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Prozess

Mordanklage gegen Raser

In Bremen steht ein Student wegen Mordes vor Gericht. Er soll mit seinem Motorrad einen Fußgänger überfahren haben. Der Angeklagte hatte mit YouTube-Videos seiner rasanten Touren Geld verdient.

13.12.2016
  • DPA

Bremen. Der Angeklagte ist sichtlich aufgeregt. Bevor der 24-Jährige mit den schulterlangen Haaren vor dem Landgericht Bremen seine Erklärung verliest, atmet er laut aus. „Es tut mir all das, was passiert ist, leid“, sagt der junge Mann, dem früher Tausende YouTube-Fans virtuell zujubelten. Er bereue zutiefst. „Wenn ich könnte, würde ich alles tun, es rückgängig zu machen.“

Im Juni soll er mit seinem 200 PS starken Motorrad ohne erforderliche Fahrerlaubnis durch die Bremer City gerast sein, mit deutlich mehr als Tempo 100. Als dann ein 75-jähriger Fußgänger bei Rot über die Ampel geht, kann er nicht mehr bremsen. Das Opfer wird durch die Luft geschleudert und stirbt an der Unfallstelle. Wäre der 24-Jährige wie erlaubt mit Tempo 50 gefahren, hätte er den Unfall vermeiden können, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Für riskante Fahrten bekannt

Der Motorradfahrer war für seine riskanten Fahrten in Biker-Kreisen bekannt. Denn er nahm sie mit einer Helmkamera auf und stellte die Videos ins Netz. Dafür hatte er einen YouTube-Kanal, mit dem er auch Geld verdiente. Er bekam wohl mehr als 2000 Euro dafür, sagte einer seiner Verteidiger am Rande des Prozesses. Die Filme gaben für die Staatsanwaltschaft den Ausschlag, den 24-Jährigen nicht wegen fahrlässiger Tötung anzuklagen, sondern wegen Mordes. „Der Mordvorwurf ist völlig übertrieben“, sagt dagegen Verteidiger Bernhard Docke.

Im September hatte die Staatsanwaltschaft Berlin einen ähnlich gelagerten Fall um ein tödliches Autorennen ebenfalls als Mord bewertet – bis dahin ein Novum in Deutschland im Zusammenhang mit Rasern. Wie in Berlin, wo der Prozess noch läuft, geht auch die Bremer Anklage von niederen Beweggründen aus. Der Angeklagte habe sich mit seinen grob verkehrswidrigen Fahrten „einen Kick“ verschaffen wollen, sagt Staatsanwalt Björn Krebs. Den Tod anderer habe er in Kauf genommen. „Er wusste, dass er bei den Geschwindigkeiten nicht mehr in der Lage war, einen Zusammenstoß zu vermeiden.“

Laut Anklage hatte der 24-Jährige ein hohes Geltungsbedürfnis. Deshalb, und um Geld zu bekommen, habe er seine Videos ins Netz gestellt. Mehr als 80 000 YouTube-Abonnenten hatte er. In einem Video ist zu sehen, wie er fast einen Fußgänger am Straßenrand erfasst. Kurz danach ist über sein Mikro zu hören, wie er den Mann als „voll der Behinderte“ beleidigt und ihn für den Beinaheunfall verantwortlich macht.

Von der Unfallfahrt im Juni gibt es laut Verteidiger wohl keine Aufnahme – das Gericht hatte vor Prozessbeginn mitgeteilt, der Angeklagte solle auch diese Fahrt gefilmt haben.

Zu dem tödlichen Verkehrsunfall kam es laut Anklage auch deshalb, weil der Mann eine andere Straftat verdecken wollte. Denn vorher habe es auf der Fahrt im Juni zwei brenzlige Situationen gegeben: Unter anderem soll er beim Überholen ein Auto touchiert und dabei ein Blinklicht demoliert haben. Danach soll er Fahrerflucht begangen haben.

„Junge Fahrer neigen dazu, Gefahr zu unterschätzen“, sagt der Anwalt des Angeklagten, Armin von Döllen. Der Angeklagte habe seine Fähigkeiten zudem überschätzt. Die meisten seiner Videos seien „harmlos“, viele Klicks hätten vor allem die Clips bekommen, in denen er Testfahrten mache oder Motorräder empfehle.

Bei dem Zusammenstoß mit dem Fußgänger sei der 24-Jährige selbst schwer verletzt worden. Im Gerichtssaal erschien er mit einer Armschlinge. Er werde den rechten Arm wohl nie wieder richtig bewegen können, sagte von Döllen. Auch das Motorradfahren sei für ihn vorbei. Janet Binder, dpa

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13.12.2016, 06:00 Uhr

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