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Zu Besuch auf den Plätzen in der Region

Models auf der Bank

SÜDWEST PRESSE-Sportredakteur Tobias Zug hat sich vorgenommen, auf jedem Fußballplatz des Bezirks mal ein Spiel anzuschauen. Beim B-Ligisten FC Horb tat er das fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

14.09.2010

Nanu, kickt der FC Horb etwa doch nicht? Oder woanders? Ein erster Blick in das weite Rund der Leichtathletik-Sportanlage im Horber Industriegebiet „West“ ließ das vermuten, nachdem schon der Eingang problemlos abgelaufen war; weil der weder von Kassierern oder sonstigen Gestrengen besetzt war. Aber plötzlich liefen 22 Spieler ein, in weiß-blauen und roten Trikots aufgeteilt, plus ein gelb gekleideter Schiedsrichter. Exakt 21 Menschen verteilten sich zu diesem Zeitpunkt um die riesige Tartanlaufbahn: 15 auf der steinernen Tribüne, sechs holten sich auf der anderen Seite von der Sportheim-Terrasse weiße Plastikstühle und setzten sich darauf vor den Werbebanden hin.

Nach und nach trudelten Fans vom Horber Gegner SG Mühlheim-Renfrizhausen ein, die im Sportheim noch ihr vornehmlich aus Bier bestehendes Proviant eingekauft hatten und sich problemlos ihren Stehplatz auf der Tribüne aussuchen konnten. Ein italienisch-stämmiger Schiedsrichter gesellt sich zu den später insgesamt etwa 40 SG-Fans hinzu, bringt mit seinen radegebrochenen Sprüchen („Kämpfe! Schieße! Auuuu, zum Glick habe ich nicht mehr so viele Haare, sonst würden die mir jetzt auch noch ausfallen…!“) etwas Stimmung unter den sonst ruhigen Haufen und das noch müdere Spiel. Anhänger der Horber waren an einer Hand abzuzählen: Ein Vater und sein Sohn jubelten auf ihren Klappstühlen inmitten der SG-Anhänger verhalten, als der FCH gleich mal 2:0 in Führung ging. Eine blonde Spielerfrau mit Model-Maßen setzte sich zu den Horber Ersatzkickern, die in der Trainerkabine auf der Tartanbahn Platz genommen haben. „So ein schönes Stadion, aber gar nix mehr los in Horb“, sagte der Italo-Mühlheim-Renfrizhausener zur Halbzeit, als er sich auf den Klappstuhl des Horber Vaters gesetzt hatte, der gerade Bier holen gegangen war. „Da vier Horber, hier zwei“, sagte er und winkte ab. „Und hier wurde früher Landesliga gespielt…!“

Weil nicht arg viel Horber da waren, haben Verantwortliche von der Trainerkabine auch gleich die zwei vom Fußballverband vorgeschriebenen Sicherheitswesten übergezogen und waren somit Betreuer, Trainer und Ordner zugleich. Mit je zwei Hütchen wurden die ebenfalls vorgeschriebenen Coaching-Zonen auf der Tartanbahn abgesteckt. Aber solche Vorkehrungen, um eventuelle Randale und Krawalle vorzubeugen, sind hier so angebracht wie ein Bikini-Laden in Saudi-Arabien. Die SG-Fans sind auch nach dem 0:2 noch relativ ruhig, diskutieren mehr über die Verletzung von Michael Ballack als über das Geschehen auf dem Platz. Drei Mütter mit Kinderwagen und Kindern quatschen über die Alltagssorgen. Nur der SG-Vorsitzende unten auf der Tartanbahn ist ob der Vorstellung seines Teams der Verzweiflung nahe, schlägt nach einem Lattenschuss seiner SG-Kicker wütend auf die Trainerkabine ein. Immerhin schaffen die Mühlheim-Renfrizhausener noch ein 2:2. Was aber auch nicht so dolle ist; denn für den ehemaligen Landesligisten aus Horb war’s der erste Punkt in der B-Liga-Saison.

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14.09.2010, 12:00 Uhr

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