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Syrien

Moskau ergreift den Fehdehandschuh

Nach Abbruch der Friedensgespräche zwischen den USA und Russland schiebt Moskau Washington die Schuld zu.

05.10.2016
  • STEFAN SCHOLL

Moskau. Nach Ansicht der Russen haben die Amerikaner selbst Schuld. „Die USA sind unfähig gewesen, die Vereinbarungen zur Gewährleistung der humanitären Hilfe für Aleppo zu verwirklichen. Jetzt wollen sie anderen die Verantwortung dafür aufbürden“, kommentierte Moskaus Außenamtssprecherin Marija Sacharowa den Ausstieg der USA aus den Syrien-Gesprächen mit Russland. Die Amerikaner hätten die Rebellen nicht bewegen können, die Versorgungsstraße Capello wie vereinbart zu räumen.

Aber vor allem ließen die USA seit Monaten die Terroristen des Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra ungeschoren. „Im Großen und Ganzen endet alles mit einer einfachen Frage“, erklärte Sacharawa. „Was stellt Dschebhat al Nusra dar, wer steht hinter ihm und warum kann Washington sein Versprechen nicht erfüllen, die Terroristen und die sogenannte gemäßigte Opposition zu trennen?“

Seit Monaten beschweren sich Russlands Politiker und Militärs über die Verzahnung der mit den USA verbündeten Oppositionstruppen und der Al-Nusra-Einheiten. Die Russen beklagen, dass die US-Kollegen ihnen keine Lagekarten lieferten, die die Stellungen beider auswiesen, und es der russischen Luftwaffe erlaubten, Al-Nusra gezielt zu bombardieren. Allerdings wurde seitens der Russen auch oft dargelegt, dass es in Syrien gar keine „gemäßigte Opposition“ gebe. „Die Gemäßigten unterscheidet von den Radikalen nur, dass sie nach ihrem Sieg vielleicht noch ein Referendum abhalten, bevor sie die Scharia als neues Recht ausrufen“, sagt der Moskauer Nahost-Experte Ochran Dschjemal.

Die russischen Argumente verlieren rasant an Überzeugungskraft, sobald die Rede auf Wohnviertel, Krankenhäuser und tausende Frauen und Kinder kommt, die den russisch-syrischen Luftangriffen zum Opfer gefallen sind. Außenminister Sergei Lawrow behauptet russische Unfehlbarkeit: „Wir treffen die strengsten Vorkehrungen, um sicherzustellen, dass wir die friedliche Bevölkerung selbst durch Zufall nicht treffen.“

Schutzengel des Vasallen

Es gilt als eines der Hauptziele der russischen Operation in Syrien, als Alliierter im Anti-Terrorkampf das eigene Image im Westen zu erneuern und die USA wie die EU in der Ukraine-Frage zu Zugeständnissen zu bewegen. Aber gerade die Luftangriffe auf Aleppo drohen das Gegenteil zu provozieren – neue, westliche Sanktionen. Der ursprünglich von Moskau propagierte Krieg gegen den sogenannten Islamischen Staat ist in den Hintergrund geraten.

Russlands Intervention gerät zusehends zum Selbstzweck. „Hauptaufgabe ist es, die Regierungstruppen bei ihrem Kampf um territoriale Einheit des Landes zu unterstützen“, sagt der Politologe Aschdar Kurtow. Russland läuft Gefahr, sich als Schutzengel seines Vasallen Assad instrumentalisieren zu lassen. Die Geschäftsgrundlage mit den USA ist ruiniert, bleibt die Hoffnung auf die Genugtuung, militärische Erfolge Assads gegen US-Verbündete durchzudrücken. „Der Konflikt mit den USA eskaliert wegen globaler Widersprüche“, sagt Kurtow. „Syrien ist nicht sein Grund, sondern nur ein Platz, wo er ausgetragen wird.“ Stefan Scholl

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05.10.2016, 06:00 Uhr

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