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Rot im Gespräch

Mössinger Bürger drängten in die neue Pausa

Für den Sonntagsspaziergang gab es in Mössingen nur ein einziges Ziel: Ströme von Besuchern wogten am Tag der offenen Tür durch die renovierte Tonnenhalle der ehemaligen Textilfabrik Pausa.

21.02.2011
  • Susanne Mutschler

Mössingen. „Die Leute wollen sehen, wo die elf Millionen stecken“, so kommentierte Werner Rieker aus Bodelshausen den Andrang trocken. Die meisten Leute versuchten sich im Gewimmel auf eigene Faust ein Bild vom Umbau zu machen, wenige Glückliche erwischten eine der Führungen, bei denen Architekt Michael B. Frank die Ideen erläuterte, die ihn beim Umbau bewegt hatten.

„Gigantisch“ und „ein phänomenales Platzangebot“ – so hörte sich die spontane Begeisterung unter den Besuchern an: Man bewunderte die Sensibilität des Architekten für die historischen Überbleibsel aus der alten Pausa. Viele dieser Kleinigkeiten werde man erst nach und nach entdecken, sagte Gabriele Braun, die mit der Katalogisierung und Restaurierung der Pausa-Stoffe beschäftigt ist. Vereinzelt gab es auch praktische Bedenken: „Das muss man alles heizen“, sagte Ofterdingens Bürgermeister Joseph Reichert. Auch die noch leer stehende südliche Hallenhälfte im Obergeschoss gegenüber der Bücherei machte einigen Leuten Sorge. „Wer will den so einen großen Raum haben?“ fragte sich Wilhelm Link aus Nehren.

Die Tonnenhalle der Pausa wurde eröffnet

Die Tonnenhalle der Pausa wurde eröffnet --

02:18 min

Manfred Wick war einer der vielen ehemaligen Pausaner, die sich unbedingt anschauen wollten, wie sich ihre früheren Arbeitsplätze in der Farbküche oder an den 65 Meter langen Drucktischen in eine städtische Bibliothek und Unterkünfte für den Regionalverband und die Diakonie-Sozialstation verwandelt hatten. Dass die alte Tonnenhalle zukünftig so genutzt wird, dass die Allgemeinheit etwas davon hat, freut ihn, und dass nicht alle Spuren der alten Pausa getilgt wurden, fast noch mehr. Die Uhr im Obergeschoss, die ihm 47 Jahre lang die Vesperpause angekündigt hatte, erkannte er sofort wieder. An das Rot der Rampe werde er sich gewöhnen, sagte er. „Je länger ich es betrachte, desto besser gefällt’s mir“. Für Margarete Mende aus Bodelshausen hätte es sogar noch einen Ton kräftiger ausfallen dürfen.

Mössinger Bürger drängten in die neue Pausa
Wie ein rotes Stoffband aus der alten Pausa scheint sich die Rampe vom Parterre ins erste Geschoss zu ziehen.Bild: Franke

Der Betonstein mit der Hausanschrift Löwensteinplatz 1 wäre genau nach dem Geschmack von Wilhelm Häussler gewesen, fiel Manfred Binder auf. Der Ofterdinger Textildrucker war 47 Jahre lang in der Pausa aus- und eingegangen. „Das Haus ist toll geworden“, sagte er, aber noch fehle ihm eine Würdigung für die Ära Häussler. Antje Schwarz war die letzte Betriebsratsvorsitzende in der Pausa. Es ist das erste Mal, dass sie seit der Stilllegung 2004 die Tonnenhalle betrete. Der Niedergang des Mössinger Traditionsbetriebes sei ihr so nahe gegangen, dass sie die Gebäude anschließend gemieden habe. Auch gestern fiel es ihr schwer, sich den architektonischen Erinnerungsstücken aus der alten Pausa zu nähern.

Otto Fauser dagegen, der 43 Jahre in den giftigen Dämpfen der Farbküche zugebracht hat, fand: „Das juckt mich heute nicht mehr.“ In dem Gebäude sei so viel Platz, da sei es nur gut, wenn auf diese Weise auch ein Stück Industriegeschichte erhalten bleibe.

Die 13-jährige Katharina Geißler stand mit einem Stapel von Büchern am gerade neu eröffneten Tresen der Bücherei, als Helge Rosenbaum mit seiner Schlägerei loslegte. Erst wenn die Leute weg seien, werde das eine richtige Bücherei, stöhnte die zwölfjährige Lili Heimburger über die vielstimmige Geräuschkulisse. Dessen ungeachtet saßen eine Menge Kinder in Lektüre versunken auf den Lesekissen.

Wer auf seinem Rundgang die rote Rampe aus allen Perspektiven betrachtet, sich zwischen den Besuchertrupps durch die Büros des Regionalverbandes gewunden und die Foto-Ausstellung vor den Räumen der Diakonie-Sozialstation betrachtet hatte, wurde im Erdgeschoss mit Kaffee und Kuchen belohnt.


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