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Mord an 18-Jährigem aus Marbach nach 17 Jahren aufgeklärt
Pfullinger Leichenfund: Mutmaßliche Täter seit Jahren tot

Mord an 18-Jährigem aus Marbach nach 17 Jahren aufgeklärt

Mehr als 17 Jahre nach dem Mord an dem 18-jährigen Patrick Petrovic aus Marbach am Neckar ist der Fall weitgehend aufgeklärt. Den entscheidenden Hinweis auf drei Verdächtige erhielt die Polizei nach einer XY-Sendung im Mai 2015. Die Täter starben schon vor Jahren.

29.11.2016
  • Uschi Kurz

Reutlingen. Der Mord an dem 18-jährigen Patrick Petrovic. aus Marbach, der die Ermittler 17 Jahre lang beschäftigt hat, ist weitgehend aufgeklärt. Wie die Staatsanwaltschaft Tübingen und das Polizeipräsidium Reutlingen am Dienstag in einer gemeinsamen Presseerklärung mitteilten, waren drei Männer an der Tat beteiligt. Die Tatverdächtigen leben aber alle drei nicht mehr. Sie starben bereits vor etlichen Jahren an den Folgen ihres Drogenkonsums.

Wie mehrfach berichtet, war am 15. September 1999 im Wald südlich der B 312 zwischen Pfullingen und Unterhausen im sogenannten „Lippental“ ein menschliches Skelett gefunden worden. Die Ermittlungen ergaben, dass das Opfer erschlagen und unbekleidet verscharrt worden war. Die Sonderkommission „Schönberg“ konzentrierte sich zunächst auf die Identifizierung des Toten.

Die aufwändigen Ermittlungen und eine breite Öffentlichkeitsfahndung, bei der unter anderem auch ein mit Hilfe einer Weichteilrekonstruktion angefertigtes Bild veröffentlicht worden war, führten aber nicht zum Erfolg. Auch die Ausstrahlungen in den Fernsehsendungen „Aktenzeichen XY“ 2001 und „Ungeklärte Morde“ 2011 brachten keine Erkenntnisse.

Obwohl der junge Mann bereits 1999 verschwand, hatte seine Familie den 18-Jährigen zunächst gar nicht als vermisst gemeldet. Wohl, weil sie davon ausging, dass er freiwillig verschwunden war, eventuell sogar ausgewandert sei. Statt die Polizei einzuschalten, versuchte die Familie des Getöteten, den Verschwundenen selbst zu finden. In ihrem Bemühen wandten sich zwei seiner Schwestern im Juni 2013 über den Fernsehsender Sat-1 in der Sendung „Bitte melde Dich“ an die Öffentlichkeit. Erst auf Anregung des Senders erstatteten die Angehörigen dann die Vermisstenanzeige beim Polizeipräsidium Stuttgart.

Durch Abgleich von DNA-Proben der Familienangehörigen mit der DNA des aufgefundenen Skeletts sowie weiteren rechtsmedizinischen Begutachtungen konnte der Getötete daraufhin zweifelsfrei identifiziert werden. Der 18-Jährige aus Marbach am Neckar, hatte nach seinem Schulabschluss 1998 seinen Lebensmittelpunkt nach Stuttgart verlagert. Dort ging er verschiedenen Tätigkeiten in Modegeschäften und in der Gastronomie nach. Laut damaligem Ermittlungsstand soll er auch Kontakte ins dortige Rotlichtmilieu gehabt haben. Nachdem der junge Mann schon einmal einige Tage unauffindbar gewesen war, dann aber wieder auftauchte, war der Kontakt zu seiner Familie am 31. Juli 1999 endgültig abgebrochen. Schon kurz darauf dürfte er getötet worden sein.

Nachdem die Identität des Opfers bekannt war, konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Suche nach dem noch unbekannten Täter. Zur Klärung des Mordes wurde eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet, die sich insbesondere mit dem damaligen Umfeld und den möglichen Kontaktpersonen des Getöteten befasste. Rund 100 Personen wurden vernommen.

Nach der Presseveröffentlichung Anfang November 2014 mit einem Lichtbild des Opfers gingen weitere Hinweise ein, die aber allesamt zu keinem konkreten Tatverdacht führten. Doch einige Tage, nachdem der Fall am 20. Mai 2015 nochmals in der Sendung „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt wurde, meldete sich ein Zeuge, der konkrete Angaben zu drei Tatverdächtigen aus der Stuttgarter Drogenszene machen konnte.

Die drei aus dem Rems-Murr-Kreis stammenden Männer, die zur Tatzeit 26, 33 und 36 Jahre alt waren, hatten offenbar Ende der Neunzigerjahre zur Finanzierung ihrer Drogensucht Homosexuelle und Personen, die sich in dieser Szene aufhielten, ausgeraubt. Hier dürfte auch das Motiv für den Mord an Patrick Petrovic liegen, der 1999 ebenfalls Kontakte in die Stuttgarter Homosexuellenszene unterhalten hatte. Die beiden älteren Verdächtigen waren im September 1999 nach Spanien ausgewandert, kurz bevor das skelettierte Opfer im Pfullinger Wald aufgefunden wurde. Die Ermittler fanden nun heraus, dass mehrere am Fundort des Opfers bei Pfullingen aufgefundene Gegenstände von dem damals 26-jährigen Verdächtigen stammten.

Die drei Männer, bei denen es sich nach Angaben der Kripo um zwei deutsche und einen griechischen Staatsangehörigen handelte, waren über viele Jahre von harten Drogen abhängig. Während der zur Tatzeit 33-Jährige in Spanien blieb, kehrte der 36-Jährige im Jahr 2000 wieder nach Deutschland zurück. Alle drei Verdächtigen sind zwischenzeitlich nicht mehr am Leben. Sie starben 2001, 2002 und 2009 an den Folgen ihrer Drogensucht. Damit finden die langjährigen Ermittlungen nun ihren Abschluss. Aufgrund des Todes der Tatverdächtigen wird es kein weiteres justizielles Verfahren geben.

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29.11.2016, 08:05 Uhr | geändert: 29.11.2016, 08:01 Uhr

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