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Tübingens Hollywood liegt im Brechtbau

Musik, Cocktails, Thun und Spaß: Das Zentrum für Medienkompetenz feiert

Wer hat Lust, einen Dokumentarfilm zu drehen? Oder ein Hörspiel zu inszenieren? Im Zentrum für Medienkompetenz kann man es lernen – sofern man in Tübingen studiert.

02.07.2015
  • Ulrich Janssen

Tübingen. Wenn Medienschaffende feiern, geht es gern etwas lockerer zu. Man steht entspannt, verzichtet auf Krawatten, steife Sakkos und manchmal auch auf steife Ansprachen. Der Uni-Rektor jedenfalls beschränkte sich am Dienstagabend („ich bekam Anweisung, möglichst gar kein Grußwort zu sprechen“) auf ein paar wenige Sätze zur feierlichen Eröffnung des neuen Medienkompetenz-Zentrums. Sie galten vor allem der Direktorin, Prof. Susanne Marschall. Die Film-Expertin, meinte Engler, sei tatkräftig dabei, Tübingen zu „einem der führenden Medienstandorte in Baden-Württemberg“ zu entwickeln, wenn nicht sogar zu dem führenden.

Eine gute Million Euro hat Marschall für die Umsetzung dieses Ziels bei Engler schon locker machen können, Geld, mit denen die Räume im Brechtbau umfassend umgebaut wurden. Er habe, scherzte Engler, Susanne Marschall von Anfang nach Tübingen holen wollen. Aber: „Ich wusste auch: Wenn die kommt, will die was.“

Was Susanne Marschall wollte (und auch bekam), zeigten sie und ihr 20-köpfiges Team den knapp 160 Gästen mit allergrößtem Vergnügen. Auf zwei Etagen und 600 Quadratmetern entstanden modern ausgestattete Studios, Schneideräume, Büros, eine Küche und eine eigene Mediathek. Die angeschaffte Kamera-, Schnitt-, Licht- und Tontechnik ist auf aktuellem Stand, alles ist HD-fähig und – über eine neue Rechner-Architektur – miteinander vernetzt. Von allen Arbeitsplätzen aus haben die Studierenden jetzt Zugriff auf Filme, Fotos oder Tondateien, so können sie gemeinsam arbeiten und optimal betreut werden.

Das Zentrum, das keiner Fakultät zugeordnet ist, will Studierende unterschiedlichster Fächer mit dem nötigen praktischen und theroetischen Wissen für eine Karriere in der Medienwelt versorgen. Auch Wirtschaftswissenschaftler oder Biologen können hier einen Film drehen, ein Hörspiel inszenieren oder sich an einer Animation versuchen. Die Hauptnutzer sind allerdings die etwa 650 Medienwissenschaftler, die derzeit an der Uni studieren.

Das Studium ist begehrt. Zehn Kandidaten bewerben sich im Schnitt auf einen der Plätze. Und das offenbar mit gutem Grund: „Unsere Absolventen finden fast alle einen Job“, versichert Marschall. Angesiedelt sind die Jobs längst nicht mehr nur in den klassischen Medien, in Zeitungen oder beim Fernsehen. Die meisten Absolventen landen heute in Internet-Redaktionen, in sozialen Netzwerken, in Werbe- oder PR-Agenturen, wo sie ihre in Tübingen erworbenen Kompetenzen nicht selten komplett einbringen dürfen. Marschall: „Die müssen heute alles können vom Schreiben bis zum Filmen.“

Dass man es auch ohne abgeschlossenes Studium zu etwas bringen kann, führte bei der Eröffnung Helge Thun vor. Der Zauberer, Komiker und vielversprechende Dichter genoss sichtlich seine kurzzeitige Rückkehr an den Ort, an dem er vor Jahrzehnten sein Studium abbrach. „Das“, verriet er vergnügt, „hatte nicht zuletzt mit Bernd Engler zu tun.“ Trotz dieser bitteren persönlichen Erfahrung fand Thun in seiner Ansprache auch liebevolle Worte für die Institution, die einst als „Medienabteilung“ gestartet war. „Wir hatten damals sogar eine eigene Nebelmaschine“, erinnerte er sich, „die war ganz klein und hieß Professor Muckenhaupt.“ Der ehemalige Chef der Medienwissenschaftler war bekannt für seine Pfeife.

Zu seiner „Hassliebe“ zum Brechtbau bekannte sich auch Kurt Schneider, der Geschäftsführer des Zentrums. Schneider meinte aber auch, dass es ihm in dem Bau „keinen Tag langweilig“ geworden sei.

Wie es sich für ein Medienzentrum gehört, konnten die Gäste ihren Rundgang anschließend auf hohem technischen Niveau absolvieren. Neben den Türen prangte ein QR-Code. Wer das Symbol mit seinem Smartphone scannte, bekam wichtige Infos über das, was in den jeweiligen Räumen geschah.

Zur Freude der Gäste gab es nach dem offiziellen Teil auch noch etwas zu essen und zu trinken. Das Catering hatte der Universitätsversorger U.D.O. übernommen, für die Cocktails sorgten die eigenen Mitarbeiter. Zur Musik von Marietta und Eberhard Dümpler wurde dann noch bis nachts um zwei Uhr gefeiert.

Musik, Cocktails, Thun und Spaß: Das Zentrum für Medienkompetenz feiert
Die Leitung des Hauses vereint auf dem roten Sofa: Direktorin Susanne Marschall und Geschäftsführer Kurt Schneider vom Zentrum für Medienkompetenz warten auf Helge Thun, der sie sich anschließend einzeln beim Interview auf dem Sofa vornahm.Bild: Metz

Das Medien-Zentrum ist nicht nur uniintern für die Ausbildung von Studierenden zuständig. Hier entstehen auch Filme und Tonbeiträge für die Öffentlichkeit. So produziert Campus TV regelmäßig Beiträge für das landesweite HD Campus TV-Programm. Kabel BW-Kunden können es über ihre Digitalbox empfangen, zu sehen ist es aber auch als Livestream im Netz und auf Facebook. Das Zentrum übernimmt zudem Aufzeichnungen von universitären Events und begleitet die Französischen Filmtage. Auch das Uni-Radio, bislang als selbstständige Einrichtung für Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, wird demnächst dem Zentrum zugeordnet.

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02.07.2015, 12:00 Uhr

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