Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kommentar

Müssen Flugschauen überhaupt sein?

Ein Toter beim Fliegerbergfest im Metzinger Stadtteil Glems wegen des Absturzes eines Hubschraubers, kaum eine Stunde später zwei Tote beim Absturz eines Flugzeugs während des Flugplatzfestes in Backnang – der Sonntag war ein schlimmer Tag für den Flugsport. Nimmt man noch den Unfall des 76-jährigen Mössinger Piloten dazu, der Ende August bei der Flugschau in Albstadt die Kontrolle über seinen Doppeldecker verloren hatte und verletzt wurde, dann drängt sich schon die Frage auf, ob da nicht eine signifikante Häufung solcher Unglücke auftritt.

11.09.2012
  • Thomas de Marco

Was die vergangenen Wochen betreffe, sei das nicht zu leugnen, räumt Manuel Löhmann, der Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands, ein. „Aber über einen Zeitraum von zehn Jahren gesehen, ist eine Häufung solcher Unfälle nicht zu erkennen.“ Das kann Eberhard Wezel, der tief betroffene Vorsitzende des Luftsportvereins Roßfeld, für seinen Klub nur bestätigen: „Wir haben das Flugfest zum 26. Mal veranstaltet, in dieser Größenordnung seit 20 Jahren. In der ganzen Zeit hatte sich zuvor nur ein Fallschirmspringer den Fuß gebrochen.“

Der LSV Roßfeld habe alle vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, der Hubschrauberpilot sei sehr erfahren und seit langem mit dieser Maschine vertraut, in Glems hätten nur geladene und beim Regierungspräsidium Tübingen gemeldete Piloten mitmachen dürfen, erklärt Wezel. „Wir können uns keine Vorwürfe machen – außer diesem, dass wir das Flugfest überhaupt gemacht haben.“

Womit der Vorsitzende selbst die Frage aufwirft, die nach dieser Serie von Unfällen unweigerlich aufkommt: Ist das Risiko bei diesen Flugschauen nicht zu hoch, wenn nicht nur die Piloten, sondern sogar Zuschauer einer tödlichen Gefahr ausgesetzt sind? Müssen diese Flugfeste überhaupt sein?

Ungeachtet dessen, dass die Ursache des Unfalls von Glems noch überhaupt nicht ermittelt werden konnte, ist die Forderung nach einem Verbot solcher Veranstaltungen wohlfeil und populistisch. Bei einem tödlichen Unfall auf der Autobahn kommt auch niemand auf die Idee, einen Rückbau der Schnellstraße zu verlangen. Verunglückt ein Motorradfahrer tödlich, fordert keiner das Verbot von Motorradrädern. Stirbt ein Mensch beim Baden im Baggersee, denkt niemand an ein generelles Badeverbot in Gewässern.

Diese Überlegungen sollen das Unglück von Glems aber weder bagatellisieren noch verharmlosen. Die Verantwortlichen vom Regierungspräsidium Tübingen als Genehmigungsbehörde sowie der Veranstalter müssen für die Zukunft die Lehren aus dem Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ziehen. Wobei die Flugsportler vom Roßfeld derzeit ganz anderes bewegt als die Frage nach der nächsten Auflage ihrer Flugschau. „Unsere Gedanken sind beim Todesopfer. Wir gehen nicht zur Tagesordnung über, deshalb machen wir uns auch keine Gedanken, ob wir diese Veranstaltung wieder anbieten.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.09.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball