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Eine Bestandsaufnahme

Mössingens denkmalgeschützte Immobilien

Vor rund einem Jahrzehnt entwickelte die Mössinger Verwaltung die Idee, alle denkmalgeschützten Gebäude im Ortskern in einem dezentralen Museumskonzept zu verbinden. Fertig wurden bis heute die historische Messerschmiede und die Kulturscheune.

04.05.2011
  • Susanne Mutschler

Mössingen. Das dezentrale Museum, für das der Creglinger Hausforscher Gerd Schäfer im Jahr 2000 eine Konzeption entwarf, sollte das Alte Rathaus, den Gebäudekomplex in der Brunnenstraße, die Messerschmiede in der Hirschgasse 13, das alte E-Werk in der Sulzgasse, die Rechenmacherwerkstatt in der Waibachstraße 15 und die beiden ältesten Häuser der Stadt in der Mittelgasse und der Langgasse umfassen. Auf diese Standorte verteilt sollte die Mössinger Geschichte in Puzzle-Stücken präsentiert werden. Vorbild war das Rechenmachermuseum, das der Restaurator Karl Schmid damals privat schon fertig eingerichtet hatte. Seine Nachkommen haben die Sammlung inzwischen der Stadt übertragen.

Öschinger „Tempel“ und Textilfirma Pausa

Zum denkmalgeschützten Kommunalbesitz gehören außerdem das erste Mössinger „Kaufmanns-Haus“ auf der Lehr 5, das Haus in Brunnenstraße 5, das „Streibhaus“ in der Waibachstraße 26 und der so genannte „Tempel“, ein Fachwerkhaus in der Öschinger Bolbergstraße 18, außerdem als Großprojekt die ehemalige Textilfirma Pausa, die mit ihrer gewaltigen Sammlung von Stoffdrucken prädestiniert ist für ein überregionales Textilmuseum.

Von Anfang an war die Machbarkeit eines auf mehrere Orte verteilten Museums umstritten. Längst ausgeschieden aus der Reihe möglicher Museumshäuser ist das 1567 gebaute alte Rathaus in der Falltorstraße. Seit es 2010 einen Außenaufzug und zudem ein neues Nutzerkonzept bekommen hat, ist es als Begegnungsstätte für Senioren noch beliebter geworden und scheint fast zu lebendig für museale Zwecke.

Das um 1600 gebaute Wohnhaus mit Scheuer in der Brunnenstraße kennt inzwischen jede/r als schön sanierte „Kulturscheune“. Seit 2002 hat das Gebäude im Erdgeschoss Platz für Wechselausstellungen und unter dem Dach einen viel genutzten Vortrags- und Versammlungsraum. Zu den attraktiven Ausstellungen von Museumsleiter Hermann Berner kamen schätzungsweise schon jetzt mehr Menschen in die frühere Scheune als in den gesamten 400 Jahren davor.

Berners Wunschtraum wäre, zusätzlichen Raum zu gewinnen für eine Dauerausstellung über den „Generalstreik“. An diesem Thema lasse sich Mössingens ganz besondere Geschichte zeigen, sagt er. Die Realteilung und der Kinderreichtum habe die Leute zwar arm gemacht, gleichzeitig seien sie durch die auswärtigen Arbeitsverhältnisse und die Auswanderungen aber „weltläufig“ und offen für sozialkritisches Gedankengut geworden.

Generalstreikmuseum im Gebäude nebenan

Das Nachbarhaus in der Brunnenstraße mit der Nummer 5 böte sich als erweiterte Ausstellungsfläche und Magazin geradezu an, findet der Museumsfachmann. Außerdem weiß er, dass sich dort hinter dem unscheinbarem Verputz schöne Fachwerkbalken verstecken, die einst von Flößern aus dem Schwarzwald über den Neckar gebracht wurden.

Die „historische Messerschmiede“ in der Hirschgasse 13, an deren Restaurierung Gerd Schäfer maßgeblich beteiligt war, ist seit 2004 wieder funktionsfähig. Während des Sommers hat sie jeweils an einem Sonntag im Monat geöffnet. Wenn Schmiedemeister Andreas Schweikert und Werkzeugmachermeister Hans Streib zusammen an der alten Esse hantieren und aus rotglühendem Eisen echte Messer hämmern und schmieden, strömen Besucher aus der ganzen Umgebung heran. Jedes Jahr wurde das Ausstellungskonzept innerhalb des kleinen Hauses um einen Raum erweitert.

Außer der Schmiedewerkstatt kann man inzwischen den ehemaligen Verkaufsraum besichtigen, es gibt einen Medienraum für Filmvorführungen und eine Kammer, die den Lebensgeschichten von Johannes Nill, dem „Lustig“, und seiner Tochter Anna gewidmet ist. In diesem Jahr werden die Besucher dort zum ersten Mal auch etwas über Robert Nill erfahren. Er war der letzte Bewohner des Hauses.

Rechenmacher-Haus als Prototyp

Das Rechenmacher-Haus in der Waibachstraße 15 galt als Prototyp für ein dezentrales Museum. Es enthält die komplette Werkstatt und Wohnung von Wilhelm Wagner, dem letzten Mössinger Rechenmacher. Allerdings gehört das alte Handwerkerhaus mittlerweile gar nicht mehr zum Eigentum der Stadt. Seit 2009 ist Jill Signer, die an der Reutlinger European School of Business unterrichtet, begeisterte Besitzerin. Die Stadt habe die Ausstellungsräume von ihr nur angemietet, zunächst für fünf Jahre. Danach könne sie theoretisch auch eine „Fish & Chips-Bude“ daraus machen, scherzt sie. Das hat sie aber nicht vor. Im Gegenteil, es störe sie nicht im geringsten, dass sie jedes Mal durch die Museumsküche des alten Rechenmachers gehen muss, wenn sie ihre eigene Wohnung betreten wolle, sagt Jill Signer.

Manchmal führt sie auswärtige Stadtspaziergänger, die neugierig vor dem Haus stehen bleiben, sogar in die alte Werkstatt hinein. Sobald man den Holzwurm, der sich in den kalten Balken des unbenutzten Hauses eingenistet hat, durch kräftiges Einheizen vernichtet habe, werde auch das kleine Handwerker-Museum regelmäßig an einem Sonntag im Monat geöffnet sein, plant Hermann Berner.

Info

Über viele alte Häuser und ihre Bewohner – etwa den „lustigen Messerschmied“ Johannes Nill – ist auch einiges in den beiden Bänden „Mössinger Geschichte(n)“ zu erfahren, die im TAGBLATT-Verlag erschienen und bei uns in der Mössinger Geschäftsstelle, Falltorstraße 52, zu haben sind.

Mössingens denkmalgeschützte Immobilien
Neben Kulturscheune und Rechenmacherhaus der dritte Baustein des dezentralen Mössinger Museumskonzepts, der realisiert wurde: die historische Messerschmiede in der Hirschgasse.Archivbild: Franke

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04.05.2011, 12:00 Uhr

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