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Das Herz eines Boxers

Musical "Rocky" feiert im Stuttgarter Palladium-Theater Premiere

Der Film mit Sylvester Stallone bekam drei Oscars, das Musical schaffte es als erste deutsche Produktion an den Broadway. Jetzt ist "Rocky" in Stuttgart angekommen. Gestern war Premiere im Palladium-Theater.

12.11.2015
  • HELMUT PUSCH

Stuttgart "Rocky" war 1976 der Durchbruch für den unbekannten Sylvester Stallone. Der Streifen gewann den Oscar als bester Film des Jahres, der muskelbepackte Stallone war als bester Schauspieler nominiert - aber auch als Drehbuchautor. Die Geschichte über einen einfachen, aber integren Boxer, der über sich hinauswächst, ist perfekt: die Wiederauflage des uramerikanischen Traums, der pünktlich zum 200. Geburtstag der USA die Botschaft auf die Leinwand brachte, dass in diesem Lande jeder der Schmied des eigenen Glücks sein kann.

Und diese Botschaft modellierte Stallone in "Rocky" so: Der schwarze Schwergewichts-Boxweltmeister Apollo Creed kann nicht gegen seinen Herausforderer kämpfen, da sich dieser verletzt hat. Alle anderen potenziellen Gegner lehnen einen Kampf ab, weil ihnen die Vorbereitungszeit zu kurz ist. Deshalb beschließt Creed, einem einheimischen Amateur die Chance zu geben.

Die Wahl des Managements fällt auf Rocky Balboa. Rocky, ungebildet und aus einfachsten Verhältnissen stammend, verdient etwas Geld als Boxer bei Kämpfen in heruntergekommenen Buden und als Geldeintreiber für den Kredithai Tony Gazzo. Rocky erkennt die Chance und investiert seine gesamte Kraft, um die Chance seines Lebens zu nutzen. Er rechnet nicht mit einem Sieg, ist schon stolz darauf, mit dem Weltmeister in einem Ring stehen zu dürfen und dadurch bekannter zu werden. Die Prämie für den Kampf kann er ebenfalls gut gebrauchen. Sein Ziel: Über die volle Distanz von 15 Runden zu kommen, was vor ihm noch kein Gegner Apollo Creeds geschafft hat. . .

Diesen Filmplot erzählt auch das Musical - in Klamotten aus den späten 70ern und in Kulissen, die das South-End, das Armenviertel Philadelphias, nachempfinden. Allerdings mit einer etwas anderen Gewichtung. Zwar gibt es auch im Film die Liebesgeschichte zwischen Rocky und der schüchternen Adrian. Doch die wird im Musical sehr viel prominenter gezeigt als im Film. Und das ist gut so. Denn diese Liebesgeschichte lässt sich auf der Bühne einfach besser darstellen als Sport- und Actionszenen, die man von der Leinwand und dem Bildschirm mit schnellen Schnitten und wechselnden Perspektiven gewöhnt ist.

Die sorgsam erzählte Geschichte verleiht diesem erfolglosen Boxer auch ganz andere Konturen als im Film. Das ist ein zu kurz Gekommener, der mangels Bildung versucht, aus seinem Körper und seinem Boxtalent Kapital zu schlagen, um aufrecht durchs Leben gehen zu können. Das ist einer, der endlich sein Glück gefunden hat, aber weiß, dass er es riskieren muss. Denn er könnte nicht weiterleben, wenn er die Chance, die ihm der Kampf mit Apollo Creed bietet, nicht ergreift. Und das spielen die beiden Stuttgarter Hauptdarsteller Nikolas Heiber als Rocky und Lucy Scherer als Adrian im ersten Teil des Musicals wirklich ergreifend und schön.

Nach der Pause werden andere Saiten aufgezogen: Da wird mit viel Effekten und Technik bei den Trainingssequenzen mit der Leinwand konkurriert, da muss Rocky zu den Klängen von Bill Contis Rocky-Filmthema "Gonna Fly Now" auch mal eine Treppe hinaufsprinten. Auch wenn diese Szenen den Filmbildern etwas hinterherhecheln, funktionieren sie erstaunlich gut.

Und wie kommt der alles entscheidende Boxkampf auf die Bühne? Gar nicht. Denn den Showdown haben die Musicalmacher in den Zuschauerraum verlegt. Die Besucher der ersten Reihen werden auf die Bühne gebeten, dafür schiebt sich der Boxring ins Parkett. Und dort geht es mit ausgeklügelter Choreografie zur Sache, die über weite Strecken nach Vollkontakt aussieht, und erstaunlicherweise keinerlei Längen hat. Immer wenn's durchhängen könnte, gibt es einen kleinen Effekt, mal eine Zeitlupe, dann wieder ein Nummerngirl, das die Runden anzeigt. Und die Maskenbildner, die als Ringbetreuer in den Ecken kauern, leisten ganze Arbeit, da schwellen Augen zu, bluten Cuts. . .

Und die Musik? Die ist eine Bank - allerdings nur dank der Hits, die man aus den "Rocky"-Filmen importiert hat: "Eye of the Tiger" von Survivor, Bill Contis Filmmelodien und "Living in America" von James Brown. Der Rest ist Musical-Konfektionsware, aber gut gesungen und gespielt.

Musical "Rocky" feiert im Stuttgarter Palladium-Theater Premiere
Das wahre Glück: Adrian (Lucy Scherer) und Rocky (Nikolas Heiber) im Musical "Rocky". Foto: dpa

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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