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Auf die Kaufkraft kommt es an

Modellrechnungen zeigen: In günstigen Regionen sind Rentner 2040 besonders gut dran

Wer in einer günstigen Region wohnt, hat im Alter mehr von der Rente: Während des Erwerbslebens ist der Verdienst hoch, und die Kaufkraft der Rente ist regional unterschiedlich. Das zeigen Beispiele.

13.11.2015
  • DIETER KELLER

Berlin Der Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz könnte zu einem Eldorado für Rentner werden. Im Norden Bayerns werden einerseits hohe Gehälter gezahlt, andererseits sind die Preise, etwa für Mieten, niedrig. Daher dürfte die Rente eines 1973 geborenen Elektroinstallateurs , der 2040 aus dem Beruf ausscheidet, fast 60 Prozent mehr wert sein als bei seinem Kollegen in München. Gegenüber Stuttgart ist er um 36 Prozent im Vorteil.

Das renommierte Prognos-Institut hat für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstmals eine Untersuchung über die Entwicklung der gesetzlichen Renten bis zum Jahr 2040 angestellt; die Bundesregierung rechnet nur bis 2030. Zudem hat es nicht, wie sonst üblich, den "Eckrentner" im Fokus, der während des Erwerbslebens 45 - und künftig 47 - Jahre lang immer durchschnittlich verdient hat. Er käme 2040 auf 1632 EUR im Monat. Das entspricht einem Rentenniveau von 39,1 Prozent brutto. Derzeit liegt es bei etwa 48 Prozent. Die Renten dürften auch in den nächsten Jahren steigen, erwartet Prognos, aber nicht so schnell wie Löhne und Gehälter. Denn es wird berücksichtigt, dass die Zahl der Rentner zunimmt und die der Erwerbstätigen sinkt.

Prognos hat für je drei Berufsgruppen von Frauen und Männern Modellrechnungen angestellt, die 1973 geboren sind und um das Jahr 2040 in Rente gehen. Dabei wurde berücksichtigt, dass nicht nur die Löhne regional sehr unterschiedlich sind und damit die Rentenansprüche, die erworben werden, sondern auch die Arbeitslosigkeit. Zudem berechnete Prognos die Kaufkraft der Renten anhand eines für Senioren typischen Warenkorbs, unter anderem mit hohe Anteilen für Mieten und Gesundheit.

Derzeit gibt es bei den tatsächlich gezahlten Renten ein ausgeprägtes Ost-West-Gefälle: In Ostdeutschland erreichen sie durchschnittlich 1020 EUR im Monat (2014). Im Westen sind es nur 833 EUR. Denn Ostdeutsche kommen auf mehr Berufsjahre, und Frauen waren dort länger erwerbstätig, weshalb sie deutlich höhere Renten als im Westen haben. Allerdings spielen im Westen Betriebsrenten und private Vorsorge eine größere Rolle. Hier steuern die gesetzlichen Renten nur zwei Drittel zum Alterseinkommen bei, im Osten dagegen 90 Prozent.

Im Jahr 2040 dürfte das Bild ganz anders aussehen, erwartet Prognos-Chefvolkswirt Michael Böhmer. Bei anhaltend guter wirtschaftlicher Entwicklung dürften die Renten in 25 Jahren zwar höher sein als heute. Aber das Rentenniveau sinkt deutlich. Das droht besonders wachstumsschwache Regionen wie Ostdeutschland zu treffen. Überdurchschnittlich gut dran sind dagegen Senioren in wachstumsstarken Regionen wie Bayern, Hamburg und weiten Teilen Baden-Württembergs. Bei Gutverdienern fällt das Rentenniveau niedrig aus, weil sie nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze Beiträge abführen. Dadurch ist die Höhe der Rente gedeckelt.

Berücksichtigt man auch die Rentenkaufkraft, fällt das Bild noch differenzierter aus. Hohe Gehälter etwa in München oder Stuttgart bringen unterm Strich wenig. Ein Ingenieur im wachstumsschwachen Schwerin bekommt zwar über 400 EUR weniger Rente als in Hamburg. Aber seine Kaufkraft ist fast gleich hoch.

Daraus schließt GDV-Präsident Alexander Erdland: Jeder sollte sich Klarheit verschaffen, was er von der gesetzlichen Rente erwarten kann und wie viel er betrieblich und privat vorsorgen muss, um den Lebensstandard zu halten.

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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