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Keine Helden, sondern Menschen

Morgen am Tübinger Zimmertheater: „Gift. Eine Ehegeschichte“

Es gehört zu den erfolgreichsten Stücken im zeitgenössischen Theater: „Gift. Eine Ehegeschichte“ der niederländischen Autorin Lot Vekemans. Morgen ist Premiere am Tübinger Zimmertheater.

21.04.2016

Tübingen. Weltweit wird es nachgespielt, unter anderem in Belgien, Österreich, Rumänien, Südafrika, Namibia, Mexiko, Brasilien, China und in Russland. Was macht den Reiz dieses Zwei-Personen-Stückes aus?

Darum geht es: Zehn Jahre ist es her. Da waren sie noch ein Paar, sie hatten einen Sohn und waren glücklich. Doch ihr Sohn kam bei einem Unfall ums Leben, die Beziehung ging in die Brüche. Nun sind gezwungen sich erneut zu treffen, denn der das gemeinsame Kind muss umgebettet werden.

In einer kalten Aufbahrungshalle finden sie die Möglichkeit zur lang verzögerten Aussprache. Sie ist voller Verbitterung, dass er sie nach dem Tod des Kindes verlassen hat und darüber hinaus auch noch einen Roman über die gemeinsame Erfahrung des Verlustes schreiben will. Er wiederum hält ihr vor, sie habe es sich in ihrem Leid gemütlich eingerichtet und sei nach dem Schmerz ebenso süchtig wie nach ihren Schlafmitteln. Ein gemeinsamer Weg zurück ins Leben war ihnen damals unmöglich, nun ist es an der Zeit, dass jeder für sich eine Art des Umgangs mit seiner Geschichte findet.

Die niederländische Autorin Lot Vekemans wurde für ihre Dramen vielfach ausgezeichnet. In ihren Stücken sucht sie keine Helden, sondern das Menschliche. „Im Stück geht es nicht um richtig oder falsch, sondern darum, wie man mit Dingen umgehen kann, und ich glaube, das ist das Schwerste im Leben. Wir alle müssen unser Leben täglich so nehmen, wie es kommt, und manchmal scheint alles in Ordnung, und irgendwann später fühlt es sich schrecklich an. Die Protagonisten in ‚Gift‘ tun nichts anderes: Sie meistern das tägliche Leben.“ sagt die Autorin über ihr Stück. Und wie schwierig es war über das Ungesagte, das Unaussprechbare zu schreiben, wie sehr sie sich an ihre Figuren herantasten musste.

„Gift. Eine Ehegeschichte“ ist ein intensives Zwei-Personen-Stück über ein Paar, das sich verloren hat, über den Umgang mit großen Verlusten und vielleicht auch über die Fähigkeit, einen Neuanfang zu wagen. „Mit ihrem wunderbaren Dialog über zwei Menschen, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann einander, trifft Vekemans direkt ins Herz.“, heißt es in der Jurybegründung für den Taalunie Toneelschrijfprijs, den die Autorin am 29. November 2010 für „Gift. Eine Ehegeschichte“ erhielt. Dieser Preis wird in den Niederlanden jährlich für das beste aufgeführte Stück der vorhergehenden Spielzeit vergeben.

Am Zimmertheater hat das Erfolgsstück am morgigen Freitag Premiere unter der Regie von Frank Siebenschuh, der am Zimmertheater zuletzt „Mein Kampf“ und „Reigen“ inszenierte und aktuell auch an „Edward II“ probt. Die Proben für „Gift“ fanden nicht in Tübingen statt, sondern in Berlin. Dort haben sich im letzten halben Jahr die Schauspieler Stephanie Gossger und Matthias O. Schneider immer wieder mit Siebenschuh getroffen und intensiv geprobt. Alle drei kennen sich seit langer Zeit, waren gemeinsam Kollegen am Stadttheater Augsburg, bevor sich ihre Wege getrennt haben. Doch den Kontakt haben sie gehalten. Und den Wunsch endlich mal wieder zusammen zu arbeiten auch.

Mit ihrem Anliegen traten sie an Axel Krauße vom Zimmertheater, der war von dem Vorschlag sehr angetan. Somit war der Weg für eine Premiere am Zimmertheater bereitet. Das ganze Projekt wäre aber ohne finanzielle Hilfe nicht zu stemmen gewesen. Gossger, Schneider und Siebenschuh erhielten für die Probenarbeit in Berlin, für Fahrtkosten und Kosten für das Bühnenbild großzügige Unterstützung von Traudel Bergau, die sich immer wieder tatkräftig für freie Produktionen einsetzt. „Ohne diese Unterstützung hätte es „Gift“ nicht zur Premiere geschafft“ meinen die drei.

Info: Premiere am morigen Freitag um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen am Zimmertheater am 23. April, 2. und 4. Juni jeweils um 20 Uhr.

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21.04.2016, 01:00 Uhr

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