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Augenzwinkernd in die 50er-Jahre

„Moni Francis & Buddy Olly“ lieferten eine Klasse Petticoat & Pomade-Show ab

Es war zwar nicht vieles besser, damals in den inzwischen vielfach hoch verklärten 1950er- und 1960er-Jahren, aber dafür natürlich vollkommen anders als heute. Einen umwerfenden musikalisch-komödiantischen Blick auf diese Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs warfen am Samstagabend im Dettinger Adler „Moni Francis & Buddy Olly“.

02.03.2015

Von Willy Bernhardt

Dettingen. Ein Schelm, wer dabei an die Kult-Stars jener Zeit, Conny Francis und Buddy Holly denkt. Doch das Duo, das auch privat ein Paar ist, kennt sich aus in der Szene, sind beide doch schon seit vielen Jahren ? und teils hoch „dekoriert?? in diesem Genre des musikalischen Unterhaltungs-Kabaretts auf den (Kleinkunst-)Bühnen dieser Republik unterwegs und durch diverse Beiträge und Rundfunk und Fernsehen gestandene Größen in dieser Szene. Auch in Dettingen erweckten „Moni & Buddy? vor vollem Adler-Saal die schönsten Schlagerperlen der 50er- und 60er-Jahre wieder zum Leben. Aber nicht nur das. Auch der ein oder andere Rock?n?Roll-Klassiker sowie wunderschöne Balladen aus diesen Zeiten des „Wirtschaftswunders? finden bei der Show den Weg zurück auf die Bühne.

Wer wird denn gleich

in die Luft gehen?

Klasse auch die amüsanten und kurzweiligen Geschichten und Anekdoten aus dieser Zeit, die jene zwei Jahrzehnte auch mit einem Augenzwinkern nochmals vor dem geistigen Augen Revue passieren lassen. Da wird die behütete Schlagerwelt der damaligen Zeit auf der Bühne ebenso gelebt wie der wilde Rock?n?Roll der 1950er- und 1960er-Jahre. Da versteht es sich fast von selbst, dass auch Original-Requisiten zum Bühnenbild gehören, ebenso wie Original-Outfits im Stil jener vor allem die damalige Jugend sehr bewegenden Jahre. Petticoats und Röhrenhosen und selbstverständlich bei „Buddy? viel Pomade im Haar.

Da wird an die Reklame dieser Zeit ebenso genüsslich erinnert („Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur...?) wie etwa an die revolutionären neuen Möglichkeiten, sich mit einem bestimmten Produkt seinen Bart zu rasieren. Klar, dass in einer solchen Nostalgie-Show natürlich auch Erinnerungen an den unvergessenen Komödianten jener Jahre, an Heinz Erhardt, wach wurden. Oder an einen gewissen Johnny Cash, der wegen einer gewissen June Carter seine Familie mit vier Kindern sitzen lässt, aber gemeinsam mit June mit seinem Song „Jackson? weltberühmt wird. Herrlich auch die Übersetzung ins Deutsche von Elvis Presleys unsterblichen „Fever?, bei der sich „Moni Francis? gleichzeitig auch in bester Michael-Jackson-Manier präsentiert. Und mit Blick auf Kontaktanzeigen in jener Zeit beklagt „Conny? die inzwischen fehlende Romantik dabei. „Das Entdecken und Erforschen ging total verloren.? Statt dessen mache inzwischen geschickt gewählte Kleidung die Erotik aus.

„Buddy Olly?, der in der Show eher die zweite „Geige? spielt, ist Ex-Polizist und erinnert sich nun aus kabarettistischer Sicht heraus an in den 1950er-Jahren gängige Rechtsprechungen, unter anderem über jene, die sich mit der Aufhebung von Eheschließungen befass(t)en. Oder an einen Beamtenwitz aus jener Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs. In einem Paragrafen über Reisekostenabrechnungen stand unter anderem dies nachzulesen: „Stirbt ein Beamter auf einer Dienstreise, dann ist diese beendet.? Und unter einem „Backfisch-Aquarium? verstand man damals ein Mädcheninternat. Ein junger Mann war in der Jugendsprache der 1950er ein „Freier? und eine ältere und allein stehende Frau wurde als „spätes Mädchen? gewürdigt. Erste Zelturlauber wurden als „Amateurnomaden? gehänselt. Darauf einen astreinen „Jump?n?Jive?. Und dazwischen immer humoristisch-komödiantische Anleihen bei Heinz Erhardt oder Peter Frankenfeld, den Super-Stars jener Zeit. Und ein aktueller Witz, der wirklich etwas hat. Frage: „Was ist die größte Katastrophe, die das deutsche Kabarett in den letzten Jahrzehnten zu verkraften hatte?? Antwort: „Den Tod von Heinz Erhard und die Geburt von Oliver Pocher.?

Aber „Conny? erinnert auch (und zurecht) daran, dass viele spätere Rock?n?Roll-Welthits von Stars mit weißer Hautfarbe von genialen schwarzen Musikern bereits in den 1940ern geschrieben, gesungen und gespielt wurden und liefert hierzu musikalisch eine ganz persönliche Antwort. Nämlich mit dem legendären „Good Golly, Miss Molly? von Little Richard. Und dass Doris Day, sofern sie im Film nicht gerade US-amerikanische Vorzeigefrau mimte, tief in sich drin eine echte Rockerbraut war, erfuhren die überaus gut unterhaltenen Gäste im Adler auch noch. Klar, dass am Ende dieser beeindruckenden Show gleich mehrere Zugaben gefordert ? und geboten ? wurden. Einzig schade war eigentlich nur, dass sich niemand zum Mittanzen animieren ließ, wenngleich einige Besucher und vor allem Besucherinnen stilecht im Look der 1950er- und 1960er-Jahre aufgekreuzt waren. Aber dies lässt sich sicherlich bei der nächsten „Petticoat und Pomade-Show? nachholen.

Bei „Moni Francis & Buddy Olly“ wirbelten die Petticoats und die Frisuren und die Schlager kamen genauso zu Ehren wie der Rock’n’Roll. Bilder: Kuball

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Erstellt:
2. März 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
2. März 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. März 2015, 12:00 Uhr

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