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Die Geschichte der Dußlinger Irus-Werke (1)

Mühlen für die Schwarzwaldbauern

DUSSLINGEN (slo). In wenigen Wochen verschwindet ein sichtbares Stück Dußlinger Geschichte: Das Gebäude der Irus-Werke in der Bahnhofstraße wird abgebaut. Ganze Generationen von Dußlingern haben hier ihr Geld verdient. Vor 14 Jahren mussten die Geschäftsführer Otto und Paul Rilling den Betrieb schließen.

17.08.1999

Der heute 79jährige Dr. Otto Rilling, Chef der Rilco Baumaschinenfabrik, ist der Enkel des Firmengründers Jakob Rilling. Der war, wie seine Brüder Michael und Johannes, Mühlenbauer. 1865 gründeten sie unter dem Namen „Gebrüder Rilling“ einen Handwerks-betrieb in der Dorfstraße in Dußlingen, in dem sie Wasserräder und Teile für ländliche Getreidemühlen herstellten. „Das war ein komplizierter Beruf“, sagt Otto Rilling. Denn für den Mühlenbau wurden Schreiner, Schlosser und Schmiede gebraucht. Die Brüder reisten herum, reparierten große Mühlen und bauten sie aus. Was sie dazu brauchten, stellten sie selber her.

Der Betrieb lief gut: Schon zwei Jahre nach der Gründung kauften die Rillings die Obere Mühle und produzierten dort. 1904 schieden Michael und Johannes aus, und Jakob führte den Betrieb alleine weiter. Seine Söhne Karl, Ernst (der Vater von Otto Rilling) und Paul stiegen 1904 mit ein, nachdem der Betrieb in die Bahnhofstraße verlegt worden war. Alle drei Söhne hatten sich schon darauf vorbereitet und die entsprechenden Ausbildungen gemacht. So war Karl Ingenieur, Ernst Mechaniker und Paul Maschinen-Ingenieur. Jakob Rilling starb 1904, und seine Söhne übernahmen das Geschäft.

Sieben Jahre später bekam die Firma ihren Namen: Aus „Jakob Rilling und Söhne“ wurde „Irus“. „Das J musste weg, weil die Franzosen das nicht aussprechen konnten. Da haben wir ein I genommen“, erklärt Otto Rilling. Nach dem Ersten Weltkrieg spezialisierten sich die Brüder auf landwirtschaftliche Schrotmühlen und auf Backmehlmühlen. Das waren große Holzkästen mit einem Mahlwerk. „Die haben wir oft in den Schwarzwald verkauft“, so Otto Rilling.

Für die Bauern seien die Schrotmühlen eine große Erleichterung gewesen, denn der Weg zur Mühle war oft weit. Und endlich angekommen, mussten sie mit ihren beladenen Fuhrwerken auch noch stundenlang warten. Die meisten Bauernhöfe hatten schon Strom, und so konnten sie ihre eigenen kleinen Mühlen betreiben. Auch ins Ausland in Europa hat Irus solche Holzkästen verkauft.

Gemahlen wurde das Getreide mit einem Steinmahlwerk, das Irus herstellte. Diese Mahlsteine — in kleinerer Ausfertigung — baute Irus auch in Kaffeemühlen. Und damit eröffnete sich für die Dußlinger Fabrik ein ganz neuer Markt: die arabischen Staaten. „Die wollten keine Metallmahlwerke, denn im Koran steht schon „mahle mit Stein'“, begründet Otto Rilling das rege Interesse. Doch der Koran war nicht der einzige Grund. Metall wird heiß, und das Aroma des Kaffees leidet darunter. Bei einem Steinmahlwerk bleibt der Kaffee kalt und wird zudem viel feiner. Also warb Irus mit dem folgenden Spruch: „Kaffeebohnen gross und klein mahlen Irus-Mühlen türkisch-fein“.

In den Genuss eines solch türkisch-feinen Kaffees kam Otto Rilling Ende der 70er-Jahre in Riad. Dort besuchte er einen Vertreter der Irus-Werke und bummelte mit ihm durch die Stadt. In einem Café machten die beiden eine Pause — und beim Blick durch die Tür entdeckte Rilling eine alte Irus-Kaffeemühle. Sie war fast so alt wie er selber.

Mühlen für die Schwarzwaldbauern
Die Irus-Werke in Dußlingen im Juli 1984. Neun Monate später parkten keine Autos mehr davor: Die Firma, deren Rasenmäher weltberühmt waren, wurde im Frühjahr 1985 liquidiert.

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17.08.1999, 12:00 Uhr

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