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Hickhack ums Holz

„Mössinger Modell“ missfällt manchen Gütlesbesitzern

Zehn Meter lang und 1,50 Meter hoch. Maximal. Mehr darf ein Holzstapel in freier Landschaft um Mössingen herum nicht mehr messen. Mit Erstaunen erfuhren manche im Gemeinderat, dass man eigentlich gar kein Holz im „Außenbereich“ lagern darf.

04.07.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. „Den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, den siehst du; aber den Balken, der in deinem Auge ist, den siehst du nicht.“ Der berühmte Satz aus dem Thomas-Evangelium hätte leitmotivisch die neuerliche Holz-Debatte am Montag im Mössinger Gemeinderat begleiten können.

Es war diesmal keiner auf dem Holzweg, aber der freundliche Postbote im Gremium, Wilfried Kuppler (FWG), wagte es am Ende der Sitzung doch noch einmal, wegen dieser Vorschrift für die privaten Holzlager in der freien Landschaft nachzufragen. Darüber hätten sich viele Gütlesbesitzer und Bürger gewundert, die ja immer mehr selber Brennholz machten: Maximal zehn Meter lang, 1,50 Meter hoch und einen Meter tief dürfe das Holz künftig nur noch auf einem Wiesengrundstück aufgeschichtet werden, so hatte die Bauverwaltung jüngst verkündet. „Man müsste doch über manche Punkte nochmal reden“, fand Kuppler.

Nur geduldet, aber mit höherem Segen

Stadtbaudirektor Gebhard Koll fand das nicht: Alles sei, so ließ er wissen, mit Landratsamt und Regierungspräsidium abgestimmt – „eine Duldungsregelung mit höherem Segen“; in Hechingen habe man das bereits als Mössinger Modell übernommen. „Jede Holzbeige im Außenbereich ist im Grunde illegal nach Baurecht!“

Ja wie, ja was? Soll das heißen, dass hier überall auf den Gütle und Wiesen illegal Holz aufgebeigt ist und Selbiges nun schleunigst ab- oder zumindest umgebeigt werden müsste? Mit dieser Vorschrift, so erklärte Koll, habe man ja jetzt „eine Methode gefunden, das zu dulden“; eine Spielregel für alle. Man werde die, versprach er, „mit Augenmaß umsetzen“; dabei immer den Einzelfall betrachten – „wir werden jetzt nicht kategorisch einschreiten!“ Das sei schon personell gar nicht zu schaffen.

Dieses Mössinger Modell fürs Schichten von Holz in freier Landschaft, setzte OB Michael Bulander noch einen drauf, stehe auch für die „Transparenz des Verwaltungshandelns“ hier in Mössingen. Und für die Bürgerfreundlichkeit seiner Verwaltung: „Normalerweise ist gar nichts erlaubt! Wir kommen hier den Bürgern entgegen.“

Trotzdem sei das alles nicht ganz stimmig, grummelte Öschingens Ortsvorsteher Wolfgang Eißler, zugleich FWV-Stadtrat und durchaus auch ein Verwaltungsfuchs: „Wir verkaufen jedem Bürger 25 Festmeter Holz, 35 Raummeter – da brauche ich zwei Grundstücke, um das zu lagern!“ Wäre es nicht sinnvoll, so regte Eißer an, „wenn man sagt, wir lassen als Kompromiss eine Doppelbeige zu?“

Bulander blieb buchenholz-hart: „Wir können hier noch lange diskutieren.“ Aber über die festgelegte Länge, Höhe und Tiefe der Holzlager in freier Landschaft wolle die Verwaltung eigentlich nicht mehr mit sich reden lassen. Schließlich sei dies eine rein baurechtliche Frage. Und eine Lösung gefunden, die akzeptabel sei. „Es ist jetzt so!“ Nach wie vor, fügte Koll an, suche man ja auch nach einem zentralen öffentlichen Holzlagerplatz in Mössingen; bisher vergeblich. Aber auch da zeichne sich eine Lösung ab.

Für die Platzprobleme der Bürger mit zu viel Holz auf einem Haufen hatte der findige Öschinger Willi Rudolf schon jetzt eine Lösung parat: „Man braucht bloß genügend Grundstücke – und wenn man selber keine hat, die kann man billig kriegen!“

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04.07.2012, 12:00 Uhr

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