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Arbeit im Dezember

Mössingen: Weiter Unklarheit für die Neth-Beschäftigten

Drei Tage vor Beginn des Insolvenzverfahrens haben die Neth-Beschäftigten noch keine Klarheit über ihre Zukunft. Derzeit wird weiter gearbeitet wie zuvor.

27.11.2012

Mössingen. Voraussichtlich bis in den Dezember hinein wird es weiter keine Klarheit für den Großteil der rund 70 Beschäftigten in den Betrieben des verstorbenen Unternehmers Wilhelm Neth geben. Gerhard Walter, noch bis Ende der Woche vorläufiger Insolvenzverwalter, spricht weiter von vielfältigem Interesse – will sich aber konkreter Angaben in den kommenden zwei Wochen enthalten. „Derzeit gehe ich davon aus, dass im Dezember weitergearbeitet wird“, so der Tübinger Anwalt und Insolvenzrechts-Experte. Gemeinsam mit Nachlasspflegerin Martina Neth leitet Walter – in seiner Eigenschaft noch bis zur voraussichtlichen Eröffnung des Verfahrens im Dezember vorläufig – die Unternehmen – und führt zeitgleich Gespräche mit möglichen Investoren.

Noch drei Tage Insolvenzgeld

Nach Wilhelm Neths Tod im vergangenen Juli war über den Nachlass des mehrfachen Firmenchefs das Insolvenzeröffnungsverfahren in Gang gesetzt worden (wir berichteten). Neben etwa 50 Mitarbeitern der Mössinger Maschinenfabrik sind rund 20 Jobs in der Hausverwaltung, in einem Blumenladen, auf dem Gehöft Jungviehweide und in der Sulzer Sägenfertigung betroffen. Auf bislang zwei Betriebsversammlungen haben Neth, Walter und andere die Belegschaft über den Stand des Verfahrens informiert. „Es ging um die Gesamtsituation der Betriebe und die arbeitsrechtliche Situation“, so Walter.

Dieser Tage bekommen die Mitarbeiter die letzte Tranche des Insolvenzgelds, das 69 Beschäftigte der Neth-Betriebe in Anspruch genommen haben. Danach, so Robert Günzel von der Reutlinger Arbeitsagentur, wird das anfallende Arbeitsentgelt aus der Insolvenzmasse bestritten: „Ab dem Tag der Insolvenzeröffnung sind diese Masseschulden vor allen anderen zu bezahlen“, so Günzel. Für den Fachmann ist vor allem die spezielle Form der Nachlass-Insolvenz in dieser Größenordnung ungewöhnlich.

Eine Bewertung der Firmenpolitik Wilhelm Neths seitens der Arbeitsagentur gebe es allerdings nicht. Der im Alter von 70 Jahren verstorbene Firmenpatriarch hatte alle Betriebe bis zuletzt als Personengesellschaften geführt. Erst nach seinem plötzlichen Tod, versichern Angehörige, waren die Probleme offenbar geworden: etwa die hohe Schuldenlast auf der Immobilie des Neth-eigenen Delicasa-Zentrums. Im Nachlass-Topf sind damit Maschinenfabrik, Blumengeschäft und vieles weitere: Für die Investorensuche bedeutetet dieses heterogene Gemisch eine ganz eigene Herausforderung.

Keine unlösbare, wie Insolvenzverwalter Walter weiter Zuversicht verbreitet. Insolvenzgeld-Fachmann Robert Günzel nennt als positives regionales Beispiel des aktuellen Rechts die jüngste Insolvenz der Pfullinger Leiterplatten GmbH (LPP), die im Spätsommer in die Krise geriet: Von 110 Arbeitsplätzen, so Günzel, können voraussichtlich über 90 erhalten werden. „Wichtig ist aber: Insolvenzen sind immer Einzelfälle“, schränkt Günzel ein. „Wenn in einem Betrieb keine Perspektive da sein sollte, hilft auch das schönste Insolvenzrecht und die beste Konjunktur nicht.“eik

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27.11.2012, 12:00 Uhr

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