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Auto immer noch wichtigstes Verkehrsmittel

Mobilität in Tübingen: Im Nordringexpress zum Sand

Wie pendeln Beschäftigte und Studierende an die Uni? Eine Studie zeigt vor allem: Es müssen noch viele Fragen geklärt werden.

01.12.2016
  • Angelika Bachmann

Das Auto ist immer noch das wichtigste Verkehrsmittel, mit dem Uni-Beschäftigte an ihren Arbeitsplatz kommen: 30 Prozent der 6800 Uni-Mitarbeiter gaben es bei einer Umfrage als Hauptverkehrsmittel an. Studierende nutzen zum größten Teil Bus, Bahn oder Fahrrad. Das ist ein Ergebnis der Mobilitätsstudie, die der Geograf Udo Wagner im Auftrag der Universität erstellt hat. Mittelfristig wolle die Universität ein Mobilitätskonzept entwickeln, sagte Walter Heim von der Arbeitsgruppe „Uni-Mobil“ am Montag bei der Vorstellung der Studie im Kupferbau.

Ein solches Konzept ist notwendig, weil die Universität so viele Studierende und Beschäftigte hat wie nie zuvor. Zudem fallen große Parkflächen weg, weil sie überbaut werden. Auf der Morgenstelle entsteht auf dem großen Südparkplatz das Institut für Bioinformatik. Der Schiebeparkplatz an der Wilhelmstraße wird ab 2018 mit Beginn der Mensa-Sanierung geräumt. Mit Initiativen wie dem Job-Ticket Baden-Württemberg wird bereits versucht, Beschäftigte zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen.

In seiner Studie hat Udo Wagner Daten zum bisherigen Pendlerverhalten und zur Parksituation an der Universität erhoben. Ein Ergebnis: Während am Uni-Klinikum ein relativ strenges Parkmanagement vorherrscht, die Parkberechtigungen an Beschäftigte nach genauen Kriterien vergeben und kontrolliert werden, gibt es an der Universität keine übergreifenden Regelungen – und auch keine einheitlichen Kriterien.

Noch Plätze in Parkhäusern

Wer bekommt denn eine Parkberechtigung für die knappen Parkplätze bei den Instituten, so wurde denn auch aus dem Publikum gefragt: Der Professor aufgrund seiner Position? Oder Beschäftigte, die auf dem Heimweg noch bei der pflegebedürftigen Mutter vorbeischauen? Ein Problem sei auch, dass Parkberechtigungen oft nicht zurückgegeben werden, wenn die Beschäftigten in Rente gehen oder den Arbeitgeber wechseln, so Wagner. Derzeit ist nicht einmal klar, wie viele Parkplätze das Land als Arbeitgeber zur Verfügung stellen muss. Der entsprechende Stellplatzatlas wird gerade überarbeitet und soll 2017 fertig sein.

Bei seinen Ortsbegehungen (an Sommertagen während des Semesters) hat Wagner festgestellt, dass die bisherigen Parkplätze der Institute oder auch das Parkhaus Brunnenstraße nicht voll belegt waren. Die Auslastung schätzte er auf etwa 70 Prozent.

Die Online-Befragung bei Studierenden und Beschäftigten ergab Schwachstellen im öffentlichen Nahverkehr. So ist zum Beispiel der Sand sehr schlecht an die Morgenstelle angeschlossen – wo die Studierenden ebenfalls Veranstaltungen besuchen oder in der Mensa essen. Ein „Nordringexpress“ würde da Abhilfe schaffen, so Wagner. Viele Befragte bemängelten überfüllte Busse zu Stoßzeiten. Für Einpendler aus dem Raum Stuttgart sind zudem die Anschlusstickets für den Verkehrsverbund Stuttgart unverhältnismäßig teuer.

Fahrradfahrer wiederum wünschen sich mehr sichere und überdachte Abstellplätze für ihre Räder. Weil diese oft fehlen, nähmen manche Pendler, die jeden Tag mit dem Rad an die Uni fahren und sich deshalb ein hochwertiges Rad leisten, ihre Räder mit in die Büroräume. Entlang der Wilhelmstraße gebe es zudem viele Radständer, die nicht mehr zeitgemäß seien.

Können Jobtickets mehr Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen? Auch darüber wurde am Montag diskutiert. Etliche Beschäftigte wünschen sich ein Job-Ticket, das man auch monatsweise buchen kann, so Wagner.

Er wurde aus dem Publikum gefragt, was er auf Grundlage seiner Studie empfehlen würde, blieb allerdings konkrete Antworten schuldig. „Das müssen die Entscheidungsträger festlegen.“ Allerdings empfahl er, an einem Thementag Arbeitsgruppen und Experten zusammenzubringen. Dort sollen Ideen gesammelt werden, wie zum Beispiel die Parkraumbewirtschaftung verbessert und Buslinien und Taktzeiten optimiert werden können.

Pendler wollen schnell ankommen und flexibel sein

Für die Mobilitätsstudie der Universität wurden Beschäftigte und Studierende nach ihrem Hauptverkehrsmittel gefragt. Die Ergebnisse bei den Beschäftigten: Auto (30 Prozent), Fahrrad (21), Bus (15), Zug (9), zu Fuß (7), kein Hauptverkehrsmittel (14). Die Ergebnisse bei den Studierenden: Bus (34), Fahrrad (19), kein Hauptverkehrsmittel (19), Zug (15), Auto (8), zu Fuß (6).

Als wichtige Aspekte für die Verkehrsmittelwahl gaben die Beschäftigten unter anderem an: Fahrtdauer (79 Prozent), Flexibilität (65) und Kosten (50) (Mehrfachnennungen möglich). Bei den Studierenden standen ganz oben die Fahrdauer (87 Prozent), Kosten (73), Flexibilität (66) Erreichbarkeit (65) und Zuverlässigkeit (58).

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01.12.2016, 01:00 Uhr

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