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Ein Quartier für alle

Modernes Wohnen in Konstanz: 2018 rollen im "Döbele" die Bagger an

Die Stadt Konstanz ist eine von sieben Kommunen im Südwesten, die der Bund im Wettbewerb "Zukunftsstadt" fördert. 2018 sollen Bagger anrollen, um die Vision der Badener im "Döbele" zu verwirklichen.

14.11.2015
  • ANDREAS CLASEN

Konstanz Grau und laut ist das "Döbele" der Gegenwart: ein großer Parkplatz, Straßen, nur ein paar Bäume als grüne Tupfer. In Zukunft soll es das Konstanzer Stadtquartier mit Vorbildfunktion sein. Deswegen sorgt sich Veysel Westfeld. Er betreibt am Parkplatz einen Imbiss. Studenten und Rentner, Arbeitslose und Reisende kaufen bei ihm ein. Einige sitzen an diesem Novembertag auf den weißgrauen Plastikstühlen draußen. Sie trinken Kaffee oder Bier, rauchen, reden und manche lesen beim Warten auf einen der Busse, die hier nach Warschau, Zagreb oder Split abfahren. Westfeld sorgt sich, weil er nicht weiß, ob sein Imbiss Teil der "Döbele"-Zukunft sein wird. Wenn die Stadt ohne ihn plant, wird er dagegen nicht viel tun können. Er hat das kleine Häuschen nur von der Stadt gepachtet.

Ein paar Straßen weiter sitzt Marion Klose im Technischen Rathaus. Sie leitet das Amt für Stadtplanung und Umwelt. "Das ,Döbele' ist ein sehr großes und wichtiges Projekt für Konstanz", sagt sie. "In dieser zentralen Lage ist es die letzte große Freifläche für eine Bebauung." Das sechs Hektar große Gelände grenzt direkt an Kreuzlingen in der Schweiz, zum Bahnhof und den Einkaufsstraßen der Innenstadt sind es nur ein paar Minuten zu Fuß.

Seit Jahren wird in der Bodenseestadt darüber gestritten, was mit dem Filetstück passiert. Nun soll es ein Modellquartier werden, in dem Konstanz das "Handlungsprogramm Wohnen" praktisch umsetzen will. Mit diesem Modellquartier hat sich Konstanz im Wettbewerb "Zukunftsstadt" des Bundesforschungsministeriums durchgesetzt und wird als eine von 51 Kommunen bundesweit gefördert.

Beim Planen und Realisieren der Wohnquartiere sollen "modellhaft beschlossene Ziele zu Mobilität, Klimaschutz, Energie, Smart City integriert berücksichtigt werden", sagt Klose. "Und diese Methodik will die Stadt auf alle neuen Wohnquartiere übertragen."

Davon wird es in Konstanz mehrere geben, denn die 80 000-Einwohner-Stadt wächst schnell. Bis 2030 sollen mindestens 5300 Wohnungen gebaut werden. Wegen der dramatisch gestiegenen Zahl der Flüchtlinge ist aber klar, dass diese Planungen überprüft werden müssen.

Das "Döbele" wird also bald ganz anders aussehen. Noch wird geplant, die Ideen sind aber schon sehr konkret. 2018 sollen die ersten Bagger anrollen. Die Parkplätze werden wohl in einer Tiefgarage verschwinden, Carsharing-Parkplätze und Aufladestationen für Elektrofahrzeuge sind geplant. Oberirdisch wird die Verkehrsführung neu gestaltet. Auf die Parkfläche kommen zwei Wohnblöcke mit vielen grünen Freiflächen und rund 300 Wohnungen, die hohe Energiestandards einhalten. Dabei sind vor allem bezahlbare Wohnungen für Familien, Flüchtlinge und Studierende geplant wie auch Mehrgenerationenprojekte.

"Die Hälfte der Wohnungen ist für Familien mit mittlerem Einkommen", sagt Klose. Ein Sechstel sind Sozialwohnungen für Bewohner mit wenig Geld. Teure "vier Wände" soll es auch geben, um eine soziale Mischung zu erreichen und "Sickereffekte" zu erzielen: Gutverdiener, die in die Neubauten einziehen, machen anderswo in Konstanz Altbau-Mietwohnungen für Einkommensschwächere zugänglich. Wichtig im vom Bund geförderten Konstanzer Ansatz ist das Einbinden der Bürger. Einwohner, Interessengruppen und Experten aus dem Einzelhandel, der Universität, den Stadtwerken oder der Wohnungsbaugesellschaft, hunderte Konstanzer machten mit beim mehrstufigen Beteiligungsverfahren für das Quartier.

Klose hofft, dass auf diesem Wege im "Döbele" und dann auch in anderen Konstanzer Quartieren lebendige Wohnviertel entstehen, die in puncto Lebensqualität, soziale Mischung, Mobilität, Klimaschutz und Energie hohe Standards erfüllen. "Was allerdings mit dem Imbiss passiert", sagt Klose, "kann ich heute noch nicht mitteilen." Aber weil ein gemischtes Quartier entstehen soll, das auch Geschäfte vorsieht, wäre ein Imbiss durchaus zu integrieren. Veysel Westfeld kann also hoffen, dass auch in die "Zukunftsstadt" seinem Imbiss einen Platz bieten wird.

Modernes Wohnen in Konstanz: 2018 rollen im "Döbele" die Bagger an
Veysel Westfeld bangt um seinen Imbissstand: Ob der weichen muss, wenn das zentrale Quartier zur "Zukunftstadt" umgebaut wird, ist noch offen. Foto: Andreas Clasen

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14.11.2015, 12:00 Uhr

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