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Mit Engelszungen

Mühlengeschichten am rauschenden Bach

21 Mühlen und Mahlwerke standen einst allein in Reutlingen an der Echaz. Sie mahlten Getreide, sägten Holz oder speisten in späteren Jahren auch Wasserkraftwerke und erzeugten Strom. Schon 1090 waren zwei Mühlen bekannt, die den Achalmgrafen gehörten – lange vor der Stadtgründung. In einer kleinen Serie stellen wir nun erhaltene alte Mühlen vor – mit ihrer Historie und mit ihren Folgenutzungen.

11.08.2015

Das ist oft genug auch ein Stück Industriegeschichte. Etwa die Wernersche Mühle in Betzingen, die heute den Auftakt unserer Serie macht: Hier wurde seit 1893 Strom erzeugt – auch für die elektrische Straßenbeleuchtung, die dort damals neu in Betrieb ging. Die Fair-Energie hat das Kraftwerk für viel Geld saniert und erneuert, seit 2010 wird hier nun wieder Strom gewonnen, der für 50 Haushalte ausreicht.

Seit 1994 erinnert der Deutsche Mühlentag an Geschichte und Geschichten, die sich um die Bauwerke ranken – zuletzt an Pfingsten. Mühlen gibt es schon seit mehr als 2000 Jahren. Die deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) hat gut 160 Anwendungsbereiche gezählt. In Mühlen wurde Öl gepresst und Flachs gestampft. Sie trieben Schmiedehämmer an, schöpften Papier, pumpten Wasser.

Auch in der Literatur finden sich viele Mühlen-Spuren. Das wohl bekannteste Beispiel ist der sprichwörtlich gewordene Kampf von Don Quijote gegen die Windmühlenflügel. Das Reutlinger Tonne-Theater hat in der vorigen Spielzeit Otfried Preußlers Jugendbuch-Klassiker „Krabat“ mit Heiner Kondschak neu belebt – die Geschichte von der Mühle am Koselbruch bei Hoyerswerda, wo die Gesellen die Schwarze Magie lernen und dafür irgendwann vom Teufel geholt werden.

Im Volkslied klappert die Mühle am rauschenden Bach, daran haben wir den Serientitel angelehnt. In zwei weiteren Folgen werden wir zunächst die 1726 erbaute Wegstsche Sägemühle bei der Alten Feuerwache in Reutlingen vorstellen und Pfullinger Mühlen-Geschichten erzählen.

Alles im Fluss also? In Zeiten, in denen die „Europäische Wasserrahmenrichtlinie“ die „lineare Durchgängigkeit der Fließgewässer“ sichern will, sollen laut DGM oftmals „Querbauwerke“ in Fließgewässern plattgemacht werden – das bedrohe die jahrhundertealten Stauwehre. So werde den Wassermühlen auf gesetzlicher Grundlage das Wasser abgegraben, klagt der Mühlen-Verein.

Doch es gibt auch umgekehrte Entwicklungen. Etwa in Reutlingen, wo längere Abschnitte der Echaz zur Landesgartenschau 1984 freigelegt und renaturiert wurden. Jetzt lädt ein hübscher Uferpfad zur Entdeckungsreise ein. Und seither strömt das Flüsschen wieder am Restaurant „Alte Mühle“ übers Wehr am Frankonenweg. So klappert in Reutlingen zumindest noch das Besteck am rauschenden Bach. Matthias Reichert

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11.08.2015, 12:00 Uhr

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