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Plastik ade

Modeketten denken über das Ende der Gratistüte nach

Sie landen oft im Meer und sind eine Gefahr für Tiere: Plastiktüten. Deutschland muss den Verbrauch senken. Modeketten erwägen deshalb, Bezahlbeutel einzuführen. Nicht nur Umweltschützer melden Zweifel an.

06.11.2015
  • VIOLETTA KUHN, DPA

Berlin In den Supermarkt nehmen viele schon einen Korb oder eine Tragetasche mit. Zum Kleider-Shopping gehen die meisten aber mit leeren Händen und kommen mit Plastiktüten nach Hause. Jetzt sollen die Kunden auch in Schuhgeschäften, Kaufhäusern und Klamottenläden dazu bewegt werden, die Kunststoffbeutel wegzulassen.

Dafür bringt der Handelsverband Deutschland (HDE) Bezahltüten ins Gespräch, wie es sie in Supermärkten schon lange gibt. Dort müssen Kunden zum Beispiel 10 bis 20 Cent pro Stück zahlen. Auch die anderen Einzelhändler sollen nun individuell einen "angemessenen Preis" für die Tüten festlegen, sagt HDE-Sprecher Kai Falk. Einen entsprechenden Entwurf habe der Verband dem Bundesumweltministerium vorgelegt, die Gespräche liefen.

Mit seinem Vorschlag zum kostenpflichtigen Beutel meldet sich der Handelsverband zu Wort, bevor die Regierung den Einzelhandel per Gesetz zu einer möglicherweise höheren Abgabe zwingen könnte.

Bei dem Plan des HDE seien "zahlreiche Großunternehmen schon dabei", sagt Verbandssprecher Falk. Das schwedische Unternehmen H&M zum Beispiel denkt über die Einführung eines Abschlags in den 400 deutschen Filialen nach. Die Schuhkette Deichmann prüfe "verschiedene Varianten", sagt ein Sprecher. Auch Galeria Kaufhof unterstützt den HDE. Weil die Tüten ein wichtiger Werbeträger seien, wolle man nicht ganz auf sie verzichten. Ein C&A-Sprecher sagt, es sei aber wichtig, den Kunden zu erklären, warum die Beutel künftig etwas kosten könnten.

Für mehrere Hundert Euro shoppen und dann noch Geld für die Tüte berappen? Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels glaubt nicht, dass Kunden dafür viel Verständnis haben würden. Einigen seiner Mitgliedsunternehmen sei es daher lieber, wenn die Regierung eine Gebühr per Gesetz vorschriebe.

"Dann könnten die Mitarbeiter sagen: Beschweren Sie sich in Berlin, wir können nichts dafür." Außerdem bräuchten Schuhe, Leder und Schmuck Schutz gegen die Witterung. "Ich kann in einen noch so schönen Weidenkorb keinen Kaschmirpulli knuddeln", sagt Dax.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fürchtet eher, dass ein Cent-Betrag keinen deutschen Kunden von Kunststofftüten fernhalten würde - und dass Geschäfte auf die Papiervariante umsteigen, sobald die Bezahlpflicht komme. "Es ist ein Trugschluss, dass die braune Papiertüte umweltfreundlich ist", gibt Katharina Istel, Nabu-Expertin für nachhaltigen Konsum, zu bedenken. Papier habe sogar eine noch schlechtere Ökobilanz als ihre Kunststoff-Verwandte und sei nur vorzuziehen, wenn die Plastiktüte leicht im Meer oder in der Natur landen könnte.

Außerdem seien Verkäufer auf Wochenmärkten, in Imbissbuden und Kiosken nicht unbedingt im Handelsverband organisiert und könnten somit ihre Beutel weiter umsonst abgeben; das reiche nicht aus, um den Verbrauch zu senken.

Eine Steuer auf alle Tüten ist aber ohnehin nicht vom Tisch. Noch prüft das Bundesumweltministerium, ob die vorgeschlagene Lösung des HDE wirksam genug ist. Zum künftigen Preis für Plastikbeutel will sich das Ministerium bisher nicht äußern.

Modeketten denken über das Ende der Gratistüte nach

  • Verschmutzung Das Meer wird als Müllkippe missbraucht. Viele Länder auf der Welt haben keine oder keine sorgfältige Müllabfuhr geschweige denn eine Mülltrennung wie in Deutschland. Der Müll wird auf große Halden gekippt, Plastiktüten gelangen durch Wind und Regen über die Flüsse ins Meer. In den Ozeanen bilden sich an den Strömungen Plastikinseln. Die größten sind größer als ganz Deutschland. Tiere, die kleine Plastikteile verschlucken, können sterben. Ob aus Plastik auch chemische Verunreinigungen entstehen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.
  • >Vermeidung Die beste Strategie ist natürlich, Plastik möglichst zu vermeiden, wo es Alternativen gibt. Einige Länder erheben eine Steuer, in China dürfen die Supermärkte seit Jahren keine Plastiktüten mehr verschenken. Die Europäische Union hat im April eine Richtlinie vorgegeben, nach welcher der Verbrauch der Plastiktüten in den 28 Ländern der EU in den kommenden zehn Jahren auf unter 40 pro Kopf gesenkt werden soll. Heute sind es noch fast 200, also fünf Mal so viel. Die Deutschen, Weltmeister in der Mülltrennung, stehen mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 71 gut da. Aber es soll noch besser werden. Der Einzelhandelsverband HDE setzt sich bei der Bundesregierung für eine Bezahlpflicht bei Plastiktüten ein. Ausschließlich die so genannten Hemdchentüten für Obst und Gemüse sollen nichts kosten. In Supermärkten muss man längst Plastiktüten bezahlen, nicht aber in Kleidergeschäften, Warenhäusern und Elektronikmärkten. hes

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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