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Leitartikel Guido Bohsem zum Wandel in der Politik

Mühsal statt Effekt

Wenn man so will, ist Donald Trump der modernste Politiker unserer Zeit. Kein anderer Staatschef hat sein Handeln so sehr zugeschnitten auf das nach immer neuen Erregungen suchende Publikum wie der amerikanische Präsident.

29.03.2018
  • GUIDO BOHSEM

Berlin. Trump bei der Ausübung seines Jobs zu beobachten, fesselt deshalb so viele Menschen, weil es wie das Schauen einer irren TV-Serie ist – jeden Tag ein neuer Cliffhanger, jeden Tag das gruselige Prickeln, weil es noch unglaublicher, verrückter und furchterregender wird. Trump bedient damit geradezu paradetypisch die Anforderungen der neuen Medienwelt, also der, die im Internet haust und nach neuen Klick-fähigen Nachrichten giert.

Das Problem daran ist, dass Trump diese reale Achterbahnfahrt nur deshalb hinlegen kann, weil er eben kein Politiker, sondern ein Anti-Politiker ist. In der Politik reiht sich nun einmal kein Höhepunkt an den nächsten. In der Regel folgt mühsame Ebene auf noch mühsamere Ebene. Es handelt sich um eine kontinuierliche Beschäftigung mit den immer gleichen Fragen.

Bevor eine Idee tatsächlich in ein Gesetz verwandelt wird, können Jahre vergehen. Wenn es dann so weit ist, erkennt der Urheber die Idee mitunter nicht wieder. Denn auf dem Weg der Realisierung mussten unendlich viele Zugeständnisse gemacht und Kompromisse ausgehandelt werden.

So weit, so langweilig, und die USA sind ja nicht die Bundesrepublik. Noch nicht. Denn wie schon in der Vergangenheit werden sich die Verhältnisse angleichen. Schon jetzt beziehen viele und insbesondere jüngere Deutsche ihre Informationen nicht mehr aus der Regionalzeitung, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Magazinen oder sogar Fachbeiträgen. Das Internet lenkt ihr Konsumverhalten, und das ist ausgerichtet auf den nächsten Nervenkitzel.

Wer sich als deutscher Politiker diesen Mechanismen entzieht, gilt als alt und unmodern wie Thomas de Maizière und ist bis auf wenige Ausnahmen weg vom Fenster. Auch Martin Schulz war der erbarmungslosen Härte des rasant-schnellen und digital getriebenen Berliner Politik-Betriebs nicht gewachsen. Es sind vermehrt die digitalaffinen Politiker wie Jens Spahn, Julia Klöckner, Lars Klingbeil und Dorothee Bär, die an den knorrigen Analog-Typen vorbeiziehen, auch, weil sie sich den neuen Mediengesetzen stärker beugen. Ganz zu schweigen von der AfD, die sich – ganz Internet-Partei – der modernen Kommunikationsform von Anfang an bedient hat.

Nun ist das Internet per se nicht gut oder schlecht. Es ist einfach ein Kanal, den wir erst noch meistern müssen. Das beginnt zunächst einmal bei den Medien (den klassischen und auch den Netzmedien), die Übertreibung meiden und Ernsthaftigkeit suchen sollen. Letztlich aber sind es die Benutzer, die den Ausschlag geben und sich die Frage stellen sollten, ob Politik vielleicht das richtige Feld für Nervenkitzel und Unterhaltung ist. Kommt diese Einsicht nicht, ist Donald Trump auch hierzulande möglich.

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29.03.2018, 06:00 Uhr

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