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Stuttgarter Haus der Geschichte

Mössingen mit mehreren Ausstellungsstücken vertreten

Mehr als in Mössingen selber ist momentan in Stuttgart über das Thema „Generalstreik“ zu erfahren – in einer Schau im Haus der Geschichte.

25.09.2012
  • Ernst Bauer

Stuttgart. Keine Spur bisher dort vom „Roten Mössingen“ in der landeshistorischen Dauerausstellung. Und dies, obwohl doch „nirgends nichts gewesen“ war außer hier; nur in Mössingen hatte es 1933 eine Demonstration gegen die Machtübergabe an Hitler gegeben.

Nun ist, in der Sonderausstellung „Anständig gehandelt. Widerstand und Volksgemeinschaft 1933 – 1945“, das frühere Steinlachdorf, einst größte Landgemeinde in Württemberg, gleich prominent an erster Stelle dieser lehr- und bilderreichen Schau im Untergeschoss des Hauses an der Konrad-Adenauer-Straße vertreten (gegenüber vom Staatstheater gelegen, mit eigener Tiefgarage; mehr Platz ist allerdings in der benachbarten Staatsgalerie-Garage).

Seltsam: Da springt einem gleich dieses Generalstreik-Trommelchen ins Auge, das die braune Zeit, im Heu gut versteckt, heil überstanden hat; und direkt daneben: die Querflöte von Paul Ayen. „Das Flötenspiel war ein typisches Demonstrationsmittel in der Zeit der Weimarer Republik“, heißt es dazu im Vitrinen-Text.

Nicht ganz korrekt ist allerdings – wie gestern Mössingens Museumsleiter Hermann Berner bestätigte –, dass diese Instrumente am 31. Januar zum Einsatz kamen. Das antifaschistische Trommler- und Pfeiferkorps marschierte Berner zufolge nur bei der kleineren Demonstration am Vorabend, am 30. Januar 1933. Beim Generalstreik marschierten Fahnenträger vorweg.

Ein drittes Exponat befindet sich in der „Mössinger Vitrine“ der Ausstellung, ein Papier mit krakeliger Sütterlinschrift, beklemmenden Inhalts: ein anonymes Denunziationsschreiben, das einige „Rädelsführer“ des Generalstreiks namentlich aufführt und anschwärzt.

Die chronologisch aufgebaute Schau im Haus der Geschichte – zu der es zahlreiche Veranstaltungen gibt (siehe auch Kästle unten), Führungen, Vorträge, Exkursionen – überrascht mit noch weiteren Mössingen-Dokumenten, zum Beispiel der Klageschrift eines Generalstreikers (im Ausstellungs-Zweig auf Ebene 6). Der hatte erst 1956, nach mehreren Anläufen, eine Entschädigung bekommen: gerade mal 900 D-Mark – für Gefängnisaufenthalt und Verdienstausfall.

Ebenso überraschend die vielen anderen Dokumente und Beispiele des Widerstands von Bürgern aus der hiesigen Region, angefangen von Theodor Roller, der Adolf Hitler 1939 öffentlich der Lüge bezichtigt hatte, bis hin zu den Geislinger Frauen, die 1942 vor dem Rathaus gegen NS-Übergriffe demonstrierten. Aber auch die Steine, die 1938 gegen „Bekennerbischof“ Sproll flogen, werden gezeigt.

Info „Anständig gehandelt“: Haus der Geschichte Baden-Württemberg, täglich außer montags 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr; bis 31. März.

Mössingen mit mehreren Ausstellungsstücken vertreten
Neben der Trommel ist auch noch ein anderes Mössinger „Generalstreik-Instrument“ im Haus der Geschichte zu sehen: Paul Ayens Flöte (links).Bild: Bauer

Mit „außergewöhnlichen Objekten“ werden in der Sonderschau im Stuttgarter Haus der Geschichte (Untergeschoss) einzelne Widerstandsgeschichten erzählt; darunter etwa auch die Schreibmaschine, auf der die Ulmer Geschwister Sophie und Hans Scholl ihre Flugblätter der „Weißen Rose“ getippt hatten. „Einfache Leute stehen auf“, lautet der Begleittext zum Mössinger Beitrag im Ausstellungsprospekt. „Am 31. Januar 1933 demonstrieren Hunderte Mössinger trommelnd gegen die braune Revolution.“
Neben einem reich bebilderten Katalog gibt es auch Programme für Schulklassen und Gruppen sowie eine Erzählwerkstatt.
Infos: www.widerstandsausstellung.de

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25.09.2012, 12:00 Uhr

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