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Wir sind Fairtrade-Stadt! Die 128. bundesweit

Mössingen bekam das begehrte Siegel

An ungewöhnlichem Ort, in der Peter- und Paulskirche, bekam es Mössingens OB am Samstag mit Urkunde und Siegel: „Wir sind Fairtrade-Stadt!“, jubelten nach schwungvollem Festakt alle im Chor.

10.12.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. Sie hatten einen eloquenten Vertreter aus der Fairtrade-Zentrale in Köln geschickt: Manfred Holz, 65, „Ehrenbotschafter“ des Vereins Transfair e.V., auch als „Mr. Fairtrade des Rheinlands“ bekannt; ein ehemaliger Immobilienverwalter, jetzt Rentner, in kirchlichen Kreisen seit Jahren für fairen Handel und weltwirtschaftlichen Wandel aktiv.

„My fair Ladys and Gentlemen!“, begrüßte er das Publikum in der fast voll besetzten Kirche. Hinten war ein kleiner Eine-Welt-Laden aufgebaut. Das Steuerungsteam schenkte fairen Kaffee aus. Lena Till, städtische Koordinatorin für bürgerschaftliches Engagement, dankte zunächst diesen vielen ehrenamtlich Aktiven aus allen möglichen Bereichen, die den Weg dafür geebnet hatten, dass sich die Blumenstadt nun auch noch Fairtrade-Stadt nennen kann.

Ein kommunaler Festakt in der Kirche? Für Pfarrer Uwe Braun-Dietz, einer der treibenden Kräfte in der Gruppe, ein „logischer und naheliegender Ort“: Der Gedanke des gerechten Handels sei ein „zutiefst kirchlicher Gedanke“. Man habe hier auch schon seit vielen Jahren einen Weltladen. Und, so nahm OB Michael Bulander den Faden dann gleich auf: „Wir alle sind die Stadt.“ Mössingen wolle fairen Handel unterstützen. „Es ist ein wichtiger Schritt, wenn wir mit gutem Beispiel vorangehen.“

Diese Fairtrade-Bewegung werde ja von mehreren Schultern getragen: 13 Geschäfte, fünf Cafés und Gastronomen, sechs Vereine, sechs Schulen, fünf Kirchengemeinden engagierten sich bis jetzt, auch Stadtbücherei und Volkshochschule setzten sich für eine faire Welt ein – zwei Vereine, „Hilfe für Westafrika“ und „Strom für Subukia“, sogar direkt vor Ort. Und bei einer örtlichen Bank gebe es bereits Fairtrade-Fonds. In einer Präsentation, die Lisa Patzelt zusammengestellt hatte, stellten sich alle Beteiligten vor. Gemeinsame Frage am Schluss: „Wie fair bist du?“

Bulander erinnerte an den schrecklichen Brand einer Textilfabrik in Bangladesh, bei dem mehr als 100 Menschen ums Leben kamen. Durch den Kauf fairer Produkte könne man dazu beitragen, dass Leute gerechter entlohnt werden, bessere Arbeitsbedingungen bekommen, fand er. Allerdings werde auch hierzulande oft nicht gerade fair produziert und zu niedrig entlohnt.

„Als Kommune stehen wir deshalb in großer Verantwortung“, resümierte der OB und verwies auf das Logo, mit dem sich die Blumenstadt jetzt zusätzlich schmücken darf. Für die ganze Stadt setze man damit ein Zeichen: „Wir machen mit – nur gemeinsam können wir Wirkung erzielen, die Welt ein wenig gerechter machen.“

Mit Pauken und Trompeten – den Trommelkids der Jugendmusikschule und dem Schulorchester der Friedrich-List-Realschule – wurde der Festakt in der Kirche begleitet. Bevor dann der Oberbürgermeister die Ernennungsurkunde überreicht bekam, schilderte „Fairtrade-Botschafter“ Manfred Holz in einem launigen Vortrag die Anfänge und Erfolge der weltweiten Bewegung. Hier seine wichtigsten Stichworte und Bonmots:

Die „Top-Nachricht des Tages“ verkündete Holz im Sportreporter-Jargon: Ab heute spiele Mössingen in der Champion‘s League – zusammen mit London, Manchester, Paris, Es sei die 128. Fairtrade-Stadt in Deutschland. Letztes Jahr sei Herne die 1000. weltweitgeworden.

Das Fairtrade-Siegel sei nicht das Ziel, sondern „Auftakt für weitere Aktivitäten“. Fünf Kriterien waren dafür zu erfüllen. „So einen Titel bekommt man nicht geschenkt.“

Längst hätten sich die Produkte auch verbessert (siehe Extra-Zitat) und gehe es nicht bloß um den Kaffee. Zirka zwei Prozent Marktanteil haben fair gehandelte Kaffeebohnen. „Viele haben teure Kaffeemaschinen, trinken aber nach wie vor billigen Kaffee.“

Fairer Handel allein könne den Welthandel nicht verändern, „aber er kann Maßstab sein“, so Manfred Holz. Hungerlöhne und Armut seien leider immer noch an der Tagesordnung.

Jeder Bürger habe letztes Jahr für „fünf faire Euro“ konsumiert – da gebe es noch viel Steigerung nach oben, „und da zähle ich auf Mössingen!“ Spitzenreiter ist die Schweiz mit bisher 40 Euro Fairtrade-Umsatz pro Nase.

Mössingen bekam das begehrte Siegel
Historischer Augenblick: Mössingen wird Fairtrade-Stadt. Manfred Holz (links) übergibt die Ernennungsurkunde an OB Michael Bulander, der sich in den letzten Tagen schon den schmucken Bart eines Eine-Welt-Aktiven wachsen ließ.Bild: Metz

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10.12.2012, 12:00 Uhr

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