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Horb

Museumswürden für Hotpants

Alles schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Hotpants-Debatte? Ja, da war doch etwas. Anfang Juli tobte ein Streit in Deutschland: Dürfen Mädchen Hotpants und bauchfreie T-Shirts im Unterricht tragen?

27.08.2015
  • Dagmar Stepper

Nein, meinten Kolleginnen an der Altheimer Schule und Rektorin Bianca Brissaud verfasste einen Elternbrief. Als dieser an die Öffentlichkeit gelangte, wurde das Verbot deutschlandweit heftig diskutiert. Die Befürworter und Gegner hielten sich die Waag. Bianca Brissaud musste einiges an Spott, Häme und auch Wut über sich ergehen lassen. Doch nach zwei Wochen war der Spuk vorbei – an der Altheimer Schule kehrte wieder Frieden und Alltag ein.

Kurz bevor Bianca Brissaud in die Sommerferien verschwand, erinnert sie sich an eine E-Mail vom Haus der Geschichte in Bonn. Eine gewisse Dr. Angela Stirken bat um den Elternbrief und um eines der T-Shirts, das den zu freizügig gekleideten Schülerinnen und Schülern übergestülpt werden sollte. Die Anfrage kam bereits im Juli – mitten in der Hotpants-Debatte. Die Altheimer Rektorin hatte sie zuerst ignoriert, dachte an einen Scherz und kämpfte mit der Frage: „Meinen die das wirklich ernst?“ Oh ja, die wissenschaftliche Mitarbeiterin Sirken hatte es durchaus ernst gemeint. Sie sieht in dem Hotpants-Verbot und dem Medienrummel einen höheren Symbolwert. Es geht um Dresscodes, um die Frage, was erlaubt ist, um Geschlechterrollen. Im Gespräch erinnert Sirken an den Banker, dem ohne Anzug und Krawatte die Daseinsberechtigung fehlt. Oder an das pauschale Kopftuchverbot an Schulen, das vom Bundesverfassungsgericht im März gekippt wurde. In der Sammlung im Haus der Geschichte fanden so auch Kopftücher der Klägerinnen Eingang.

Bianca Brissaud fand die Anfrage hingegen zuerst übertrieben, dann aber „cool“. Wann schafft es schon eine so kleine Werkrealschule in die würdigen Hallen eines Museums? Auch wenn die beiden Objekte vielleicht nie in einer Ausstellung gezeigt werden. Doch virtuell sollen sie in Kürze zumindest in der Datenbank zu finden sein. Die Rektorin bleibt gelassen. Der Schulalltag hat sie wieder voll im Griff. Vor den Sommerferien wurde die Hotpants-Debatte schnell von den Realitäten verdrängt, beispielsweise vom Umzug der Außenstelle Grünmettstetten – sie wurde wegen fehlender Schülerzahlen geschlossen – nach Altheim. Das Thema Hotpants steht erst wieder im Frühherbst an. Dann will sich die neu gewählte Schülermitverwaltung mit einigen Schülern über eine neue Kleiderordnung Gedanken machen. Eventuell gibt es einen Besuch im Bonner Haus der Geschichte im neuen Schuljahr. Die Einladung hat Angela Stirken ganz deutlich ausgesprochen. Und wenn nicht – dann bleibt Schülern, Eltern und dem Kollegium immer noch der Blick ins Internet.

Museumswürden für Hotpants

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27.08.2015, 12:00 Uhr

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