eines 64-jährigen Mitglieds. Diesen habe der Fallschirmspringer abgeworfen, sagte Dieter Knaus, Polizeiführer vom Dienst des Polizeipräsidiums Reutlingen. Der Notschirm habe sich jedoch nicht geöffnet.

Zunächst war unklar, wo genau der Fallschirmspringer aufgekommen war. Die Flugschau wurde sofort unterbrochen, während auf dem Oldtimer-Gelände der Unfall vorerst unbemerkt blieb. Schließlich wurde der Fallschirmspringer nördlich des Flugfelds in einem Maisfeld gefunden. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Die Veranstalter brachen das Festival darauf hin ab.

Die Veranstaltuntung lief bis dahin bei bestem Frühsommerwetter prächtig. Rund 10.000 Besucher und knapp 3000 historische Fahrzeuge waren nach Angaben von Jürgen Wünsche, Geschäftsführer der Gesellschaft für Marketing und Presseservice (MPS), auf das Gelände des Eutinger Flugplatzes gekommen. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die gut eineinhalbstündige Flugshow. Der Weltklasse-Pilot Matthias Dolderer, der als einziger Deutscher am Red-Bull-Air-Race teilnimmt, zeigte atemberaubende Kunststücke mit einer Zivko Edge 540, die über 400 Stundenkilometer schnell ist. Einer Höchstanforderung an Piloten folgte die nächste. Dolderer flog gerissene Rollen, ließ das Kunstflugzeug flach trudeln und stellte die Edge senkrecht in die Luft. Beim schräg angestellten Messerflug hielt nur noch der Rumpf das Flugzeug in der Luft. „Die Tragflächen tragen da nicht mehr“, sagte Moderator Hans-Peter Müller.

Eine beeindruckende Flugshow zeigte auch Thomas Bader in einer Extra 330. Nach dem Aufschwung drehte er Rollen, zwei rechts, zwei links. Das sei wie beim Stricken, kommentierte Müller augenzwinkernd. „Bloß keine Fallen lassen“, sagte eine Frau im Publikum.

Der 57-jährige Romeo Adaci zeigte in seiner 200 PS starken Zlin 526 Kunststücke mit so phantasievollen Namen wie „Humpty-Bump“, „Immelmann“ und „kubanische Acht“. Neben seiner Frau habe er drei Geliebte, sagte der Kunstflugpilot. „Meine drei Flugzeuge“. Seine Hobbys seien: Fliegen, Fliegen, Fliegen.

Mobile Legenden nach Unfall abgebrochen
Spektakuläre Kunststücke zeigte Weltklasseflieger Matthias Dolderer.

Ruhiger als bei den motorisierten Kunstfliegern ging es beim Segelkunstflug zu. Bernd Brodbeck zeichnete mit Rauch an den Tragflächen Kleeblätter an den Himmel und zeigte eine eher besinnliche Show - zumindest für die Zuschauer. Wie ein Greifvogel im Flug sah die Minimoa mit ihren geknickten Flügeln aus. Gezogen wurde das Segelflugzeug von einer Klemm 35, Baujahr 1934.

Für Rundflüge standen neben modernen zweisitzigen Maschinen, eine Pilatus P2 aus dem zweiten Weltkrieg und eine französische Broussard aus den 1950er Jahren bereit.

Lange Warteschlangen bildeten sich vor dem Unimog-Parcours der Unimogfreunde Nordschwarzwald. Da wurden gestandene Männer (und Frauen) für fünf Minuten wieder zu Kindern mit strahlenden Augen. Über steile Hügel und durch tiefe Löcher ging es mitunter in bedenklicher Schieflage. Doch fast alle Fahrer hatten die Sache im Griff. Nur ein Unimog schaffte die 80-prozentige Steigung nicht – sehr zur Freude der Zuschauer, die darüber fachsimpelten, was der Fahrer hätte besser machen können.

Dicht umringt war während der Vorführungen das Gelände der Motorrad-Trial-Fahrer. Vier junge Erwachsene des MSC Falke aus Wildberg-Sulz zeigten mit Motorrädern ohne Sattel spektakuläre Sprünge auf Traktorreifen und einen Passat. Sie fuhren nur auf dem Hinterrad (Wheelie) oder wendeten auf dem Vorderrad. Mit nur einem Finger werde Kupplung und Bremse beim Absprung reguliert, sagte Klaus Blöcher, Sportleiter des MSC. „Das erfordert Fingerspitzengefühl.“

Mobile Legenden nach Unfall abgebrochen
Rund 10000 Besucher kamen zu den Mobilen Legenden. Zwischen Oldtimern, Traktoren, Unimogs und Flugshows war Platz zum Verschnaufen. Bilder: Kuball

Besucherströme zogen die historischen Traktoren, Oldtimer (Baujahr vor 1985) und Youngtimer (Baujahr zwischen 1985 und 1995) an. Eine Menschentraube bildete sich vor einem Lanz Bulldog aus dem Jahr 1948. Er hat nur einen Zylinder, der laut Andreas Dorn von den Schlepperfreunden Bühl so groß wie ein 10-Liter-Eimer ist. Der Glühkopf muss zunächst von außen erhitzt werden, „bis er rot ist“. Dann wird der Diesel eingespritzt und der Motor mit dem Schwungrad angetrieben, erklärte Dorn. „Ob das noch klappt“, zweifelten die Zuschauer, die dem Geduld fordernden Schauspiel zuschauten. Es klappte. Der laufende Motor ließ den ganze Traktor mit bulligem Pockern wackeln.

Nicht nur die Herzen eingefleischter Oldtimerfans schlugen höher beim Gang durch die Fahrzeugreihen. Von der Isetta und dem Goggomobil über einen Citroën DS 21 Pallas und verschiedenen Corvettes bis zum Porsche Spyder und einem Ferrari Dino war fast jedes legendäre Auto vertreten. Klaus Schlempp aus Winterlingen sieht seinen Ford Mustang von 1969 als Geldanlage mit Spaßfaktor. Kurt Schneider aus Hochdorf gönnte sich einen Mercedes Benz, der wohl als Einzelstück für einen Scheich hergestellt wurde, zu seinem 60. Geburtstag. Jetzt sucht er nach der Geschichte des bildschönen Klassikers.


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