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Müller, Ribéry und zu wenig Pep
Weltmeister Thomas Müller wurde bei dem Champions-League-Halbfinale in Madrid erst in der 70. Minute für Thiago eingewechselt. Foto: Getty
Aus der Zauber: Guardiolas fehlgeschlagene Taktik in Madrid sorgt für heftige Debatten

Müller, Ribéry und zu wenig Pep

Nach dem 0:1 bei Atletico stehen die Bayern mit dem Rücken zur Wand. Es bleibt das Geheimnis des Trainers, warum er auf zwei seiner Besten verzichtete.

29.04.2016
  • ARMIN GRASMUCK

Madrid. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus, der ungewöhnlicherweise mitten auf dem Gehsteig stand, an einer Ecke des Stadions Vicente Calderon und gleich neben der Stadtautobahn, hielt Manuel Neuer kurz an. Sein Pulli mit dem Klublogo leuchtete in einer Farbe, die der Ausrüster als "Neonpink" beschreibt. Im Gegensatz dazu verrieten die Augen des Torhüter, was er fühlte: Ärger, Wut, Enttäuschung. Es war selbst für ihn, den Weltmeister, keine leichte Aufgabe, das Hinspiel des Halbfinales in der Champions League zu analysieren. "Wir sind noch im Geschäft", sagte Neuer. "Wir werden uns in München noch mehr Torchancen herausspielen als heute schon." Er sparte sich den Zusatz, dass die Bayern in dem Rückspiel am kommenden Dienstag keinen Blumentopf gewinnen werden, wenn sie noch einmal so auftreten wie bei dem 0:1 in der Arena von Atletico Madrid.

Die Münchner haben es sich in höchstem Maße selbst zuzuschreiben, dass sie zum dritten Mal nacheinander den Einzug in das Endspiel der Königsklasse zu verpassen drohen. Zwar spielten sie im ersten Duell mit den kampfstarken Madrilenen über weite Phasen überlegen. Doch die entscheidenden Zweikämpfe gingen verloren. Es fehlte am letzten Biss, an Willenstärke und an dem Zusammenhalt, sonst eigentlich eine der Stärken der Bayern. Der hinlänglich bekannten Leidenschaft und Kampfeslust Atleticos versuchten sie mit kompaktem, klarem und präzisem Spiel zu begegnen. Das Auswärtstor, das sie zu ihrem Leitmotiv auserkoren hatten, blieb ihnen allerdings verwehrt. "Wir haben jetzt eine Situation, die wir uns sicher nicht gewünscht haben", sagte Thomas Müller. "Zuversicht gibt mir, dass wir immer in der Lage sind zu gewinnen - auch mit mehr als einem Tor Unterschied. Wir sollten aber kein Tor bekommen, sonst wird es schwierig."

Müller war das Gesicht der Münchner Pleite in Madrid - obwohl er nur die letzten 20 Minuten auf dem Platz gestanden hatte. Die Variante, ihn und auch den Virtuosen Franck Ribéry zu Beginn auf der Ersatzbank schmoren zu lassen, war eine Idee des Trainers, die bereits vor Spielbeginn kontrovers diskutiert wurde. Pep Guardiola, der stets von der Suche nach taktischen Finessen geplagt scheint, vergaß offenbar den psychologischen Aspekt, der den großen Partien oft die entscheidende Note gibt.

Müller rechts, wie in der deutschen Nationalelf, Ribéry links und Robert Lewandowski in der Mitte - dies ist anerkanntermaßen eine der besten Angriffslinien, die der Klubfußball weltweit zu bieten hat. Allein die Namen dieser renommierten Torjäger und Dribbelkünstler sorgen bei den gegnerischen Abwehrspielern für Schweißausbrüche. Doch Guardiola setzte auf die jüngeren, relativ unerfahrenen Flügelstürmer Kingsley Coman und Douglas Costa sowie Lewandowski. Er verzichtete auf Müller und Ribéry, zwei Spieler, die emotional über Jahre eng mit dem FC Bayern verbunden sind. Müller gilt zudem als nimmermüder Antreiber auf dem Platz und Garant für Tore.

"Ich wollte einen Linksfuß auf links und einen Rechtsfuß auf rechts haben", so versuchte sich Guardiola nach dem Spiel zu erklären. "Und ich wollte einen Mittelfeldspieler mehr haben." Der Plan scheiterte in der Praxis. Coman und Costa konnten sich gegen die harten Außenverteidiger Atleticos nur selten in Szene setzen. Lewandowski kämpfte in der Spitze zumeist allein auf weiter Flur.

Im Mittelfeld, das der Trainer kompakter gestalten wollte, fehlte es mitunter an Härte und Geschwindigkeit. Thiago, der hoch veranlagte Techniker, bekam gegen die Beißer der Madrilenen keinen Stich und Xabi Alonso sah die pfeilschnellen Gegenspieler oft nur von hinten.

Zwar gelang es den Bayern in der zweiten Hälfte, Atletico mit dem gewohnt dominanten Passspiel einzuschnüren. Die Chancen, die daraus entsprangen, ließen sie jedoch ungenutzt. "Es war der Wahnsinn, wie wir gespielt haben", sagte Guardiola. "Leider haben wir das Tor, das wir haben wollten, nicht geschafft." Das Rückspiel wird für die Münchner damit doppelt schwer. Der akribisch analysierende Trainer muss die Balance aus dem effizienten Offensivspiel und einer stabilen Abwehr finden. Sonst ist sein Zauber kurz vor dem Ende seiner Dienstzeit einfach verflogen.

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29.04.2016, 06:00 Uhr

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